25. Mai 2019, 06:00 Uhr

Körperverletzung

Zwei Jahre Haft für drei Stiche: Gießener verurteilt

Ein 62-jähriger Gießener ist wegen lebensgefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Tatort seiner wüsten Messerattacke war die Böcklinstraße.
25. Mai 2019, 06:00 Uhr

Ein deutliches Signal und ein mildes Urteil. Ein 62-jähriger, in Polen geborener Gießener wurde am Freitag von der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 31. Oktober 2018 in seiner Wohnung in der Gießener Böcklinstraße auf einen 55-jährigen, ebenfalls gebürtigen Polen mit dem Messer eingestochen und ihn dabei lebensbedrohend verletzt hatte. Nur dank ärztlicher Hilfe hatte der Geschädigte überlebt.

Der Sachverhalt ist dank der Einlassung des Angeklagten weitgehend unstrittig. Die beiden Männer und ein Dritter hatten sich in der Wohnung getroffen. Das spätere Opfer hatte dabei dem dritten Mann Geld gegeben, damit dieser in einem nahe gelegenen Supermarkt Wodka, Bier und Zigaretten besorgen könne. Nachdem sich Letzterer auf den Weg gemacht hatte, schlief das Opfer mit drei Promille Alkohol im Blut auf der Couch ein. Der Wohnungsinhaber entwendete ihm dann 50 Euro, weil der Geschädigte ihm angeblich noch einen zweistelligen Euro-Betrag schulde. Der 55-Jährige wurde wach, forderte das Geld zurück, und als ihm der Gastgeber, der nur zur Tatzeit nicht unter Alkoholeinfluss stand, das verweigerte, entwickelte sich eine Rangelei, in dessen Verlauf der Wohnungsinhaber zu einem Küchenmesser griff und es seinem Gegner mindestens dreimal in den Oberkörper rammte.

Der Angeklagte, der seit 1988 in Deutschland lebt und sich vor Gericht über einen Dolmetscher verständigen musste, erhielt in der Urteilsbegründung eine kurze Unterweisung in Grundzüge des bundesdeutschen Rechts. So hätte er, um geliehenes Geld zurückzubekommen, andere Wege gehen müssen, als dem vermeintlichen Schuldner die 50 Euro einfach wegzunehmen, erklärte ihm Richterin Regine Enders-Kunze.

Gutachter Dr. Jens Ulferts hatte beim Angeklagten eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert und eine Reduktion der sozialen Leistungsfähigkeit ausgemacht. »Er ist nicht in der Lage, zu arbeiten und am sozialen Leben teilzunehmen«, stellte der Psychiater fest. Allerdings sei zum Tatzeitpunkt keine aktuelle Verfolgungs- oder Bedrohungsangst erkennbar gewesen. Auch eine Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit liege nicht vor. Dem hielt der Angeklagte in einem Zwischenruf entgegen: »Wen ich Herr meiner Sinne gewesen wäre, hätte ich doch nicht zum Messer gegriffen.«

Staatsanwalt Klaus Bender forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen Nötigung sowie Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug. Dabei sah er im Gegensatz zu Verteidiger Alexander Auer keine Notwehrsituation. Der Verteidiger plädierte auf fahrlässige Körperverletzung.

Nutzloses Schlusswort

Das Schlusswort vor der Urteilsverkündung gehörte dem Angeklagten: »Wenn er mich nur geschlagen und nicht gewürgt hätte, hätte ich nicht zum Messer gegriffen. Kranke Menschen gehören ins Krankenhaus und nicht ins Gefängnis.« Später belehrte ihn die Richterin eines Besseren: Der Angeklagte sei nicht gewürgt, sondern in den Schwitzkasten genommen worden. Aus dieser Lage hätte er sich befreien können, ohne dem Opfer mehrere Messerstiche zu versetzen. Der Haftbefehl bleibt bestehen.

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