06. Januar 2019, 17:56 Uhr

Zurück aus Shenzhen

06. Januar 2019, 17:56 Uhr
Gruppenbild mit den Tänzern aus China und Gießen. (Foto: pm)

Anfang Dezember fand das erste International Greater Bay Music and Dance Festival in Südchina statt. Zum Kurator für die europäischen Beiträge war Tarek Assam ausgewählt worden, der als Leiter des TanzArt ostwest-Festivals über zahlreiche Kontakte und viel Erfahrung verfügt. Der Ballettdirektor am Stadttheater Gießen kooperiert seit 2011 mit Tanzensembles aus China. Regelmäßig waren chinesische Künstler zu Gast in Gießen, ein letzter Höhepunkt war das Stück »Cross«, in dem die Tanzcompagnie Gießen (TCG) mit chinesischen Artisten performte.

Der intensivste Kontakt besteht mit der Shenzhen Arts School in Südchina. Seit Januar 2017 gibt es eine Ausbildungsvereinbarung über Workshops und Vorlesungen mit dem Schwerpunkt Improvisationstechniken im Zeitgenössischen Tanz. Die Tänzer und Tanzpädagogen fliegen für je vier Wochen zum Unterrichten nach Shenzhen. Aktuell war TCG-Mitglied Magdalena Stoyanova bereits seit November dort. Sie tanzte auch bei fast allen Vorstellungen der Tanzcompagnie Gießen im Rahmen des Festivals mit.

Das Kulturamt der Freihandelszone von Shenzhen, namentlich der stellvertretende Leiter Simon Ding, organisierte das neue internationale Festival zusammen mit dem Direktor der Shenzhen Arts School Huang Quicheng.

Ursprünglich war geplant Vorstellungen in allen vier Millionenstädten der Greater Bay Area zu geben, also auch in Hongkong, Guangzhou und Macao. Auf den Wunsch der Regionalregierung Guangdongs kamen alle Direktoren und Ensembles in die Zwanzig-Millionen-Metropole Shenzhen, so dass ein Herumfahren für die europäischen Tanzcompagnien überflüssig wurde. »Es hat sich gut konzentriert für uns,« resümmiert Assam im Gespräch mit der GAZ, »wir haben alle wichtigen Leute getroffen und Persönlichkeiten der Tanzszene dort kennengelernt, konnten Gespräche führen und Ideen für die Zukunft entwickeln.«

Assam war bereits eine Woche vor Beginn nach Shenzhen geflogen. Seine Aufgabe bestand darin, das Eintreffen der europäischen Ensembles vorzubereiten, die Koordination der Bühnen auf den Weg zu bringen, die Beleuchter, Stellwerker und Techniker mithilfe von Übersetzer Huang Hongye auf das Kommende vorzubereiten. »Die Bühnen und Veranstaltungshallen sind mit modernster Technik ausgestattet, doch wird nach anderen Standards gearbeitet.« Das andere Umgehen zeigte sich im Nachhinein auch darin, dass die Gastgeber von »clear european aesthetic« oder »western aesthetic« sprachen. Was positiv gemeint ist.

Sechs Ensembles aus der TanzArt-ostwest-Gruppe beteiligten sich. Während die Gießener mit sechs und die Berner mit fünf Tänzern und Tänzerinnen anreisten, waren es bei den anderen zwei oder drei. Für alle läuft daheim die Hauptspielzeit, kein Theater konnte daher das gesamte Ensemble für diese Tournee freistellen. Alle waren begeistert: die Gastgeber von der Qualität des Gezeigten und die Gäste von der überwältigenden Gastfreundschaft. »Wir wurden regelrecht verwöhnt.« Und das Ambiente einer Millionenstadt tat sein Übriges. Der abendliche Empfang auf der Dachterrasse des Hotels erlaubte atemberaubende Ausblicke.

Zu den vier Auftrittsorten gehörte auch das kürzlich eröffnete MOCAPE (Museum of Contemporary Art und Planning Exhibitions), dessen futuristische Architektur von den österreichischen Architekten der »Coop himmelb(l)au« stammt. »Das ist als große Ehre anzusehen, dass wir die erste Vorstellung auf der zum Museum gehörenden Bühne geben durften.«, so Assam. Die anderen Auftrittsorte waren neben dem Theater der Shenzhen Art School noch das Poly Theatre und das Poly Arts Space. Beide sind riesige Veranstaltungshäuser, die im Rahmen wirtschaftlicher Kulturinitiativen erbaut und städtisch betrieben werden. »Die Investitionen in den Kulturbereich sind gigantisch in Shenzhen.«

Das Festival soll nun regelmäßig stattfinden. Über die Konditionen wird nach einer Auswertung in Guangzhou noch entschieden. Und in dem ganzen Trubel wurde Kurator Tarek Assam auch noch geehrt: auf einer Tafel im Poly Arts Space wird er mit anderen zum Ehrenmitglied des künstlerischen Vorstands für den Tanz benannt.

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