10. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Zusammenarbeit verschoben Keine Liebesheirat

Es sah wie ein Selbstläufer aus: Kirtorf hatte den ersten Schritt getan, am Freitag war Antrifttal an der Reihe – und zögert. Eine Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit soll erst dann vorangetrieben werden, wenn abgesichert ist, dass bei negativem Ausgang der Machbarkeitsstudie mit Kirtorf eine zweite Studie vom Land bezahlt wird. Wunschpartner dabei ist Alsfeld.
10. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Eine Prüfung der Zusammenarbeit der Gemeindeverwaltung von Antrifttal mit dem Kirtorfer Rathaus ist verschoben worden. (Fotos: Archiv)
Das hat er nicht erwartet. Bürgermeister Dietmar Krist muss nach der Gemeindevertretersitzung am Freitagabend erst mal eine Zigarette vor dem Sitzungslokal rauchen. Im Saal des Gasthauses Schneider hatten die Gemeindevertreter wenige Minuten zuvor mit deutlicher Mehrheit entschieden, nicht den direkten Weg zu einer intensiveren interkommunalen Zusammenarbeit mit Kirtorf einzuschlagen. Es soll erst geprüft werden, ob das Land eine zweite Machbarkeitsstudie bezahlen würde, wenn die im Hinblick auf ein Zusammengehen mit Kirtorf zu einem negativen Ergebnis kommen sollte. Für die zweite Machbarkeitsstudie haben die Antrifttaler Alsfeld im Visier.
Über einen Änderungsantrag von Gemeindevertreter Matthias Krist wurde die Diskussion angestoßen. Der wollte eine Ergänzung zum Grundsatzbeschluss, denn nach der Gebietsreform vom 31. Dezember 1971 stehe jetzt eine Entscheidung von ähnlicher Tragweite an. In Antrifttal habe man eine Leerstandsquote von 5,2 Prozent, in Kirtorf von 6,3 Prozent. Zudem sei Kirtorf nur halb so dicht besiedelt wie Antrifttal. Vor diesem Hintergrund solle man das Angebot aus Alsfeld prüfen, weil man mit einem Zusammengehen mit Kirtorf nicht die haushaltswirksame Schwelle von 8000 Einwohnern überschreite (es sind nur 5200). Entsprechend sollte die Zusammenarbeit mit Alsfeld ebenfalls geprüft werden. Bei einer möglichen Fusion mit Kirtorf in einigen Jahren sei absehbar, dass man dann zusammen keine 5000 Bürger mehr habe. Antrag und Änderung sollten in den Haupt- und Finanzausschuss überwiesen werden. Dafür waren vier Gemeindevertreter, dagegen neun bei einer Enthaltung. Bürgermeister Dietmar Krist erinnerte dann an die jahrzehntelange sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kirtorf bei Wasser, Abwasser und Sozialstation. Seit 2014 seien nun Gespräche zur Intensivierung der Zusammenarbeit aufgenommen worden. Weil der Spielraum für sehr kleine Gemeinden immer enger werde, sei eine Zusammenarbeit – in welcher Form auch immer – unabweislich.
Danach sollte über den Änderungsantrag von Matthias Krist und im Anschluss den eigentlichen Antrag abgestimmt werden. Allerdings erhielt der Änderungsantrag dann immerhin sechs Jastimmen, nur noch sieben Neinstimmen und eine Enthaltung. Es folgte ein rege Diskussion, in der das Für und Wider einer Zusammenarbeit mit Alsfeld beleuchtet wurde. Ein Einwurf war, wie man denn die Akzeptanz der Bürger zu einer Änderung der kommunalen Form fördern könne, wenn man die Möglichkeiten mit Alsfeld von Anfang an ausschließt. Andere wiesen darauf hin, Alsfeld wolle Antrifftal nur nutzen, um Schulden zu tilgen, mit Kirtorf arbeite man seit vielen Jahren erfolgreich zusammen und befinde sich, was die Größe anlange, auf Augenhöhe. Bei Alsfeld könne man sich aber nach Fischbach einreihen. Und was man jetzt mit Alsfeld nicht mache, das könne man ja nachholen. »Aufsatteln können wir immer noch«, war ein Argument. Es wurde auch angesprochen, dass die Machbarkeitsstudie ja ergeben könne, mangels Erreichen der 5000-Einwohner-Hürde werde eine Zusammenarbeit nur mit Kirtorf nicht für sinnvoll erachtet. Befürchtet wurde bei einer Fusion mit Kirtorf zudem, dass die Antrifttaler dann rein rechnerisch neun Sitze hätten, Kirtorf aber 14. Nicht beantwortet werden konnte am Abend die Frage, ob denn nach einer Machbarkeitsstudie mit Kirtorf gegebenenfalls später eine weitere mit einem anderen Ort finanziert werde.
Das soll nun abgefragt werden (neun Ja-stimmen, vier Neinstimmen), die nächste Sitzung ist Ende Januar. Tiefe Zuneigung sieht anders aus: Inzwischen haben Antrifttal und Kirtorf rund zwei Jahre umeinander geworben, sich kennengelernt, aus Kirtorf ist ein eindeutiges »Ja, ich will« gekommen, und jetzt vertagt Antrifftal die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Kirtorf auf das kommende Jahr. Man will sich rückversichern, würde gerne – wenn die Machbarkeitsstudie Kirtorf nicht als Traumpartner einordnet – ein Auge auf Alsfeld werfen, ebenfalls mit einer Machbarkeitsstudie. Das ist rein verwaltungstechnisch sicher sinnvoll gedacht. Aber bei der Zusammenarbeit sollen die Bürger mitgenommen werden, und die Kirtorfer Stadtverordneten sind auch Bürger, die die Arme weit aufgemacht haben. Sie stehen jetzt zunächst ohne Partner da. Man kann verstehen, wenn sie sich von dem Zögern in Antrifttal vor den Kopf gestoßen fühlen.

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