14. September 2019, 10:00 Uhr

Abtreibungsdebatte

Wirbel um evangelikale Werbung für Schwangerenkonfliktberatung

Die von der evangelischen Allianz Gießen gestartete Kampagne für die Schwangerenkonfliktberatung des Vereins Pro femina sorgt für Wirbel. Die Stadtwerke lassen die Anmietung von Werbeflächen auf Stadtbussen überprüfen.
14. September 2019, 10:00 Uhr

Mit einer Werbekampagne haben sich konservative Christen in Gießen in die Debatte um das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche eingeschaltet. Bis Februar sollen Stadtbusse auf drei Gießener Linien die Werbung des Vereins »Pro femina« durch die Stadt fahren, zudem wurden Zeitungsanzeigen geschaltet. In einer Pressemitteilung spricht die evangelikale evangelische Allianz Gießen von einem »positiven Beitrag« in der Diskussion um den Strafrechtsparagrafen 219a. Ziel der Kampagne sei es, das Beratungs- und Hilfsangebot von Pro femina in Gießen bekannt zu machen, damit Frauen in Schwangerschaftskonflikten »eine gute Entscheidung für sich und das ungeborene Kind treffen können«.

Die Hilfsorganisation Pro Femina betreibe seit 20 Jahren deutschlandweit Aufklärungskampagnen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Beraterinnen wollten Frauen helfen, im Schwangerschaftskonflikt eine Entscheidung auf Grundlage »sachlicher Information und wertschätzender Beratung« zu treffen. Zur Unterstützung von Pro femina seien in den Gemeinden der Evangelischen Allianz in Gießen 219 Babyfläschchen als Spendendosen verteilt worden, um die Arbeit von Pro femina zu unterstützen. Mit der Zahl 219 spielt die Allianz auf den umstrittenen Strafrechtsparagrafen 219a an, gegen den die Gießener Ärztin Kristina Hänel laut Gerichtsurteilen verstoßen hat und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Die Werbekampagne der Allianz hat seit Wochenmitte zu einigen Reaktionen geführt, nachdem das Christliche Medienmagazin pro auf seiner Internetseite berichtet hatte und ebenfalls Bezug auf die Debatte um Hänel nimmt, die in dem Artikel als »Gießener Abtreibungsärztin« bezeichnet wird.

SWG wollen Mietvertrag prüfen

Kritiker von Pro femina aus dem feministischen und linken Spektrum werfen dem Verein vor, Frauen »manipulativ« und »nicht ergebnisoffen« zu beraten. Klar ist: Der Verein ist keine staatlich anerkannte Beratungsorganisation und kann demzufolge auch keinen Beratungsschein ausstellen, der eine Voraussetzung für die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs ist. In Gießen stellen solche Scheine die Beratungsstellen des katholischen Vereins Donum Vitae, der evangelischen Diakonie und pro Familia aus. Pro femina betreibt in Deutschland nur ganz wenige örtliche Beratungsstellen, in den Zeitungsanzeigen und in der Buswerbung verweist die Evangelische Allianz auf eine kostenlose telefonische Beratung.

Aus Sicht der Gießener DKP, die mit zwei Abgeordneten im Stadtparlament vertreten ist, ist die Werbung gerade in Gießen »umso empörender«, da sich die Stadtverordnetenversammlung einstimmig dafür ausgesprochen hatte, Schutzzonen vor Beratungsstellen und Arztpraxen einzurichten. Damit sollten künftig Kundgebungen von selbsternannten Lebensschützern verhindert werden, von denen sich Patientinnen, Schwangere und Mitarbeiterinnen bedrängt fühlten. Den Magistrat der Stadt Gießen als Eigentümerin der Stadtwerke bzw. von MitBus fordert die DKP auf, den Mietvertrag für die Buswerbung von Pro femina zu kündigen.

Auf Anfrage erklärte Stadtwerke-Dezernentin Astrid Eibelshäuser (SPD), dass die SWG die Vertragslage »im Hinblick auf die Möglichkeit der vorzeitigen Vertragsauflösung« prüfen werden. Unternehmenssprecherin Ina Weller ergänzte, dass die Vermarktung der Hälfte aller Werbeflächen auf den 54 Stadtbussen einer Agentur übertragen worden sei, die auch diesen Mietvertrag abgeschlossen habe. Mietanfragen für Werbung, nicht offensichtlich weder anstößig noch gesetzeswidrig sei, könnten nicht ohne Weiteres abgelehnt werden.

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