22. Dezember 2017, 11:00 Uhr

VfB-Stadion

Wer soll den Ausbau des Gießener Waldstadions bezahlen?

Mit der Fusion des VfB 1900 Gießen und der Teutonia aus Pohlheim muss sich am Gießener Waldstadion einiges ändern. Nur eine Frage: Wer trägt die Kosten des Umbaus?
22. Dezember 2017, 11:00 Uhr
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Von Burkhard Möller

Über 4000 Fans im Waldstadion, ein 2:1-Sieg des VfB 1900 gegen die Offenbacher Kickers, und in den Reihen der Gießener spielte ein gewisser Uwe Bein. Diese Bilder von vor 20 Jahren werden viele einheimische Fußball-Anhänger im Kopf gehabt haben, als die Meldungen von der Fusion des Oberligisten Teutonia Watzenborn-Steinberg mit dem Noch-Gruppenligisten VfB 1900 Gießen die Runde machten.

Damit verbunden war die Nachricht, dass das Waldstadion zu einer modernen Spielstätte umgebaut werden soll, die auch den Ansprüchen der Regionalliga genügen würde, falls den Pohlheimern noch in dieser Saison bzw. dem neuen Verein in den nächsten Jahren der Wiederaufstieg gelingen sollte. Allerdings hat die Geschichte einen Haken, denn die Stadt Gießen als Eigentümerin des Stadions ist bislang in die Fusionspläne nicht eingeweiht worden.

 

Stadt zeigt sich aufgeschlossen

Dies bestätigte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Donnerstag gegenüber der GAZ in einer längeren Erklärung, in der die Fusionspläne von Gießens Sportdezernentin aber ausdrücklich begrüßt werden. »Die mögliche Fusion der beiden Fußball-Vereine macht Hoffnung darauf, dass eine der stärksten mittelhessischen Fußballmannschaften in Gießen beheimatet sein wird. Das würde die Sportstadt Gießen bereichern«, betont die SPD-Rathauschefin.

Dem in der Erklärung der beiden Vereine anvisierten Ausbau beider Spielstätten in Pohlheim und Gießen, die sich beide im kommunalen Besitz befinden, stehe die Stadt aufgeschlossen gegenüber und sei gespannt darauf, »was die beiden Vereine sich konkret an welchem Standort vorstellen«.

 

Viele Vorgaben

Laut Grabe-Bolz ist der Magistrat seit dem Sommer im Bilde, was nötig wäre, um das Waldstadion für die vierte Liga zu »ertüchtigen«. So habe Mitte Juni an einer Sitzung der städtischen Sportkommission eine Delegation der Teutonen teilgenommen, um einen Erfahrungsbericht über die Anforderungen an den Regionalliga-Spielbetrieb zu geben. Neben den organisatorischen und sicherheitstechnischen Vorgaben durch die Liga, Polizei und Ordnungsamt sei dabei auch über die baulichen Vorgaben berichtet. worden. Diese seien am Beispiel des Waldstadions simuliert worden. Die Liste der Vorgaben Liste ist sehr lang – und wäre in der Umsetzung wohl auch entsprechend teuer.

 

Parkplätze für bis zu 10 000 Fans

Grabe-Bolz zählt auf: getrennte Anreise- und Zugangswege für eigene Anhänger und Gäste-Fans, eine eigene Tribüne mit Einzäunung der Gästefans, Vorgaben hinsichtlich verschiedener Funktionsräume für Dopingkontrollen, Pressekonferenz, VIP-Bereich, Umkleidekabinen Pressetribüne, Parkplätze für 5000 bis 10 000 Zuschauer sowie VIP-Parkplätze, eine Flutlichtanlage mit Vorgaben der lux-Werte für TV-Übertragungen, ein Sicherheitsturm für Polizei und Security, Neuer Rasenplatz mit Beregnungsanlage, neue Bande mit Sicherheitszaun.

»Bevor Spekulationen ins Land schießen und verfrühte Hoffnungen über ein Comeback des traditionellen Waldstadions als Heimstätte des Gießener Fußball entstehen«, müssten also viele wichtige Fragen beantwortet werden. Dies ist laut Grabe-Bolz »allen Beteiligten klar«. Über Kosten eines Umbaus, planungsrechtliche Schritte und grundsätzliche Fragen der baulichen Realisierbarkeit sei im Juni nämlich noch gar nicht nicht geredet worden. So müsse die Eignung als Spielstätte ebenso geprüft werden wie die künftige Nutzung, denn neben dem VfB 1900 tragen die Footballer des MTV 1846 Spiele dort aus. Und nicht zuletzt erwartet die Stadt, dass der fusionierte neue Verein »zur Finanzierung einer solchen Ertüchtigung« eigene Vorstellungen entwickelt. An der Klärung all dieser Fragen hat die Stadt laut OB »ein großes Interesse«.

Zusatzinfo

Fassungsvermögen bei 4900

2016 hat die Stadt im Zuge der Planung für das neue Stadion der Unisportler Zuschauer-Obergrenzen für alle Sportanlagen im Umfeld definiert. Das Waldstadion hat demnach ein Fassungsvermögen von 4900, das weit über der Mindestanforderung der Regionalliga (2500) liegt. Viele Bereiche des Stadions indes sind marode, eine Flutlichanlage fehlt. Der Sanitärtrakt soll 2018 und 2019 für 80 000 Euro saniert werden. Nutzbar für das Stadion wäre der geplante große Parkplatz auf dem früheren PX-Gelände an der Grünberger Straße.



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