01. Oktober 2019, 22:02 Uhr

Wie Einsamkeit krank macht

01. Oktober 2019, 22:02 Uhr
Mit grünen Schleifen wollen sie ein Zeichen setzen gegen Diskriminierung psychisch Kranker (v. l.): Jona Iffland, Angelika Maus. Christoph Mulert. (Foto: kw)

Krankgeschrieben wegen Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden: So versteckte man früher mitunter eine Depression. Inzwischen sprechen auch Prominente offen über dieses Leiden, und die Enttabuisierung hat erfreuliche Folgen: Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert. Gegenüber anderen psychischen Krankheiten jedoch nähmen die Vorurteile sogar zu. Um so nötiger seien Aktionen gegen Stigmatisierung, sagt Prof. Christoph Mulert, Direktor der Gießener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Dazu beitragen soll eine Reihe von Veranstaltungen, die die regionalen Hilfseinrichtungen wieder rund um den »Tag der seelischen Gesundheit« am 10. Oktober organisiert haben. Das Programm stellte Mulert gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Anke Birkhahn und Dr. Jona Iffland sowie Angelika Maus vom Gemeindepsychiatrischen Verbund Gießen vor.

Namentlich Psychosen würden häufig als Gefahr wahrgenommen, so Mulert. Bei Umfragen steige die Zahl der Bürger, die sagen, sie wollten einen daran Erkrankten nicht als Nachbar haben. Ein Grund sei, dass über Straftaten einiger Betroffener - etwa des 40-Jährigen, der im August in Frankfurt einen Jungen vor einen Zug stieß - groß berichtet werde.

Mehr Vorbehalte gegen Psychosen

Mit einer grünen Schleife am Revers sollen Bürger am 10. Oktober »Farbe bekennen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung«. Akzeptanz in der Gesellschaft trage dazu bei, dass Betroffene sich trauen, Hilfe zu suchen, behandelt werden und mit der Krankheit leben lernen.

»Gemeinsam statt einsam« lautet in diesem Jahr das bundesweite Motto des Aktionstags. Gerade stark stigmatisierte psychische Krankheiten können einsam machen - und umgekehrt kann Einsamkeit beispielsweise zu Depressionen führen. Diese häufigste psychische Krankheit betrifft aktuell fünf bis zehn Prozent der Bundesbürger. Im Laufe ihres Lebens erkranke jede dritte Frau an einer schwereren Form von Depression, erläutert Mulert.

Einsamkeit sei nicht nur ein Thema im Alter, sondern beispielsweise auch in der Pubertät, wissen die Fachleute. Soziale Medien könnten unglücklichen Jugendlichen helfen, sich zu informieren und auszutauschen. Sie könnten aber auch Auswirkungen haben wie etwa Mobbing, so Iffland.

Zu den Aktionen in Gießen sind alle Interessierten willkommen, der Eintritt ist frei. Die Termine:

Samstag, 5. Oktober, 11 bis 14 Uhr: Infostand des neuen Aktionsbündnisses seelische Gesundheit zu lokalen Angeboten.

Montag, 7. Oktober, 16 Uhr, Psychiatrie-Hörsaal (Klinikstraße 36): »Einsamkeit durch Ausgrenzung. Das Stigma psychischer Krankheit als persönliche und gesellschaftliche Herausforderung« von Prof. Georg Schomerus (Leipzig).

17.30 Uhr ebendort: Filmabend zum Thema Autismus, »Im Weltraum gibt es keine Gefühle«.

Dienstag, 8. Oktober, 15 Uhr, Psychiatrie-Hörsaal, Vortrag: »Der Mensch als soziales Tier. Warum Einsamkeit krank macht« von Prof. Jan Häusser, JLU Gießen. Anschließend Workshops zu Entspannung und Kreativität, Kontaktmöglichkeit zur Angehörigengruppe.

Donnerstag, 10. Oktober, 14 bis 18 Uhr, Vitos Klinik (Licher Straße 106), »Psychiatrie im Dialog« mit Vorträgen, Mitmachaktionen und Informationen.

18 Uhr, ebendort: Lyrischer Abschluss zum Thema Psychiatrie mit dem vielfach ausgezeichneten Poetry-Slammer Lars Ruppel.

Ab 13. Oktober: Filmreihe zu psychischen Erkrankungen, Sucht und Erziehungsproblemen im Kino Traumstern (Lich) anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Laubacher Vereins für Psychosoziale Therapie.

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