08. Januar 2016, 18:23 Uhr

Wo bleibt Haus für Flüchtlingsfrauen?

Gießen (mö). Im August hatte der Landkreis Gießen angekündigt, im November in Gießen eine Gemeinschaftsunterkunft nur für Frauen zu eröffnen. Nach GAZ-Informationen liegen die Pläne seit dem Wechsel der Zuständigkeiten im hauptamtlichen Kreisausschuss auf Eis.
08. Januar 2016, 18:23 Uhr

Sexuelle Übergriffe auf Frauen und Kinder in der großen Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im früheren US-Depot sorgten im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Ein in Briefform an den Landtag abgesetzter Hilferuf von hessischen Frauen- und Sozialverbänden wurde sogar auf rechten Internetseiten in den USA thematisiert. Im Zusammenhang mit dieser Debatte hatte der Landkreis Gießen im vergangenen August angekündigt, im November in Gießen eine Gemeinschaftsunterkunft nur für Frauen zu eröffnen. Doch daraus ist bis jetzt nichts geworden. Nach GAZ-Informationen liegen die Pläne seit dem Wechsel der Zuständigkeiten im hauptamtlichen Kreisausschuss auf Eis.

Dem Vernehmen nach hat Landrätin Anita Schneider (SPD) die Umsetzung eines fertigen Konzepts für zwei Unterkünfte im östlichen Stadgebiet von Gießen sowie im östlichen Kreisgebiet nach der Übernahme der Zuständigkeit für das Thema Asyl/Flüchtlinge gestoppt, um ein neues Konzept zu erarbeiten. Eine Bestätigung dafür war vom Kreis nicht zu erhalten. Die Zuständigen seien noch im Urlaub, hieß es auf Anfrage aus der Kreispressestelle.

Anlass dieser Anfrage der GAZ war eine Presseerklärung des Gießener Ärztenetzes (ÄNGie) zum Thema Flüchtlingsunterkünfte für Frauen. Geschäftsführerin Dr. Leonie Knorpp: »Geeignete Einrichtungen in unserer Region zur Unterbringung von allein reisenden Frauen und Frauen, die aufgrund besonders schwerer Traumata einen besonderen Schutz bedürfen, befürworten wir ausdrücklich.« Insbesondere Frauen seien in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften häufig Opfer psychischer und physischer Gewalt. Als regionales Ärztenetz von niedergelassenen Haus- und Fachärzten arbeite der Verein schon länger daran, die medizinische Versorgungssituation von Flüchtlingen in Stadt und Kreis zu verbessern. ÄNGie-Experte für die Versorgungssituation von Flüchtlingsfrauen sei der Hungener Arzt Ralf Naujoks.

Lob für Oßwald

Der wiederum hatte sich erst vor wenigen Tagen in einem Leserbrief an die GAZ besorgt darüber geäußert, dass die vielbeschäftigte Landrätin Schneider vom Kreisbeigeordneten Dirk Oßwald (Freie Wähler) nun auch noch die Zuständigkeit für das große Zukunftsthema Asyl/Flüchtlinge übernommen habe, das sich »nicht einfach so nebenher und zusätzlich« erledigen lasse. Oßwald, den Naujoks in dem Brief ausdrücklich lobte, wechselt bekanntlich zum 1. Januar 2017 zur Lebenshilfe

Hinter den beiden Wortmeldungen aus dem ÄNGie steckt also womöglich der Unmut über die nunmehr eingetretene Verzögerung bei der Schaffung der Frauenunterkünfte.

Derweil hat sich das für die HEAE zuständige Regierungspräsidium auf Anfrage ebenfalls zu dem Thema geäußert. RP-Sprecherin Ina Velte betonte: »Grundsätzlich werden allein reisende Männer getrennt von Frauen und Familien untergebracht. Inzwischen gibt es in fast allen Einrichtungen Gebäude oder Leichtbauhallen, die ausschließlich Familien und Frauen vorbehalten sind.« Auch in Gießen gebe es einen Gebäudekomplex, in dem ausschließlich Familien untergebracht würden, sowie Bereiche, die Frauen vorbehalten seien. Weiterhin solle der Schutz vor Übergriffen und Gewalt zum Beispiel durch gesonderte Unterbringung einzelner Personengruppen, Sicherheitspersonal und/oder mobile Wachen gewährleistet werden. Weitere Maßnahmen seien in der Planung. Dazu zählten Unterbringungskonzepte für Schutzbedürftige; geschützte Räume und Rückzugsmöglichkeiten für Frauen sowie Kontakt- und Beratungsangebote für Personen, die sich gefährdet fühlten. »Vieles ist in einzelnen Liegenschaften bereits in der Umsetzung«, sagte Velte.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anita Schneider
  • Fachärzte
  • Familien
  • Flüchtlingsheime
  • Freie Wähler
  • Gewalt
  • SPD
  • Sicherheitspersonal
  • Sozialverbände
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.