11. Februar 2017, 08:00 Uhr

Staupe

Vor Kontakt mit Waschbären wird gewarnt

In Bobenhausen wurde ein mit Staupe infizierter Waschbär entdeckt. Vor Kontakten wird dringend abgeraten. Waschbären verbreiten auch die Staupe, für Hunde kann das tödlich enden.
11. Februar 2017, 08:00 Uhr

Nachts schlugen die beiden Jagdhunde von Werner Roth an: Die geschulten Hunde verbellten einen Waschbären, der sich auf der Terrasse des Hauses im Ulrichsteiner Stadtteil Bobenhausen an die Wand lehnte und so gar keine Anstalten zu Flucht machte. Das für Waschbären sehr untypische Verhalten legte den Verdacht nahe, dass das Tier krank sein musste, und Roth rief einen weiteren Jäger dazu, der mit einer Sondergenehmigung in Bobenhausen berechtigt ist, in der Ortslage zu schießen.

Dieser erlegte den Waschbären, dessen Kadaver Roth an das Veterinäramt schickte, um die Art der Krankheit abklären zu lassen. Denn der Verdacht auf Staupe war nahe liegend, eine Erkrankung, die zwar nicht für den Menschen, aber für Hunde gefährlich sein kann. Nach rund drei Wochen kam von einem Gießener Untersuchungsamt die Nachricht, dass sich der Verdacht auf Staupe bestätigt hatte.

Jagdpächter Werner Roth hat den Eindruck gewonnen, das sich die Waschbären nicht nur immer mehr von Nordhessen aus nach Süden verbreiten, sondern dass auch die Fälle von Staupe zunehmen. Dass es einen Trend von Nordhessen her gibt, bestätigt auch das Veterinäramt des Vogelsbergkreises.

Nach den Erkenntnissen der Behörde ist die Erkrankung bei Tieren bereits flächendeckend aufgetreten. Dabei gibt es allerdings Schwerpunkte. Die an die Behörde eingesandten Füchse und Waschbären legen rein zahlenmäßig nahe, dass es ein gehäuftes Auftreten in den Bereichen Lauterbach, Mücke, Antrifttal und Alsfeld gibt. Allerdings weist das Veterinäramt darauf hin, dass die eingeschickten Tiere kein Hinweis auf die Anzahl der tatsächlich infizierten Tiere sein können. Denn Umweltfaktoren und Besiedlungsdichte hätten sicher erheblichen Einfluss auf die Zahl der gefundenen verendeten beziehungsweise erkrankten Tiere. Aus dem Raum Ulrichstein ist dem Veterinäramt ein Fall von Staupe bei einem Fuchs bekannt.

Räude bei Fuchs festgestellt

Mit einem sich komisch verhaltenden Fuchs hatte Jagdpächter Werner Roth erst im Dezember zu tun. Auch dieses Tier war nahe des Hauses von seinen Hunden gestellt worden. Wieder wurde der zum Schießen im Ort berechtigte Jäger bemüht, denn in diesem Fall war für Roth offensichtlich, dass dem Fuchs so ein längeres Leiden erspart bleiben würde: Das Tier zeigte starke Anzeichen von Räude, das Fell war bereits sehr licht.

Ein von der Räude befallener Fuchs war Ende Januar in der Wetterau in Nieder-Rosbach erlegt worden. Auch dort hatte bereits die Räudemilben die Rückenhaut des Tiers stark angegriffen). Füchsen, die die parasitäre Hauterkrankung haben, steht meist ein langer und qualvoller Leidensweg bevor, ehe sie sterben. Weil die Milben auch Hunde befallen können, sollten Hundehalter Vorsicht walten lassen. Dabei kommen Anleinen oder Impfen in Frage. Auch aus Sicht von Jagdpächter Roth muss eine Impfung nicht hundertprozentigen Schutz bedeuten. Denn es sei bei diesem Impfstoff wie bei der Grippeschutzimpfung: Das Virus kann sich verändern und der Impfstoff dann nicht mehr wirken.

Nachdem kürzlich einige Staupefälle im Raum Marburg und im Kreis Gießen nachgewiesen wurden, hat sich das Virus also nun über die Kreisgrenze in den Vogelsbergkreis ausgebreitet.

Jagdpächter Heiko Hennings aus Mücke-Groß-Eichen staunte im Januar, als er zu einem vermeintlich zahmen Waschbären gerufen wurde. Wegen des auffälligen Verhaltens lag für ihn gleich die Vermutung nahe, dass das Tier schwer an Staupe erkrankt sein könnte. Dies wurde aufgrund einer Untersuchung vom Amt für Veterinärwesen in Lauterbach bestätigt. In den nächsten drei Wochen seien dann noch zwei weitere Fälle von Staupe bei Waschbären in Groß-Eichen aufgetreten, berichtet Helmut Nickel, der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen.

So gefährlich die Staupe für die Waschbären und bei Kontakt oder ohne Schutzimpfung auch für Hunde sein kann, so werden Waschbären doch von vielen Menschen als possierlich empfunden.

Deshalb wundert es Werner Roth nicht, dass die Waschbären, die wegen von ihnen angerichteten Sachschäden auch eine Plage sein können, von Menschen angefüttert odergehalten werden. Wilde Waschbären kommen in den Ortschaften einfach an Nahrung heran, sie gewöhnen sich so an den Menschen und aufgezogene und dann ausgewilderte Waschbären haben sowieso kaum Scheu vor Menschen.

So ist es nicht verwunderlich, dass in den Jahren bis 2015 alleine in Bobenhausen immer 60 bis 70 Waschbären gefangen und dann vom Jäger erlegt wurden. Im Vorjahr 2016 hat die Zahl allerdings stark abgenommen, denn jetzt ist von Anfang März bis Ende Juli Schonzeit.

Aus Sicht des Deutschen Jagdverbandes bedeutet das ein Konterkarieren der Bemühungen, den sich rasant ausbreitenden Bestand einzudämmen. In diesem Sinne hatte sich auch der Jagdverein Alsfeld bereits 2015 geäußert und im Vorfeld einer Gesetzesnovellierung zu Demonstrationen in Wiesbaden aufgerufen. »Wir wehren uns gegen eine bundesweit beispiellose Attacke auf das Jagdrecht, die Hege des Wildes und den Natur- und Artenschutz«, teilt damals Jagdvereinsvorsitzender Mario Döweling mit. Der Jagdverordnungsentwurf sehe für Füchse bundesweit die kürzesten Jagdzeiten vor. »Deshalb verbreiten sich Räude und Staupe rapide unter den Füchsen.«

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