29. Juni 2018, 06:00 Uhr

Nach dem WM-Aus

WM-Aus: So reagieren Public-Viewing-Betreiber in Gießen

Das Aus der Deutschen Fußballer bei der WM in Russland hat auch Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Vor allem Gastwirte leiden.
29. Juni 2018, 06:00 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 1 Kommentar
Die WM-Arena ist verwaist. (Foto: Schepp)

Mittwochnachmittag, kurz vor 16 Uhr: Ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold gekleideten Menschen steht an der Bahnunterführung auf der Ludwigstraße. Die einen zieht es in die Zwibbel, die anderen nehmen vor den Leinwänden im Apfelbaum oder dem Ritzis Platz. In den Gesichtern ist Freude und Zuversicht, aber auch Anspannung zu erkennen. 90 Minuten und etliche Liter später ist die Fanschminke von Tränen verwischt, die Freude ist Fassungslosigkeit gewichen. Noch ein Bier? Nein, lieber nicht.

Das Aus der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Russland drückt auf die Stimmung – auch bei den Gastronomen. Torsten Ströher dürfte es mit am härtesten treffen. Er betreibt sowohl das Ritzis als auch den Apfelbaum. Dass an einem Mittwochnachmittag beide Läden rappelvoll sind, wir er diesen Sommer wohl nicht mehr erleben. »Wir zeigen die anderen Spiele weiterhin, aber finanziell ist das Ausscheiden natürlich ein Nachteil«, sagt Ströher.

Und das nicht nur für seine beiden Kneipen. Denn der Gießener ist zudem Geschäftsführer der Unikat Veranstaltungs GmbH, die die WM Arena im Schiffenberger Tal veranstaltet. Das »Burger meets Craftbeer«-Festival an diesem Wochenende wird noch stattfinden, gleiches gilt für das Konzert der Rockband »The Baseballs« am 13. Juli. Weitere Veranstaltungen sind aber nicht mehr geplant, Fußballübertragungen ohnehin nicht. Laut Ströher liegen die Gesamtkosten für die Arena im sechsstelligen Bereich. Das lässt sich nicht mehr reinholen, sagt der Chef: »Wir gehen von einem Verlust im fünfstelligen Bereich aus.«

Wir gehen von einem Verlust im fünfstelligen Bereich aus

Torsten Ströher, WM Arena

Auch Pedro Bulut, den Betreiber des Türmchen«, trifft das Ausscheiden. »Die große Leinwand war eine teure Geschichte. Sie hätte sich erst rentiert, wenn Deutschland das Viertelfinale erreicht hätte.« Jetzt müsse er versuchen, das Geld auf anderem Wege einzunehmen, sagt der Gastronom und hofft auf einen langen sonnigen Sommer. Gerne auch schon für den Rest der Weltmeisterschaft, denn Public Viewing wird es am Kirchenplatz weiterhin geben. »Wir zeigen auch die anderen Begegnungen. Aber natürlich ist bei den Deutschlandspielen am meisten los.« Doch Bulut will nicht zu sehr klagen, er nimmt den Verlust vielmehr sportlich. »Bei den letzten Turnieren hat es immer gut geklappt, diesmal leider nicht. Das ist unternehmerisches Risiko.«

 

Jetzt wird neu dekoriert

Doch nicht nur auf die Gastronomie hat das Scheitern von Kroos, Müller und Co. Auswirkungen. Die in den Deutschlandfarben dekorierten Teilchen in den Bäckereien werden nach dem WM-Aus nicht weggehen wie warme Semmeln. Neben den Auslagen werden auch die Schaufenster der Innenstadt anders aussehen. Das bestätigt zum Beispiel Lothar Schmidt, Geschäftsführer der Gießener Karstadt-Filiale. »Natürlich verändern wir jetzt unsere Flächen. Wir haben zum Beispiel im Erdgeschoss ein großes Areal mit Fanartikeln. Das macht jetzt keinen Sinn mehr.« Schwarz-rot-goldene Schminke, Deutschland-Fähnchen oder Überzieher für die Autospiegel verschwinden in der Mottenkiste. Und ob Karstadt in diesem Jahr noch mal ein Özil-Trikot verkauft, darf bezweifelt werden.

Aber Schmidt sieht nicht nur die negativen Seiten. »Die Weltmeisterschaft hat auch viel Kaufkraft aus der Innenstadt gezogen«, sagt der Karstadt-Chef. Wer am Mittwochnachmittag einen Blick auf den leer gefegten Seltersweg geworfen hat, weiß, wovon der Geschäftsmann spricht. Die vielen Modeboutiquen, Cafés und Schmuckgeschäfte der Innenstadt werden das WM-Aus also sicherlich verkraften können.

Zusatzinfo

Verlust auch für den DFB

Das Vorrunden-Aus bei der WM in Russland bedeutet für den Deutschen Fußball-Bund neben einem enormen Imageschaden auch ein finanzieller Verlust. Von einem Minus in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro ist die Rede. Um einen Gewinn zu erwirtschaften, hätte das Team von Joachim Löw das Halbfinale erreichen müssen.

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