25. August 2019, 19:26 Uhr

Wie Gott in Frankreich

25. August 2019, 19:26 Uhr
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Von Christian Schneebeck
Dicht and dicht drängen sich die Besucher des Weinfests am Samstagabend. Im Hintergrund unterhält die Band »The Jets«. (Foto: csk)

Eistee wäre die logischere Wahl. Oder vielleicht ein kühles Bier. Die meisten Besucher greifen am Wochenende im Stadtpark Wieseckaue allerdings, thematisch passend, zum etwas edleren Tropfen. Die dritte Auflage des Gießener Weinfestes profitiert dabei von hochsommerlich-heißem Wetter.

Tausende drängen sich Freitag und Samstag abends zwischen den sechs Weinständen und einer Wein-Cocktail-Bar. Am Sonntag kommt auch der Nachwuchs auf seine Kosten. Dies aber selbstredend ohne Wein - dafür zum Beispiel auf der Hüpfburg oder beim Kinderschminken am Familientag.

7500 Besucher an ersten zwei Tagen

Aller guten Dinge sind drei. Diese Floskel drängt einfach sich auf, wenn man mit Christian Trageser von der Strandbar ein Zwischenfazit zieht. »Es sind sicher die erfolgreichsten Tage, die das Weinfest bisher erlebt hat«, freut sich der Organisator schon am Samstagabend. Am nächsten Morgen schätzt er die Besucherzahlen vorsichtig auf 3500 (Freitag) und 4000 (Samstag). Litt die Veranstaltung im vergangenen Jahr unter einem zarten Herbsteinbruch nach wahrem Jahrhundertsommer, lässt es sich diesmal für ein Wochenende leben wie Gott in Frankreich.

So ähnlich fühlt sich wahrscheinlich auch Gregor Naumann, als er den ersten »zornigen Hessen« seines Lebens probiert. Er habe »gar nicht gewusst, dass mitten in den Semesterferien so viel los sein kann«, schwärmt der 21-jährige Student, während er etwas unschlüssig an dem Spezial-Cocktail auf Basis eines Weißen Burgunders nippt. Naumanns Begleitung, Stefanie Vollmer, zieht deutlich beherzter am »Russian Rudolf Rosemary« - und scheint mit der Weißherbst-Wild Berry-Zitronensaft-Kreation insgesamt bestens zufrieden.

Wer über einen nicht ganz so experimentierfreudigen Gaumen verfügt, reist geschmacklich halt in den Rheingau, nach Rheinhessen, Franken oder sogar Südamerika. Und während man beispielsweise beim Flörsheimer Weingut in der langen Schlange wartet, besingen nebenan auf der Bühne »The Jets« kurzerhand »Sweet Home Alabama«. Die Würzburger Band liefert die Livemusik zum zweiten Weinfestabend. Den ersten hatte die Gruppe »Silwer« gestaltet.

Lautstärke unter Grenzwerten

Von der Musik ist der Weg nicht weit zu einem möglichen Reizthema: dem Lärm. Besonders bei der Weinfest-Premiere 2017 hatten sich Anwohner der Ringallee, der Eichgärtenallee und am Schwanenteich darüber beschwert. Wie bereits im Vorjahr müssen die Veranstalter deshalb auch diesmal wieder ein Lärmprotokoll führen. Bei der gemessenen Lautstärke sei man jedoch Freitag wie Samstag durchweg unter den Grenzwerten geblieben, sagt Trageser am Sonntagmittag. Entsprechend lägen ihm bis dato keine Beschwerden vor.

So bleibt es am Neuen Teich bei einer stimmungsvollen Spätsommerparty unter freiem Himmel. Zornig, meint Gregor Naumann, sei nur der Hesse gewesen. Also der im Glas.



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