17. September 2012, 21:13 Uhr

Wochenmarkt-Kundin provoziert mit Hakenkreuz und Hitler

Gießen (mö). Etliche Besucher des Gießener Wochenmarkts trauten am Samstag ihren Augen nicht. Zwischen den Verkaufsständen und mitten durch das geschäftige Treiben schlenderte eine Kundin, die ein schwarzes T-Shirt mit Nazi-Symbolen trug.
17. September 2012, 21:13 Uhr
Mit Hakenkreuz auf Einkaufsbummel: Für Aufregung sorgte am Samstag diese Wochenmarkt-Kundin. (Foto: pv)

Auf der Vorderseite prangte eine Abbildung von Adolf Hitler, darunter war der Spruch zu lesen: »Seit 60 Jahren vermisst. Wir brauchen Dich«. Auf der Rückseite war ein Hakenkreuz abgebildet. Mindestens damit hat sich die Frau strafbar gemacht, denn die Verwendung von Kennzeichen der NSDAP ist in Deutschland gemäß Strafgesetzbuch (§ 86a) verboten. Für das Tragen ähnlicher Hemden waren im Januar einige Neonazis vom Amtsgericht Dresden wegen Volksverhetzung zu Geldstrafen verurteilt worden.

Wie Augenzeugen am Montag gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung berichteten, ließen sich andere Besucher des Wochenmarkts die Provokation durch die T-Shirt-Trägerin nicht bieten und informierten eine Streife des Freiwilligen Polizeidienstes, die wiederum die Polizei verständigte. Die herbeigerufenen Beamten entdeckten die Frau am Landgraf-Philipp-Platz, stellten ihre Personalien fest, verwiesen auf die Strafbarkeit ihres Verhaltens und fertigten eine Strafanzeige. Gegenüber den Beamten habe die 52-jährige Gießenerin gesagt, sie habe das T-Shirt halt noch im Kleiderschrank gehabt und sich »nichts dabei gedacht«, es beim Einkauf zu tragen, berichtete Polizeisprecher Willi Schwarz auf Anfrage.

Dass sich einige Passanten das Verhalten der Frau nicht gefallen ließen, wurde von Augenzeugen, die auch die Freiwilligen Polizeihelfer für deren »umsichtiges« Eingreifen lobten, positiv vermerkt.

Unklar ist, ob es einen Zusammenhang mit der Mahnwache der rechtsextremen NPD gibt, die am Samstag vor dem Nordeingang der Galerie Neustädter Tor abgehalten wurde. Die Mahnwache, die unter dem Motto »Raus aus dem Euro« stand, war von Thomas Hantusch, dem Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands Lahn-Dill, am vergangenen Mittwoch bei der Stadt angemeldet worden. Wie Magistratssprecherin Claudia Boje sagte, sei den Anmeldern ein Platz an der Ecke Kinogasse/Seltersweg zugewiesen worden, zudem habe es weitere Auflagen gegeben.

Tatsächlich spielte sich das Geschehen rund um die Mahnwache dann aber an der Nordanlage ab, wo etwa knapp 100 Gegendemonstranten, die meisten aus der hiesigen Antifa-Szene, die zehn Rechtsextremisten belagerten. Beide Gruppen wurden von der Polizei auf Abstand gehalten. In einer bislang nur im Internet veröffentlichten Erklärung des Gießener »Bündnisses gegen Rechts« wird die Stadt erneut kritisiert, weil sie keinen Versuch unternommen habe, die Mahnwache der NPD zu verbieten.

Solche Demonstrationsverbote indes gelten als aussichtslos, weil sie von den Verwaltungsgerichten in den allermeisten Fällen aufgehoben werden, so zuletzt im Sommer, als einige Städte mit Verbotsverfügungen gegen die »Deutschlandtour« der NPD scheiterten.

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