24. Januar 2021, 20:33 Uhr

Ärger über Rückzug des Landes

24. Januar 2021, 20:33 Uhr
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Von Dieter Graulich
Die Bürgermeister Edwin Schneider (Ulrichstein, oben mit Revierförster Peter Kraus) und Bernhard Ziegler (Herbstein) sowie Klaus Rauber vom Waldbesitzerverband fordern vom Land, sich erst zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Holzverkauf für Kommunen und Privatwaldbesitzer zurückzuziehen. FOTO: AU

Bereits seit dem 22. November 2018 brodelt es bei den Kommunal- und Privatwaldbesitzern über die Formalitäten beim Holzverkauf. Einem Appell an das Land schließt sich auch Ulrichsteins Bürgermeister Edwin Schneider an. Am 22. November 2018 hatte die Hessische Umweltministerin Priska Hinz mitgeteilt: »HessenForst wird sich nach und nach aus der Holzvermarktung in Kommunal- und Privatwäldern, die über 100 Hektar groß sind, zurückziehen. Das Ministerium unterstützt Kommunalwald- und Privatwaldbetriebe dabei, eigene Holzverkaufsorganisationen zu gründen. Grundsätzlich gilt für diese Umstellung der Holzvermarktung der Stichtag 1. Januar 2019. Das Umweltministerium gewährt aber Übergangsfristen. Für Kommunen vor allem in Ost- und Nordhessen, wo es nur geringe Anteile von Körperschaftswald gibt, für Privatwaldbesitzer und für forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse gilt eine Übergangsfrist für die Holzvermarktung bis zum 31. Dezember 2020«.

Deshalb kamen Ende 2018 die Mitglieder der betroffenen Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) »Westlicher Vogelsberg« und Grebenhain mit über 1 600 Waldbesitzern und 10 800 Hektar Waldfläche.

Eingeräumt wurde bereits damals vom Ministerium, dass die kleinteiligen und gemischten Besitzstrukturen es erschwerten, marktfähige Verkaufseinheiten zu bilden und dies werde berücksichtigt. In Regionen mit hohen Anteilen an Körperschaftswald hätten die Bemühungen zu einer selbständigen Holzvermarktung bereits begonnen. Dort seien die Strukturen günstiger, um eigenständige kommunale Holzverkaufsorganisationen zu bilden. Sofern es dort jedoch zu massiven Störungen des Holzmarktes, wie unter anderem durch Sturm Friederike, lang anhaltende Dürre oder Borkenkäferkalamität komme, könne der Holzverkauf, so im Dezember 2018, bis zum 31. Dezember 2019 weiterhin über HessenForst erfolgen.

Begründet wurde der Rückzug von HessenForst aus der Holzvermarktung mit einer Forderung des Bundeskartellamtes.

Schon im Dezember 2018 forderten Christian Raupach, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbandes und Klaus Rauber, Vorsitzender der Kreisgruppe Vogelsberg des Hessischen Privatwaldverbandes, sowie die beiden Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaften, Bürgermeister Edwin Schneider (Ulrichstein) und Bernhard Ziegler (Herbstein), vom Ministerium mehr Zeit. Der Aufschub solle vor allem in den Regionen mit ungünstiger Waldbesitzstruktur gelten, so bei einer Gemengelage von Kleinprivatwald und kleinen oder mittelgroßen Kommunalwäldern.

Ende Juni 2020 teilte das Umweltministerium mit, dass dem Landesbetrieb HessenForst wegen der andauernden Kalamität und den damit einhergehenden, gravierenden Störungen auf dem Holzmarkt gestattet werde, dezentral durch die Forstämter, für noch zwei Jahre, bis Ende 2022, die Holzvermarktung zu vermitteln. Dies gelte aber nur für Holz, das aus Wäldern von Privatwaldbesitzern, Gemeinschaftswäldern oder Kommunalwaldwälder mit Flächen unter 100 Hektar stamme.

Drei Tage vor Jahresende, am 28. Dezember 2020, erteilte das Ministerium dem Landesbetrieb HessenForst nun die Anordnung, dass ab 1. Januar 2021 keine gebündelte Holzvermarktung aus dem Privatwald mit einer Forstbetriebsgröße bis 100 Hektar über Forstbetriebsgemeinschaften mehr erfolgen dürfe. Dies bedeutet, dass nun die Holzvermarktung der Privatwaldbesitzer nur noch über eine einzelvertragliche Regelung erfolgen kann. Somit werden aus den zwei Verträgen mit den FBGs eventuell bis zu 1 600 Einzelverträge.

Bei einem Pressegespräch im Rathaus Herbstein machten Schneider, Ziegler und Rauber deutlich, dass in anderen Bundesländern die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse wesentlich weiter entwickelt seien. In Hessen habe die Landesregierung dieser Aufgabe bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und jetzt wolle sie sich auch noch aus der Bewirtschaftung der Privatwälder verabschieden.

Alle drei Vorsitzenden wiesen darauf hin, dass viele Privatwaldbesitzern bereits andeuten, sie wollten die Waldbewirtschaftung aufgeben. Gründe sind stetig neue Vorschriften, extremer werdenden Wettereinflüsse und sinkende Holzpreise. Dies wolle man aber verhindern, hieß es bei dem Pressegespräch. Schneider, Ziegler und Rauber fordern deshalb eine Verlängerung der Übergangslösung damit man Gelegenheit zum Aufbau einer Holzvermarktungsorganisation habe.



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