31. Mai 2017, 19:56 Uhr

Weniger Leistungszulagen für Frauen

31. Mai 2017, 19:56 Uhr

Je höher die Gehälter einer Berufsgruppe sind, desto seltener sind dort Frauen vertreten. Aber warum? Und was kann man dagegen tun? Diese Fragen waren am Mittwoch Thema im Senat der Justus-Liebig-Universität. Das Gremium befasste sich mit dem »Gleichstellungskonzept 2.0« und mit neuen Erkenntnissen zu individuellen Leistungszulagen. Auch dieses Extra-Geld wird häufiger an Männer ausgezahlt.

Vor einiger Zeit hatte die Gruppe »Lebendige Universität« darum gebeten, die Leistungszulagen unter die geschlechtsspezifische Lupe zu nehmen. Das Ergebnis überrasche ihn, sagte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee: Durch die Bank sei eine Benachteiligung von Frauen zu erkennen, »in einigen Fällen gibt es erhebliche Diskrepanzen«.

Woran das liegt, hätten etliche bundesweite Studien untersucht. Wahrscheinlich spielten Unterschiede in der Berufsbiografie – Stichwort Familienpause – keine so große Rolle wie strukturelle Faktoren. Die »männliche Normalbiografie« werde als Standard angenommen, in »informellen Kreisen« – beim Netzwerken – hätten Männer Vorteile. »Sie haben einen Prozess angestoßen«, wandte sich Mukherjee an Prof. Renate Deinzer von der Liste. Das Präsidium sehe mindestens »Beobachtungsbedarf«, wahrscheinlich gelte es auch zu handeln.

Aber wie? Das ist Thema des Gleichstellungskonzepts, das die Frauenbeauftragte Dr. Nadyne Stritzke vorgelegt hat. Nach über 30 Jahren Frauenförderung habe sich die Lage weiter gebessert, hält sie fest. So liege der Anteil der Professorinnen mit knapp 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. 61 Prozent der Studierenden sind Frauen, damit sei die JLU bundesweit mit führend. Das Konzept nennt sieben »Handlungsfelder«, mit denen die Chancengleichheit weiter vorangebracht werden solle: Etwa Antidiskriminierung, noch mehr Familienfreundlichkeit sowie Forschung und Lehre in Frauen- und Geschlechterthemen. Was das konkret heißen kann, gelte es weiter zu diskutieren, sagte Stritzke auf Deinzers Nachfrage hin.

Vor wenigen Jahren hat er eine Doktorarbeit einer Wissenschaftlerin betreut, jetzt empfiehlt der Gutachter ihre Berufung als Professorin: Ein solcher Fall entzündete eine Debatte über Befangenheit. Immer wieder gebe es solche Fälle, bemängelten einige Senatsmitglieder. »Ein Mega-Thema«, sagte Mukherjee und stellte klar: Es gehe nicht um konkretes Fehlverhalten, sondern darum, den »Anschein von Befangenheit für Außenstehende« zu vermeiden. Eine Liste mit Kriterien soll Berufungskommissionen sensibilisieren, weitere Gespräche seien nötig.

Freude über mehr Geld fürs Klinikum

Erfreut über die Einigung zur Klinikumfinanzierung äußerten sich sowohl Mukherjee als auch der Medizin-Dekan Prof. Wolfgang Weidner. Er sehe darin »ein klares Bekenntnis des Landes« zum Standort Mittelhessen, sagte Mukherjee. Auf Nachfrage sagte er, die zusätzlichen 15 Millionen Euro vom Land pro Jahr würden bei keiner Hochschule abgezogen. Weidner sprach von einem »Quantensprung«.

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