28. Juli 2017, 20:52 Uhr

Wort zum Sonntag

Zurück zu den Wurzeln

28. Juli 2017, 20:52 Uhr

An vielen Orten finden jetzt »Sommerkirchen« statt: Mehrere Gemeinden einer Region laden zu einem gemeinsamen Gottesdienst ein. Oft sind auch Prediger und Kirchenvorsteher aus den Nachbargemeinden, neben der Ortspfarrerin/dem Ortspfarrer, aktiv beteiligt. Und oft gibt es im Anschluss die Möglichkeit, die Nachbargemeinde kennenzulernen und bei Kaffee, Tee oder Saft miteinander ins Gespräch zu kommen.

Einige unken allerdings, die Sommerkirche sei ein Armutszeugnis der schrumpfenden Christenheit in Deutschland. Dabei ist es doch eher ein Aufbruch zurück zu den Wurzeln. Heraus aus der guten Stube des eigenen Stadtteiles oder Dorfes zu den anderen Christen in der Nachbarschaft. Aus der Not kleiner werdender Gemeinden und weniger Gottesdienstbesucher wird mit der Sommerkirche eine Tugend gemacht: Menschen laden einander zum Gottesdienst ein und andere machen sich auf den Weg, mit Fremden einen Gottesdienst zu feiern!

Gemeinsam Gottesdient feiern

Im Sommer macht es besonderen Spaß, mit dem Fahrrad zu fahren. Und wenn es regnet, sollte man Bus fahren oder Fahrgemeinschaften bilden (wegen der Umwelt!). Oft organisiert die eigene Gemeinde auch einen Fahrdienst. Und wenn man erst da ist, ist es spannender als eine private Einladung: Wie sieht diese Kirche aus? Sind die Leute dort freundlich? Wie ist der Altar geschmückt? Welche Lieder singt man? Vereinzelt hört man heute in evangelischen Kirchen auch fremde Sprachen: Lieder auf Russisch oder Italienisch. Lesungen in Englisch oder auf Farsi. So wandelt sich unser Gottesdienst von der wöchentlichen Hauptversammlung der Alteingesessenen zum Kennenlernen fremder Christen in sich verändernden Gemeinden.

Ein herzlicher Händedruck vor dem Abendmahl (»Friede sei mit dir!«) bricht das Eis zu den Banknachbarn. So können aus Fremden Freunde werden. Und Gott ist mitten unter ihnen. In der Bibel (im Jakobusbrief, Kapitel 2) wird ein entscheidendes Kriterium für einen gelingenden Gottesdienst genannt: Man solle sich frei machen von allem Ansehen der Person und allen Menschen eine gleichermaßen einladende Gemeinde sein. Die Sommerkirche ist der Versuch, das wieder neu zu leben. Wie schön, wenn das Experiment gelingt. Und wohin gehen Sie am Sonntag um 10 Uhr feiern?

Frank Wendel, Pfarrer der Michaelskirche Gießen-Wieseck

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