06. Januar 2017, 18:46 Uhr

Heckenversteck für Amsel und Fink

Was machen Naturschützer im Winter, wenn viele Vögel in den Süden geflogen sind und die Natur schläft? Nein, sie sitzen nicht nur am Ofen und trinken Tee, sie schneiden auch Hecken. Denn Tiere sind auf geeignete Lebensräume angewiesen. Vögel brauchen Platz für Nester und als Unterschlupf, wofür die Maulbacher Vogelschützer in der kalten Jahreszeit sorgen.
06. Januar 2017, 18:46 Uhr
Anpacken, damit die Tiere einen Winterunterschlupf haben: Naturschützer aus Homberg-Maulbach bei der Arbeit. (Foto: jol)
Bei strahlender Sonne nahm sich dieser Tage ein fünfköpfiges Team der Vogel- und Naturschutzgruppe 1959 der Hecke am Sportplatz an. »Wir setzen immer einen Abschnitt auf den Stock, damit die Hecke in diesem Bereich wieder richtig durchtreiben kann«, erläuterte Bernd Fiedler. Mit Wolfgang Schlosser, Dieter Kehl, Dr. Wolfgang Seim und Helmut Arlt war der Vorsitzende des Vereins aktiv. Vor Jahren ist die Hainbuchenhecke vom Verein angelegt worden, um einen Windschutz zu bieten, der Rückzugsraum für Vögel ist. Denn im dichten Getrüpp können die Tiere Nester bauen und finden Deckung vor Greifvögeln. Wenn man die Hecke immer wieder einmal kräftig stutzt, treiben besonders im unteren Bereich Zweige aus, was ein zusätzlicher Schutz für Vögel ist. »Wenn nachher fünf Nester angelegt werden, hat sich das gelohnt«, sagt Fiedler.
Das Zurückschneiden »auf den Stock« vermeiden die Naturschützer bei Hecken in der Feldgemarkung, weil in den vergangenen Jahren ein Unbekannter die niedrigen Hecken »totgespritzt« hat, wie die Naturfreunde beklagen. Das ist auch mit einer Hecke geschehen, die von der Jugendgruppe vor eineinhalb Jahren angelegt wurde. Eines Tages kamen die Kinder zum Heckenstück und es war kaputt, berichtet Fiedler.
Robuster ist die Hecke am »Steimel« rund um die Grillhütte bei dem Homberger Ortsteil. Dort wächst Schwarzdorn so stark nach, dass die Aktiven der Vogelschutzgruppe jedes Jahr die Dornentriebe auf der Wiese abschneiden müssen. Ansonsten wäre das Grünland schnell verbuscht. »Dort wollen wir aber beides, Hecke und Wiese«, erläutert Fiedler. In der Hecke finden Tiere wie Vögel Schutz und auf der Wiese die Schmetterlinge genug Nahrung. Die Blütenpracht ist deshalb so groß, weil die Naturschützer auf dem von ihnen gepflegten Land erst nach dem 15. Juni mähen. So haben bodenbrütende Vögel eine Chance, ihren Nachwuchs aufzuziehen und Schmetterlinge finden später blühende Pflanzen. Oft sind die bunten Flatterer auf bestimmte Blüten spezialisiert, auf früh gemähten Wiesen sind die nicht zu finden. Echte Hecken bestehen aus dicht beieinander stehenden Büschen und kleinen Bäumen. Solche Hecken bieten Tieren einen Lebensraum, darunter Amseln, Grünfinken, Hänflingen, Gartengrasmücken sowie etlichen weiteren Vogelarten.

Fledermäuse und Vögel beobachten

Der Verein betreut sieben bis acht Flächen, die naturnah gestaltet sind, wie weiter mitgeteilt wird. Zudem sind über 300 Nistkästen in Flur und Wald aufgehängt. Auch diese müssen zum Frühling hin gesäubert werden, damit ab März die Vogelbrut unterstützt wird. Das Säubern ist wichtig, um zu vermeiden, dass sich die Tiere an altem Kot mit Krankheitserregern anstecken.
Besonderes Augenmerk hat die Vogel- und Naturschutzgruppe auf Nistplätze für Schwalben gelegt, die immer weniger geeignete Hauswände und Ställe für ihre Nester finden. So sind Nisthilfen an Hauswänden angebracht worden und ein Schwalbenhaus bietet weitere Nistgelegenheiten.
Das ganze Jahr über bieten Aktive des Vereins Aktivitäten für Kinder im Grundschulalter an. Zuletzt hat Fiedler zu einer Fledermauswanderung mit einem Detektor eingeladen. Demnächst werden die jungen Ortsbewohner wieder dazu eingeladen, bei der »Stunde der Wintervögel« mitzuwirken. Ein Angebot war die Mitarbeit in einem naturnahen Garten mit kleinem Kartoffelacker, das hat den Kindern viel Spaß gemacht. Ob sich das Engagement der Naturschützer auszahlt, weiß auch Fiedler nicht. Einige Vogelarten sind weniger geworden. So hat er beobachtet, dass es weniger Trauerschnäpper und Grünfinken gibt. Meist kommen mehrere Ursachen zusammen, man könne nur versuchen, die Lebensbedingungen der Tiere zu sichern. Und dazu gehören auf jeden Fall die Hecken, sagt er und macht mit dem Zusammenrechen der Zweige weiter.

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