29. März 2017, 12:00 Uhr

Homberger Freibad

Privater Betreiber mit ins Boot?

Das Defizit des Homberger Freibad steigt seit Jahren. Ist ein privater Betreiber die Lösung? Darüber diskutieren am Donnerstag Abend die Stadtverordneten der Ohmstadt.
29. März 2017, 12:00 Uhr
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Von Kerstin Schneider
Das Homberger Freibad ist ein idyllisches Plätzchen. So viel los wie auf diesem Bild ist allerdings selten im Sommer. Deshalb muss die Stadt von Jahr zu Jahr mehr Geld zuschießen. (Foto: Archiv)

Eine lange Tagesordnung gibt es zur kommenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag in der Homberger Stadthalle (ab 20 Uhr). Ein Thema wird dabei auch der Betrieb des städtischen Freibades sein. Das Bad brachte der Stadt in den vergangenen Jahren in jeder Saison erhebliche Verluste ein. Und das, obwohl die Anlage vor rund 15 Jahren umfassend saniert worden war und vom Schwimmerbecken über die große Liegewiese mit Schatten spendenden Bäumen bis zum schön gestalteten Kinderplanschbereich einiges bietet.

Nun macht der Magistrat nach längerer Beratung einen Vorstoß und den Vorschlag, den Betrieb des Bades an ein Dienstleistungsunternehmen zu übergeben – sprich einen privaten Betreiber ins Boot zu holen. Die AAZ fragte Bürgermeisterin Claudia Blum nach dem Hintergrund. Und der hat natürlich mit Geld zu tun, aber nicht nur.


Problem: Personalkosten und Instandhaltung

Die Rahmenbedingungen sind nicht gerade einfacher geworden. Bei Freibädern reicht schon ein verregneter Sommer aus, um ein dickes Loch in die Kasse zu reißen. Zudem sind die Bäder schon lange nicht mehr wie in früheren Zeiten Zentrum des Sommervergnügens junger Leute. Und vor zwei Jahren erst musste die Wärmepumpe zu Kosten von rund 110 000 Euro ersetzt werden.

Das Freibad ist von Mitte Mai bis Mitte September geöffnet. Der Betrieb fand in der vergangenen Saison mit zwei Fachangestellten für Bäderbetriebe und verschiedenen Aushilfen statt. Eine Mitarbeiterin war Ende Januar aus privaten Gründen ausgeschieden. Der Arbeitsvertrag für den Fachangestellten ist bis Ende September befristet, weil dann der Meister für Bäderbetriebe aus seiner Elternzeit zurückkehrt. Weil ein Freibad natürlich nur im Sommer betrieben werden kann, hat die Stadt das Problem, dass sie die Fachkräfte ein halbes Jahr außerhalb des Freibads einsetzen muss.


Kasseneinnahmen bleiben der Stadt

Das erschwert es, Personal zu finden. Das gilt auch für den Kiosk im Bad. Auch hier wurde es im Laufe der Jahre immer schwerer, einen Betreiber zu finden. Auf die jüngste Ausschreibung hin hat sich immerhin ein Bewerber gemeldet, berichtet Claudia Blum.

Um die Probleme anzugehen, hat die Verwaltung seit Herbst Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern geführt, erläutert die Bürgermeisterin. Ziel sei es, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, einen ordentlichen Badebetrieb zu gewährleisten und die Attraktivität und Kundenzufriedenheit zu steigern. Die Varianten, die überlegt wurden, reichten von der Prüfung eines gemeinsamen »Personalpools« bis zur Verpachtung. Denn der angedachte gemeinsame »Personalpool« musste verworfen werden, weil der mögliche Kooperationspartner absagte, so Blum.


Privater Dienstleister als Lösung?

Der Magistrat hat sich deshalb in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, zu überlegen, ob ein privater Dienstleister den Betrieb übernehmen soll. Eine solche Ausschreibung müsste nach geltenden Recht europaweit erfolgen. Eine sogenannte freihändige Vergabe ist nur möglich, wenn der Auftragswert unter 100 000 Euro liegt, erläuterte die Bürgermeisterin.

»Beträgt der Auftragswert über 50 000 Euro, muss ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren stattfinden«. Der Magistrat schlägt den Stadtverordneten deshalb eine Vorgehensweise vor. Danach könnte in diesem Jahr die Betriebsführung im Rahmen der freihändigen Vergabe an einen Betreiber gehen.

Im Herbst könnte dann ein Interessenbekundungs- oder Ausschreibungsverfahren starten. Sollte dieses positiv ausgehen, dann könnte 2018 ein Betreibervertrag geschlossen werden und ein Betriebsübergang auf ein Dienstleistungsunternehmen stattfinden. Dieser wäre dann auch für Personal zuständig. Zudem gehe das Betreiberrisiko weitgehend auf das Dienstleistungsunternehmen über. Der Betreiber würde von der Stadt ein sogenanntes Betriebsentgelt (Zuschuss zu den Betriebskosten) bekommen. Bei der angedachten Variante würden die Kasseneinnahmen und die Personalkosten für den Kassenbereich bei der Stadt bleiben. Alle übrigen Bereiche vom Bäderbetrieb über Reinigung, Grünpflege bis zum Kioskbetrieb gehen auf den Betreiber über.


Sorge vor hohen Eintrittspreisen

Es ist abzusehen, dass das Thema bei den Stadtverordneten eine rege Diskussion auslösen wird. Denn immer steht natürlich die Sorge im Raum, dass ein privater Betreiber die Eintrittspreise deutlich anheben wird. Zudem muss sich jemand finden, der den Betrieb übernehmen möchte, der wie erwähnt mit nicht unerheblichen Risiken behaftet ist. Weil schon andere Kommunen vor gleichen Problemen standen, sind dort teilweise Fördervereine wie etwa im benachbarten Mücke in die Bresche gesprungen. Doch auch dort muss die Gemeinde pro Jahr immer noch viel Geld zuschießen.



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