01. September 2009, 19:42 Uhr

Gefängnisstrafen nach tödlicher Prügelei

Gießen/Alsfeld (ti). Gehirnprellungen, Einblutungen in die Augäpfel, Schwellungen, Rippenbrüche - die Verletzungen zeugten davon, was dem Mann vor seinem Tod angetan worden war. Ein grausamer Mord, in einem Fall zudem begangen aus niedrigen Beweggründen, so hatte es die Oberstaatsanwältin gesehen und für die heute 18 und 21 Jahre alten Angeklagten Jugendstrafen von neun beziehungsweise sechs Jahren gefordert.
01. September 2009, 19:42 Uhr

Gießen/Alsfeld (ti). Gehirnprellungen, Einblutungen in die Augäpfel, Schwellungen, Rippenbrüche - die Verletzungen zeugten davon, was dem Mann vor seinem Tod angetan worden war. Ein grausamer Mord, in einem Fall zudem begangen aus niedrigen Beweggründen, so hatte es die Oberstaatsanwältin gesehen und für die heute 18 und 21 Jahre alten Angeklagten Jugendstrafen von neun beziehungsweise sechs Jahren gefordert. Weil sie einen 43-Jährigen am 11. Oktober 2008 hinter einem Alsfelder Einkaufsmarkt zu Tode geprügelt hatten. Die Jugendschutzkammer des Landgerichtes kam zu einer anderen Überzeugung: Sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlages in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge für den 21-Jährigen, acht Jahre wegen Totschlages für den 18-Jährigen.

Mord aus niedrigen Beweggründen, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wäre denkbar gewesen, so die Vorsitzende Richterin Gertraud Brühl in der Urteilsbegründung.

Dem stehe jedoch entgegen, dass das Opfer vor der Tat die Familie des Jüngeren beleidigt, unter anderem dessen Mutter als »Assi« bezeichnet habe. Die Konsequenz: Der 43-Jährige sei »nicht grundlos« attackiert worden.

Um einen grausamen Mord zu begehen, wie von Kreis formuliert, müsse man dem Opfer »übermäßige Schmerzen« zufügen. Da jedoch nicht ausgeschlossen sei, dass der 43-Jährige bereits zu einem frühen Zeitpunkt das Bewusstsein verlor, komme auch dieses Mordmerkmal nicht in Frage. »Ein bewusstloser Mensch kann nicht mehr gequält werden«, erklärte die Richterin. Den Totschlagsvorsatz bejahte sie für den 18-Jährigen, nicht aber für den Älteren. Dieser sei zwar trotz seiner Entwicklungsstörung fähig gewesen, die Folgen der Attacke für das Opfer zu erkennen. Die Richter zogen allerdings in Betracht, dass bereits der erste Tritt des Jüngeren den 43-Jährigen lebensgefährlich verletzt hatte.

Zu Gute hielt Brühl den Angeklagten ihr Geständnis, wenngleich beide zumindest zu Prozessbeginn versucht hätten, den eigenen Tatbeitrag auf den anderen abzuwälzen. Den 21-Jährigen, der die Tat im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen hatte, bezeichnete die Richterin als »Mitläufer«. Im Prinzip sei er »eher als gutmütig einzustufen«. Dem 18-Jährigen dagegen attestierte sie »schädliche Neigungen«. Er wurde auch wegen zweifacher Körperverletzung, begangen im November 2007 und Mai 2008, für schuldig befunden.



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