18. Juli 2013, 16:38 Uhr

Victoria heiratet ihren Husar

Eigentlich wollten sich Gasttenor Hauke Möller und Haussopranistin Maria Chulkova lediglich auf ihre Hauptrollen in der Operette »Viktoria und ihr Husar« vorbereiten. Nun ist ein Dauerengagement daraus geworden. Vorläufiger Höhepunkt: Hochzeit am Freitag, 19. Juli.
18. Juli 2013, 16:38 Uhr
Eigentlich wollten sich Gasttenor Hauke Möller und Haussopranistin Maria Chulkova lediglich auf ihre Hauptrollen in der Operette »Viktoria und ihr Husar« vorbereiten. (Wegst)

Rückblende: Oktober 2012. Der Sänger mit Wohnsitz in Köln arbeitet im Probenraum des Stadttheaters mit Korrepetitor Evgeni Ganev, als verabredungsgemäß Maria Chulkova den Raum betritt, Möllers Partnerin in der neuen Produktion des Hauses. »Als Mascha hereinkam, dachte ich: Was für eine schöne Frau«, sagt Möller beim Gespräch im Café und verspeist mit Genuss einen Happen Sacher-Torte.

Der Tenor kannte die russische Sopranistin nicht. Bislang wirkte sie in Deutschland nur am Stadttheater. Möller weilte zum ersten Mal in Gießen. »Als Mascha anfing zu singen, war ich hin und weg. Es war Liebe auf den ersten Ton.«

Möller nickt anerkennend, als wolle er seinen Worten Nachdruck verleihen. Chulkova sitzt lächelnd neben ihm, nippt an ihrem Tee und schweigt, wie das so ihre Art ist. Dann meint die Sängerin überraschend: »So schnell kann das gehen.« Mascha blickt ihrem Hauke tief in die Augen. »Was für ein Geschenk«, sagt er. Heute läuten die Hochzeitsglocken. In Möllers Heimatstadt Hamburg.

Anfangs wusste im Stadttheater niemand etwas von dem jungen Glück. Die ersten Blicke wurden verschämt ausgetauscht, die ersten SMS auf Italienisch verschickt, das erste Treffen ging heimlich über die Bühne: im Dachcafé bei Rüblitorte, Tee und Kaffee – beide sind Torten-Fans.

Je länger die Proben währten, desto inniger wurde das Verhältnis. Dann folgte der erste Bühnenkuss, und die zwei Turteltäubchen konnten nicht mehr voneinander lassen. Da wusste auch der Letzte im Haus, dass Viktoria ihren Husar gefunden hatte.

Als Mascha und Hauke während der Aufführungen im Großen Haus in ihrem Liebes-
duett die Liedzeile »Du warst der Stern meiner Nacht« in »Du bist der Stern meiner Nacht« umdichteten, war klar, wohin die Reise geht: In ein abgelegenes Romantikhotel, in dem der 37-Jährige seiner Angebeteten im Frühjahr einen Heiratsantrag machte. »Ohne dass Mascha ahnte, was jetzt kommt.« Natürlich sagte die 28-Jährige Ja.

Nach der Hochzeit am 19. Juli reist das junge Glück nach Dresden in die neue gemeinsame Wohnung. Möller, ausgewiesener Könner seines Fachs, hat dort am Operettenhaus ein Engagement bekommen. Chulkova, die so elegant singt wie kaum eine zweite Sopranistin es in Gießen je getan hat und der nach zwei Spielzeiten zum Leidwesen ihrer zahlreichen Fans der Vertrag nicht verlängert wurde, ist noch auf der Suche. Das Klavier für die Hausmusik – Chulkova ist auch ausgebildete Pianistin – steht in Dresden bereit.

Komplett auf die junge Sopranistin verzichten müssen die Gießener indes nicht: Im November steht sie im Verdi-Requiem als Gastsängerin neuerlich auf der Stadttheaterbühne.

Kurz vor dem Wegzug aus Gießen stimmte Chulkova vor ihrem Liebsten die bezaubernde Viktoria-Arie »Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände« ein letztes Mal an, in der leicht abgewandelten Handwerker- und Umzugsversion: »Streich mir zum Abschied noch einmal die Wände.« Auch das muss ein Husar können. Manfred Merz

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos