01. Juli 2012, 21:23 Uhr

Wenn Georg Büchner durch die Unibibliothek schleicht

Gießen (nil). Stockfinster ist es spät in der Nacht in der Universitätsbibliothek. Nur in einer Ecke schimmert fahles Licht: Justus von Liebig steht dort vor den Bücherreihen, im Frack, mit Kerze in der Hand und blättert in einem gelehrten Werk, beim Sommerfest »Nachts in der UB«.
01. Juli 2012, 21:23 Uhr
»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« Georg Büchner verteilte beim UB-Sommerfest seine Flugblätter. (Foto: nil)

In einer anderen Ecke des Hauses schimpft Wilhelm Conrad Röntgen, dass er immer dagegen gewesen sei, dass die von ihm entdeckte Strahlung nach ihm benannt wurde. Weil er ja schließlich selber von der Arbeit seiner Vorgänger profitiert habe, an denen nun sämtlicher Ruhm vorbeigehe. Aus dem Dunkel kommt auch noch Georg Büchner geschlichen. Er will die Flugblätter verstecken, die er verfasst hat, und muss aufpassen, weil ihn der hessische Großherzog steckbrieflich suchen lässt. Weil er kein gutes Versteck findet, verteilt er die Pamphlete lieber gleich unters Volk.

Das Volk, das sind die Besucher der »Geisterführung« durch die nächtliche Uni-Bücherei am vergangenen Samstag. Sie sind an diesem Abend zum Sommerfest der Bibliothek gekommen. Die Feier hat in diesem Jahr auch einen besonderen Anlass: 1612 hat nämlich Landgraf Ludwig V. Die ersten Bücher gekauft und so den Grundstein für die Universitätsbibliothek gelegt. Sie ist damit also genau 400 Jahre alt. Und in dieser Zeit haben sich in ihr so einige bedeutende Geister die Nächte um die Ohren geschlagen. So wie das nun Mitarbeiter und Studenten in ihren Kostümen darstellen.

»Es ist das erste Mal, dass wir hier diese kleinen Szenen zeigen«, sagt Claudia Martin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Uni-Bücherei, die die Besucher mit einer Taschenlampe durch die düsteren Regalreihen lotst. Sie lacht: »Wir hatten auch jede Menge Spaß beim Proben.« Neben der »Geisterführung« haben sich die Bibliotheksmitarbeiter noch mehr einfallen lassen. Zum Beispiel erteilen Experten Ratschläge an Studenten oder andere Interessierte. Etwa wie man ein Referat hält, wie man an wissenschaftliche Informationen kommt oder was beim Erstellen einer Powerpoint-Präsentation zu beachten gilt. Im Foyer lädt ein Bücherflohmarkt zum Stöbern und Schmökern ein. »Das ist was für echte Trüffelschweine«, lächelt Claudia Martin, »da können die ein bisschen wühlen.« Einige der ganz alten Schwarten sehen schon ziemlich zerlesen aus, aber das gehört sich ja schließlich so in einer Universität.

Zum Abschluss des Sommerfestes dürfen die Besucher noch einmal auf eine Führung. Mit Fackeln in der Hand lauschen sie den Ausführungen des Kunsthistorikers Prof. Marcel Baumgartner. Der nimmt sie mit auf den Kunstweg zwischen Phil I und II und erklärt ihnen die Exponate. Und fügt gleich hinzu: »Die Kunstwerke werden im Feuerschein lebendig. Sie sehen ganz anders aus, als man das bei Tageslicht gewohnt ist.«

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