24. Januar 2018, 19:45 Uhr

Drohungen im Drogenrausch

24. Januar 2018, 19:45 Uhr
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Von Constantin Hoppe

Alsfeld/Gießen (con). Todesdrohungen im Drogenrausch: Vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen startete am Mittwoch ein Prozess gegen einen 44-jährigen Mann aus Alsfeld. Der Beschuldigte soll von Frühjahr bis Herbst 2017 insgesamt neunmal Personen auf der Straße in Alsfeld bedroht und teilweise auch angegriffen haben. Fest steht bereits seine Schuldunfähigkeit: Der Mann leidet an einer schizophrenen Persönlichkeitsstörung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass auch weiterhin eine Gefahr von dem Angeklagten ausgeht. Der Prozess soll ergeben, ob der Beschuldigte in Sicherheitsverwahrung überstellt wird. Derzeit befindet er sich in der psychiatrischen Klinik in Haina.

Mit 19 Jahren erstmals Drogen

Am 23. Februar 2017 betrat der angeklagte Mann ein Tabakwarengeschäft in der Alsfelder Innenstadt in der Straße Am Mainzer Tor und forderte den Besitzer auf, keine Fotos mehr von ihm zu machen: »Mir ist nur aufgefallen, dass mich der Besitzer des Tabakladens immer fotografiert und gefilmt hat, wenn ich da vorbeigegangen ist«, sagt der Alsfelder am Mittwoch vor Gericht. Um das zu untermauern habe er dann eine Schneekugel aus einer Auslage genommen und wollte diese gegen eine Wand werfen. In diesem Moment sei der Ladenbetreiber allerdings sehr aggressiv geworden und hätte einen Baseballschläger gegriffen. Daraufhin habe er den Laden verlassen, äußerte sich der 44-Jährige vor Gericht weiter.

»Da lief eine Verschwörung gegen mich«, sagt der Beschuldigte zu den Vorfällen. »Jedes Mal wenn ich das Haus verlassen habe, stand irgendwo jemand mit einem Handy und hat getippt«. So wurde aus seiner Sicht heraus weitergegeben, wo er sich gerade aufhielt. »Und dann wurde ich immer wieder fotografiert oder gefilmt – man wollte mich provozieren«, erklärt der Angeklagte seine Übergriffe. Diese seien nur seine Versuche gewesen, die andauernde Provokation zu unterbinden.

Der Mann ist bereits seit über zwei Jahrzehnten alkohol- und drogenabhängig. »1992 mit 19 Jahren habe ich das erste Mal Marihuana geraucht«, gab er an. Danach sei sein Konsum von Jahr zu Jahr mehr geworden. »Mit 21 habe ich dann zum ersten Mal Ecstasy und Amphetamine genommen, dann auch LSD, Meskalin und Pilze«. Zur Tatzeit habe er dann täglich Drogen genommen und viel Alkohol getrunken, »ein halber Kasten Bier am Tag war gar nichts für mich«.

Nur einige Tage später soll er des Weiteren einen ihm unbekannten Mann in der Mainzer Gasse mit einem Messer bedroht und gesagt haben: »Irgendwann stech ich dich ab«. Diesen Vorfall bestritt der Beschuldigte jedoch vehement: »Ich habe noch nie jemanden mit einem Messer bedroht«.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richter, Dr. Klaus Bergmann, warum der Bedrohte dann so etwas sagen sollte, antwortete der 44-Jährige der Kammer: »Vielleicht ist das auch einer, der einfach gegen mich ist«. Auch gegenüber seinem Vermieter und dessen dreijährigen Sohn soll er Todesdrohungen ausgesprochen haben. Der Prozess am Landgericht wird fortgesetzt.



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