04. August 2017, 20:24 Uhr

Fragen zum Sonntag

04. August 2017, 20:24 Uhr

Predigtwort zum 8. Sonntag nach Trinitatis

»Jesus spricht: Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. » Jh. 9,4

Klingt das für Sie auch so bedrohlich: «...solange es Tag ist«? Wird denn bald die Nacht kommen? Und wissen wir nicht, was die »Nacht« ist? Hört sich das nicht beklemmend nach »Weltende« und »Jüngstem Tag« an?

Aber jetzt, wenn wir darüber nachdenken, bemerken wir auch eine andere Seite dieses Wortes: Es ist ja noch Tag! Die Uhr ist ja noch nicht abgelaufen! Was immer das sein mag, die »Nacht« steht noch aus! Wir haben also noch Möglichkeiten, noch Chancen, noch Jahre, Monate, Tage... auf jeden Fall noch Zeit!

Und bei diesem Nachdenken fällt mir noch mehr auf, das hat mit unserem Wesen überhaupt und mit unserem Umgang mit Erfahrungen und Menschen zu tun: Wir sehen meist nur das Bedrohliche, das Ängstigende, das Negative. Wir lassen uns von düsteren Aussichten beeindrucken, in Resignation und Hoffnungslosigkeit treiben. Selten entsteht aus dem Ausblick auf eine möglicherweise dunkle Zukunft die Energie, nun aber auch dagegen anzugehen und anzukämpfen, dass es wirklich so kommt, wie vorausgesehen. Hier sind Beispiele aus unserem Leben:

In dieser Zeit fällt mir etwa das ein: Wir fühlen uns – kurz vor der Wahl zum Bundestag – vielleicht von keiner der politischen Parteien, die an der Macht sind, so ganz vertreten. »Haben die nicht alle nur die eigenen Interessen, den Gewinn oder den Erhalt der Macht im Sinn?«

Nun sollte man eigentlich konsequenterweise folgern, dass man sich also persönlich engagieren müsste. Oder man sollte wenigstens eigene politische Gedanken und Ziele entwickeln. Davon lebt die Demokratie, die Gesellschaft und die menschlichen Beziehungen überhaupt. Was aber tun wir? Wir ziehen uns mehr und mehr zurück. Wir gehen nicht mehr zu den Wahlen! Wir sagen uns und anderen: Wir können doch sowieso nichts machen. Was kann ich schon ändern? Oft, sehr oft ist das so.

Oder wenn wir auf unsere Umwelt blicken: Der Klimawandel ist in vollem Gang, das Meer ist verdreckt, die Böden sind kaputt, die Menge der Insekten geht zurück... Und das ist sicher wirklich so! Das darf nicht ausgeblendet oder beschönigt werden. Aber wir könnten auch so herangehen: Dass wir einer Umweltorganisation beitreten. Dass wir in unserem kleinen Bereich nach Kräften für eine Veränderung arbeiten, für verantwortliches Handeln eintreten und für umweltverträgliche Produkte und Verhaltensweisen werben oder dass wir an unserem Ackerrain oder in unseren Gärten Blühstreifen anlegen. (Wir konnten vor Tagen in dieser Zeitung darüber lesen!)

Was aber tun wir? Kopf in den Sand, trauriger Blick und solche Worte auf den Lippen: »Es hat doch alles keinen Sinn mehr!« – »Was bringt denn alle Mühe, aller Einsatz?« Ist es nicht so – meistens?

Und in unserem Christentum sieht es nicht anders aus: »Echter Glaube ist ja heute so selten!« – »Die Moslems werden immer stärker in unserem Land!« – »Was kann heute so ein kleiner Christenmensch wie ich schon ausrichten?«

Und was tun wir dann? Wir setzen unseren Glauben nicht mehr ein. Allenfalls am Sonntag hat er noch seinen Platz; da zeigen wir noch hie und da, wie religiös wir sind. So kann der Glaube seine Kraft nicht entfalten. So fördern wir, was wir doch befürchten und beklagen.

Liebe Leserin, lieber Leser, was wünschte ich uns, dass wir dieses Wort einmal von der anderen Seite sehen und verstehen: »Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist.« Es ist noch Tag! Wir können noch etwas tun! Es ist überhaupt kein Grund, allen Mut fahren zu lassen und zu resignieren! Und vor allem: Es hat die Verheißung Gottes, wenn wir nach Kräften seine Werke wirken! Er steht uns bei und stärkt unsere Hoffnung. Und schließlich wird sich sein Wille und seine gute Sache durchsetzen. Warum arbeiten wir nicht mit ihm zusammen?

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken!

Pfr. Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de)

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