31. Juli 2019, 22:17 Uhr

Wider den Alltagsrassismus

31. Juli 2019, 22:17 Uhr
Randi Becker vom Bündnis »Rassismus tötet« spricht zu den Teilnehmern der Kundgebung.

Rund 120 Menschen haben am Dienstagabend bei einer Kundgebung gegen Rassismus auf dem Berliner Platz ihre Bestürzung über das Attentat auf einen 29-jährigen Eritreer in Wächtersbach zum Ausdruck gebracht. Randi Becker vom antirassistischen Bündnis »Rassismus tötet!« hatte die Kundgebung Ende vergangener Woche angemeldet. Sie hielt die erste von sechs Reden. Fast alle Redner äußerten auch ihre Bestürzung über den Tod des achtjährigen Jungen, der am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Eritreer vor einen Zug gestoßen worden war.

Becker zeigte sich besorgt, dass der Täter von Wächtersbach seine Tat in seinem Umfeld angekündigt hatte, ohne dass darauf jemand reagiert habe: »Wenn solch eine Aussage nicht ernst genommen wird, dann wird rechtes Gedankengut offenbar als normal angesehen«, sagte sie. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass das Verbrechen an dem jungen Eritreer Bilal M. kein Einzelfall sei. Gerade gegen den Alltagsrassismus, der sich bei Familienfeiern, im Supermarkt oder auf der Straße zeige, müsse man sich entschieden zur Wehr setzen.

»Die Tat von Frankfurt ist die Tat eines Einzelnen, und Einzelkriminelle lassen sich im Gegensatz zu organisierten rechten Gruppierungen nicht bekämpfen«, sagte die Deutsch-Eritreerin Bekainesh Kicos, die für die eritreische Gemeinde sprach und Bezug nahm auf das Geschehen am Frankfurter Bahnhof. Kicos erklärte auch, dass viele Eritreer sich aufgrund des Verbrechens nicht getraut hätten, an der Kundgebung teilzunehmen. Matthias Riedl von den Gießener Linken kritisierte eine Verharmlosung von rechten Gewalttaten auch seitens des Verfassungsschutzes, der nicht eingegriffen habe. Außerdem sprach er rechtsradikale Netzwerke bei Polizei und Bundeswehr an.

Weitere Redebeiträge kamen von Dominic Harapat (»Die Partei«) und Luca Steinbeck (»Seebrücke Gießen«). Die Veranstaltung verlief friedlich und war nach einer Stunde beendet. Anlass für die Kundgebung auf dem Rathausplatz war der versuchte Mord an einem 26-jährigen Eritreer in Wächtersbach, der mit drei Schüssen aus einem Auto heraus lebensgefährlich verletzt worden war. Der Täter Roland K. hatte die Tat zuvor in seiner Stammkneipe angekündigt und sich später das Leben genommen. (Foto: bf)

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