16. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Tannenbaum aus Stahlblech

Eisensäge und -bohrer kann man als Laie zur Metall- bearbeitung noch nach- vollziehen. Aber Stahl mit einem Plasmastrahl schneiden? Das ist ganz modern und an der Alsfelder Berufschule jetzt möglich. Diese Anlage und weitere Ausrüstung wurden gespendet. Davon profitieren heimische Karosseriebauer, und die Berufsschule festigt ihren Stellenwert.
16. Dezember 2016, 12:00 Uhr
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Von Joachim Legatis
Der Vogelsberg ist in (mindestens) einer Hinsicht hessenweit vorne: beim Karosseriebau. Dafür garantieren die Firma Hartmann Spezialkarosserien und vor allem die Max-Eyth-Berufsschule (MES) in Alsfeld mit ihrer Landesfachklasse Karosserie- und Fahrzeugbau. Die Bedeutung der beruflichen Schule für die Branche zeigte sich bei der Präsentation einer neuen CNC-Plasma-Schneidemaschine und eines Werkzeugwagens, die kürzlich gespendet wurden. Zu der Präsentation der gut 62 000 Euro teuren Spenden waren Hartmann-Geschäftsführer Sebastian Decher und Thomas Aukamm, designierter Geschäftsführer des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik ZKF, gekommen, begrüßt vom stellvertretenden MES-Leiter Helmut Reitschky.
Mit rund 60 000 Euro hat sich die Heinz-und-Gisela-Friederichs-Stiftung engagiert, davon steckt die Hälfte in dem Plasma-Schneidegerät, das alleine einen Wert von rund 30 000 Euro hat. Mit einem Lichtbogen wird dabei ein Plasmastrahl erzeugt, der sehr exakt Formen in Stahlbleche schneidet. Der EDV-Spezialist der MES, Ulrich Heiser, demonstrierte das der neugierigen Gästeschar, indem er aus einem dicken Stahlblech passend zur Jahreszeit einen Tannenbaum herausschnitt. Die übrigen 30 000 Euro Spendengeld stecken in Ausstattungen und einem Container, der als Lagerbereich genutzt wird.
Gut 2000 Euro kostet ein Werkzeugwagen, den der ZKF bei der kleinen Feier mit Vertretern von Firmen, der Schule und des Verbands überreichte. Dabei steuerte die Firma Sonic Equipment, vertreten durch Nicolo Incorvaia, die Werkzeuge bei, die in dem stabilen Rollwagen untergebracht sind.
Stolz präsentierte Dietmar Quehl seinen Arbeitsbereich, der Theorie und Praxis der Fahrzeugtechnik zusammenführt. Besonders wichtig ist den MES-Verantwortlichen, in enger Kooperation mit den Karosseriebaufirmen die jungen Leute so auszubilden, dass sie den Ansprüchen der Arbeit gut nachkommen können. Stellvertretender Schulleiter Reitschky nannte das »ergebnisorientiert arbeiten«, Quehl verdeutlichte den Anspruch an den Arbeitsplätzen. So kann man in einem Schweißraum kleine Formteile herstellen, größere Stücke entstehen in der Werkstatt. Reitschky verwies darauf, dass die Unterstützung durch die Unternehmen erst eine gute Ausbildung ermöglicht. Auch der Vogelsbergkreis habe seinen Anteil daran und stelle 650 000 Euro für Ausrüstung in der MES zur Verfügung. Davon werden rund 200 000 Euro für den Bereich Karosseriebau eingesetzt, betonte Reitschky. Zu der modernen Ausstattung gehören an der MES etwa 550 Computer, mit denen die Azubis überall Zugriff auf ihre Unterlagen haben.

Werben um Azubis

Aukamm sagte, dass die Branche sich anstrengen muss, junge Leute als Auszubildende zu gewinnen. Deshalb versuche man, die Ausbildung möglichst attraktiv zu gestalten – auch mit guter Ausstattung. Er freute sich über das gemeinsame Engagement des Verbands und der Alsfelder beruf- lichen Schule bei der IAA Nutzfahrzeuge. Sebastian Decher als Vertreter der Friederichs-Stiftung (Mit-Eigentümer der Firma Hartmann) bestätigte, dass die Fachkräfte- sicherung besonders wichtig sei. Er lobte die MES, die sehr aktiv sei und die Landesfachklasse im Karosseriebau unterrichte. Leider habe man einen Rückschlag erlitten auf dem Weg, auch die Bundesfachklasse aufzunehmen. Er warb dafür, dass sich Schulen dem Wettbewerb stellen und hoffte, dass es künftig möglich werde, über die Landesgrenzen hinweg zu blicken. Quehl fügte an, dass die Friederichs-Stiftung bereits seit Jahren wichtiger Partner der Schule ist. Sie habe einen hohen Anteil der modernen Ausstattung gespendet.


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