09. April 2017, 20:45 Uhr

Geld für Praktika und Deutschkurse

09. April 2017, 20:45 Uhr
legatis_jol
Von Joachim Legatis
Froh über Zuschuss zur Integrationsarbeit beim Caritasverband: Joachim Tschakert, Kristina Zuev-Schwarz, Renate Loth verweisen auf das Schild der Fernsehlotterie. (Foto: jol)

Vogelsbergkreis (jol). Die Fernsehlotterie macht es möglich, Flüchtlingen im Vogelsberg Perspektiven für ihr Leben aufzuzeigen. Mit fast 80000 Euro wird für drei Jahre die Beratung zur Integration gesichert – dabei geht es um Deutschkurse, Schule, Ausbildung, Praktika und Wohnungssuche. Mit einer Förderung aus der Deutschen Fernsehlotterie der ARD können nun Flüchtlinge im Vogelsberg besser beraten und in der Region gehalten werden. Die Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Krisen-Staaten sind eine Chance für den ländlichen Raum, wie es bei einem Gespräch mit Vertretern des Caritasverbands Gießen/Vogelsberg hieß. Anlass waren knapp 80 000 Euro Förderung für die Integrationsberatung von Geflüchteten in den nächsten drei Jahren. Damit wandelt sich die Arbeit von Kristina Zuev-Schwarz, die beim Verband bislang Geflüchtete im Asylverfahren betreut hat. Im Vorjahr waren das rund 600 Beratungen.

Nun wird sich die Sozialpädagogin mit einer halben Stelle um Sprachkurse, Wohnungssuche und Ausbildungsplätze kümmern. Damit will sie Geflüchteten helfen, ihren Platz zu finden. Bereichsleiterin Renate Loth freute sich, dass die Integrationsarbeit des Caritasverbands nun breiter aufgestellt ist. Das Ganze ist eingebettet in die breite Arbeit des Caritasverbands mit Migranten, die seit 1990 läuft. Früher haben die Beraterinnen einen Schwerpunkt auf Unterstützung von Russlanddeutschen gesetzt.

Caritasdirektor Joachim Tschakert freute sich beim Pressegespräch über das neue Angebot in einem politisch umkämpften Bereich. Er hatte kein Verständnis für die laufenden Abschiebungen nach Afghanistan, das täglich von Bombenanschlägen erschüttert wird. Die Aktivität gefährdet Menschen und sei rein politisch motiviert.

Die Erfahrungen, die Zuev-Schwarz bisher in der Beratung bei Asylverfahren gesammelt hat, kann sie in der weiteren Arbeit gut anwenden. Denn die rechtliche Lage von Geflüchteten in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Sehr viele Syrer haben zumindest »subsidiären Schutz«, also keine Anerkennung als politisch Verfolgte, dürfen aber auf jeden Fall drei Jahre im Land bleiben, weil die generelle Lage im Heimatland so katastrophal ist. Die Erwachsenen erhalten Arbeitslosengeld 2 und haben Anspruch auf Integrationskurse mit Sprachunterricht.

Anders ist die Lage bei Menschen aus Afghanistan, der zweitgrößten Gruppe Geflüchteter. Sie haben meist nur eine Duldung und müssen jederzeit mit Abschiebung in das Bürgerkriegsland rechnen. Bei jungen Menschen ist eine Ausbildung mittelfristig die beste Lösung, auch wenn sie vor allem Geld verdienen wollen.

Integration gelingt leichter in den kleineren Orten des ländlichen Raums, wie die Caritas-Mitarbeiter sagen. Zuev-Schwarz sagte, dass viele Flüchtlinge nach der Anerkennung vom Vogelsberg in größere Städte abwandern, aber ein Drittel wegen der besseren Perspektiven wieder zurückkehrt.

Es ist typisch für die Flüchtlingspolitik in Deutschland, dass sich »dauernd etwas ändert«, wie Zuev-Schwarz anmerkt. Das müssen die Berater im Blick haben. Die Unterstützung vom Geflüchteten sei generell nur mit Hilfe der vielen Ehrenamtlichen möglich. Allein beim Caritasverband Vogelsberg sind rund 50 Helferinnen und Helfer in diesem Bereich aktiv, sagt Loth.

Da ist es gut, eine hauptamtliche Struktur zu haben, wobei die Aufgaben verteilt sind. Zuev-Schwarz kümmert sich um die Integration, Oonagh Fischer-McAteer vom Diakonischen Werk unterstützt Geflüchtete in Asylverfahren. Beide haben Büros in Alsfeld, Fischer-McAteer berät zusätzlich in Homberg, Zuev-Schwarz bietet Außen-Sprechstunden in Schotten und Lauterbach an.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos