16. September 2019, 14:00 Uhr

Fernse und Co.

Viel mehr als ein Strickkreis

Der »Südstadttreff« ist ein positives Beispiel für generationenübergreifende Projekte. Eine besondere Runde ist der Handarbeitstreff.
16. September 2019, 14:00 Uhr
Zwei rechts, zwei links… Stricken und gleichzeitig sprechen ist für die Frauen des Handarbeitstreffs eine leichte Übung. (Foto: Schepp)

Was ist das Problem mit einer Ferse? Lilli Mohr lacht. Die alte Dame weiß ganz genau, dass diese für ungeübte Socken-Strickerinnen schwierig ist. Schließlich hat sie anderen schon oft genug gezeigt, wie es geht. Die Seniorin kann vermutlich fast im Schlaf stricken - so wie viele andere in der Runde, die sich alle 14 Tage im Caritashaus Maria Frieden trifft. Aber darauf kommt es nicht an. »Jeder macht das, was er kann und wozu er Lust hat«, sagt Lisa Peppler. Die 30-Jährige hat den Handarbeitstreff vor knapp zwei Jahren initiiert. Mittlerweile kommen jedes Mal zehn bis 20 Frauen, um bei Kaffee und Kuchen zu handarbeiten und zu plaudern. Für die berufstätige Mutter von zwei kleinen Kindern ist die Frauenrunde ein »wunderbares Kontrastprogramm«. »Jeder profitiert hier von jedem.« Sie organisiert die Treffen gemeinsam mit Sabine Hammel, die einige Monate später hinzu kam. Die beiden Frauen handarbeiten nicht nur selbst gerne, sondern ergänzen sich auch bei der Leitung des Treffs - ein perfektes Team.

Viele weitere Projekte

Für Gundula Breyer-Keil hätte es nicht besser laufen können. Sie freut sich darüber, dass der Handarbeitstreff ein solcher Erfolg geworden ist. Das Ziel, Bewohner des Altenpflegezentrums und Bürger des Wohnviertels zueinander zu bringen, ist hier bestens gelungen. Die Sozialarbeiterin beim Caritasverband hat vor einigen Jahren den »Südstadttreff« initiiert, mittlerweile laufen hier mehrere unterschiedliche Projekte. Nach dem Umzug des Altenpflegeheims Maria Frieden aus der Frankfurter Straße in das neue Haus in der Bernhard-Itzel-Straße musste das Wohnumfeld neu erschlossen werden. Eine Herausforderung, die mit vereinter Kraft gut gelungen ist. Beliebt sind die »Südstadtspaziergänge«, bei denen unter fachkundiger Leitung die Umgebung erkundet wird: Bergwerkswald, Klinikum, Institute der Universität und vieles mehr. Zudem gibt es einen Literaturkreis und eine Walkinggruppe. Ein »Renner« ist das Smartphone-Café, das an zwei Terminen im Monat in Maria Frieden stattfindet. Eine Gruppe trifft sich unter der Leitung von Ehrenamtlichen des »Senioren Journals«, eine andere wird von jugendlichen Flüchtlingen betreut.

Junge Geflüchtete helfen

Gemeinsam haben die Projekte, dass Ehrenamtliche sie mit Leben füllen. »Wir bieten den Rahmen und helfen bei der Organisation, aber die Ehrenamtlichen führen Regie«, sagt Breyer-Keil. Menschen, die Lust darauf haben, etwa Neues auszuprobieren, sind willkommen. In den letzten Jahren hat sich zweierlei gezeigt: Es dauert mitunter eine Weile, bis sich neue Projekte etabliert haben. Zudem braucht man ein bisschen »Mut zum Scheitern«, denn es kann durchaus sein, dass eine Idee nicht auf die erhoffte Resonanz trifft.

Das ist beim Handarbeitstreff eindeutig nicht der Fall. Aus dem zunächst vierwöchigen Rhythmus ist sogar ein zweiwöchiger Turnus geworden. Die Frauen waren in den vergangenen Monaten ungeheuer produktiv. Außer den erwähnten Socken haben sie Schals und Pullover hergestellt und zudem einen ganzen Zoo: Tiere in allen möglichen Formen und Farben waren extrem angesagt und machten sowohl den Schenkenden als auch den Beschenkten großen Spaß. Dass die Damen nicht nur flinke Finger, sondern auch ein großes Herz besitzen, zeigt sich in ihrem Engagement für soziale Zwecke. Mehrfach haben sie winzige Mützen und Söckchen für die Frühchenstation des Klinikums gestrickt, außerdem bestücken sie den Caritas-Weihnachtsmarkt und bereichern den Gabentisch der CVJM-Weihnachtsfeier, die in jedem Jahr für Bedürftige organisiert wird.

Dass ihre liebevoll hergestellte Kleidung so gut ankommt, ist für die Frauen eine schöne Bestätigung und Motivation. Der Hauptgrund, alle zwei Wochen zum Handarbeitstreff zu kommen, ist jedoch die Geselligkeit. Es macht eben mehr Spaß, in einem netten Kreis zu arbeiten, als zu Hause vor sich hin zu werkeln. Das sehen alle so - ob sie nun 30 oder 90 Jahre alt sind. Stricken, sticken oder häkeln steht an diesen gemütlichen Nachmittagen im Mittelpunkt. Die Gespräche über Familie und das Leben, über Gott und die Welt sind dabei ein ebenso unterhaltsames wie kurzweiliges »Rahmenprogramm«.

Der »Frauenclub« bekommt übrigens bald ein Pendant: Geplant ist ein Männerstammtisch. Auch die haben Lust auf Gespräche über »Gott und die Welt«.

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