10. Juni 2009, 20:16 Uhr

Schäferhund biss Gerichtsvollzieher in den Arm

Alsfeld (jol). Daran erinnerte sich der Gerichtsvollzieher nur äußerst ungern: Mit einem großen Satz war der große Schäferhund bei einem Hausbesuch auf ihn losgesprungen, schon »kämpfte ich um mein Leben«. Das Tier verbiss sich in der Tasche des Besuchers und riss sie in Stücke, der 48-jährige Staatsvertreter kam mit einem Biss in den Oberarm glimpflich davon.
10. Juni 2009, 20:16 Uhr

Alsfeld (jol). Daran erinnerte sich der Gerichtsvollzieher nur äußerst ungern: Mit einem großen Satz war der große Schäferhund bei einem Hausbesuch auf ihn losgesprungen, schon »kämpfte ich um mein Leben«. Das Tier verbiss sich in der Tasche des Besuchers und riss sie in Stücke, der 48-jährige Staatsvertreter kam mit einem Biss in den Oberarm glimpflich davon. Nun musste sich der Halter des Tieres, ein 75-Jähriger aus Alsfeld, wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten - salomonisches Urteil für den zerknirschten Rentner: 600 Euro Schmerzensgeld an den Verletzten und dann ist die Sache erledigt. Der Vierbeiner ist inzwischen im Tierheim, eventuell wird er eingeschläfert.

Schnaufend und schwitzend musste sich der Rentner für den Vorfall vom Januar diesen Jahre verantworten, in den der Hund seines »Schwiegersohns in spe« verwickelt war. Dieser war mit dem Vierbeiner nicht klargekommen, der einst als Schutzhund ausgebildet werden sollte, aber offenbar zu aggressiv geraten ist. Jedenfalls hatte er den Zwinger seiner Familie zerlegt, war darauf zum »Schwiegervater« in Pflege gekommen und hatte dort den Gerichtsvollzieher angefallen. Der wollte eigentlich jemand anderen beehren und kam deshalb an die Tür des 75-Jährigen. Dieser sperrte den Hund in ein Zimmer, »mein Fehler war, dass ich vergaß, die Tür zum Korridor zuzumachen«.

Der Schäferhund drückte jedenfalls die eine Tür auf und war mit wenigen Sätzen an der Eingangstür. Beim Versuch, das Tier festzuhalten, stürzte der Rentner, der Gerichtsvollzieher musste die Attacke des wütenden Tieres mit der Aktentasche und mit Tritten abwehren. Er flüchtete in den Wohnungseingang, der Rentner konnte den Hund wieder einfangen, und der 48-Jährige verließ eilends das Gelände. Erst danach stellte er fest, dass er einen vier Zentimeter langen Biss am Oberarm davon getagen hat. »Ich hatte danach das Gefühl, ich habe mit dem Hund um mein Leben gekämpft«, so der Gerichtsvertreter. Er verstand nicht, dass das Tier nicht schon lange eingeschläfert ist.

Staatsanwalt und Richterin erfuhren von dem betagten Hundefreund, dass er den »Wuffi« ins Tierheim zur Beobachtung gebracht habe. Er und die Familie gehen dort nicht hin, um das Tier nicht wieder an die Familie zu erinnern. Zu einer Entschuldigung hatte sich der 75-Jährige nicht durchringen können - man hatte den Eindruck, er kann zwar einen Fehler zugeben aber eine Entschuldigung nicht in Worte kleiden.

Aber er bedauerte es und reagierte betroffen, als ihm die Richterin vorhielt, dass die Nachbarn wohl Angst vor dem Schäferhund hatten. Zwar sah er auch manches Fehlverhalten bei Nachbarskindern, aber er wolle keineswegs eine Gefahr für die Umwelt darstellen. Das nahmen ihm Richterin und Staatsanwalt auch ab. In einem Rechtsgespräch vereinbarten die beiden Juristen eine Lösung, die den am Existenzminimum lebenden Rentner nicht überfordert: Das Urteil lautet auf eine Geldstrafe von 1800 €, wird aber zur Bewährung ausgesetzt.

Die Auflage ist, dass der 75-Jährige in kleinen Monatsraten ein Schmerzensgeld von 600 € an den Gerichtsvollzieher zahlt. Wenn er dies binnen eines Jahres schafft, wird die Strafe gestrichen. Damit würdigte die Richterin die »bewundernswerte Offenheit«, mit der der Rentner das eigene Verhalten und vor allem die Gefährlichkeit des Hunde dargestellt hatte. Verursacher sei eigentlich der Schwiegersohn in spe, der den Schäferhund zu einer Waffe erzogen habe.

Der erleichterte Rentner und der Staatsanwalt nahmen das Urteil an.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos