17. Dezember 2009, 18:50 Uhr

Schizophrenie: 40-Jähriger wird untergebracht

Gießen/Alsfeld (ti). Er leidet unter akustischen Halluzinationen, hört immer wieder Stimmen, die ihn beschimpfen. So am 30. Juli, als seine 91-Jährige Nachbarin ihn in seinem Wahn eine »Sau« genannt hatte.
17. Dezember 2009, 18:50 Uhr

Gießen/Alsfeld (ti). Er leidet unter akustischen Halluzinationen, hört immer wieder Stimmen, die ihn beschimpfen. So am 30. Juli, als seine 91-Jährige Nachbarin ihn in seinem Wahn eine »Sau« genannt hatte. Er packte die Seniorin am Hals und würgte sie, dann holte er ein Küchenmesser und stach ihr fünf Mal in die Brust. Gestern ordnete die Fünfte Große Strafkammer des Landgerichtes die Unterbringung des Schizophrenen in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Ser 40-Jährige sei nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen.

Zuvor hatte der Sachverständige Dr. Rainer Gliemann sein Gutachten erstattet und die Unterbringung empfohlen. Er bescheinigte dem Beschuldigten eine »paranoid-halluzinatorische Schizophrenie«. Will heißen: Der Mann leidet unter Wahnvorstellungen, die von akustischen Halluzinationen und anderen Wahrnehmungen begleitet sind. Das Gewaltrisiko solcher Menschen sei ohnehin erhöht, sagte Gliemann, steige aber erheblich bei Alkoholmissbrauch, wie im Fall des 40-Jährigen. Dazu kommt: Wer einmal einen deutlichen Gewaltausbruch hatte, bei dem werd es vermutlich zu weiteren kommen. Der Sachverständige sprach in diesem Zusammenhang von einem »Dammbruch«. Erstmals diagnostiziert wurde die Erkrankung bei dem Mann im Mai 2001. Ausgebrochen war diese nach Einschätzung des Experten wesentlich früher, der Beschuldigte hatte sich aber erst relativ spät in Behandlung begeben. »Er fühlt sich verfolgt, er fühlt sich bedroht«, sagte Gliemann und reagiere mit »überzogener Notwehr«. Die Gefahr weiterer Gewalttaten sei hoch. Nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Unterbringung beantragt hatten, wurde diese von der Kammer angeordnet. Beim Beschuldigten sei an jenem Nachmittag in der Alsfelder Ostpreußenstraße ein »Mechanismus abgelaufen«, sagte der Vorsitzende Richter Bruno Demel. Er habe die Seniorin wie andere Personen in sein Wahngeschehen eingebunden - ein Ausdruck seiner Krankheit. Anschließend hatte er seinen Bruder informiert, war mit dem Zug nach Gießen gefahren und war am dortigen Bahnhof in verwirrtem Zustand mehreren Beamten aufgefallen. Er hatte den Vorsatz zu töten, dafür holte er das Küchenmesser«, so der Vorsitzende. »Aber wegen seiner Erkrankung war er nicht in der Lage, das Unrecht einzusehen.« Da er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, bleibe nur die Maßregel.



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