15. Februar 2018, 20:55 Uhr

Frühjahrsputz für den Körper

Fasten ist in. Aber bringt es wirklich etwas, sich nur von Wasser, Tee oder Brühe zu ernähren? Wir haben bei Kirstin Merz in Homberg nachgefragt, die sich gut mit dem Thema auskennt. Danach macht von Zeit zu Zeit Fasten sogar leistungsfähiger.
15. Februar 2018, 20:55 Uhr
Beim Fasten gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei manchen Arten gibt es nicht nur Tee und Wasser, es darf auch gegessen werden! (Archivfoto: Schepp)

»Genussvoll fasten« – das ist für Freunde guten Essens ja erst einmal ein Widerspruch in sich.

Kirstin Merz: Könnte man meinen. Wenn man nur das sogenannte Heilfasten – also den vollständigen Verzicht auf Nahrungsmittel – kennt. Es gibt aber unterschiedliche Fastenformen, die bekanntesten sind Heilfasten, Saftfasten, Schrothkuren, F.X.Mayr-Format und mittlerweile das Basenfasten. Allen ist gemein, dass der Fastende einen bestimmten Zeitraum auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet – also nicht unweigerlich auf alle Nahrungsmittel. Daher kann eine Fastenkur durchaus »genussvoll« sein.

Wie genau funktioniert das?

Merz: Es gibt unterschiedliche Fastenformen. Beim sogenannten Basenfasten werden über einen Zeitraum von sieben Tagen ausschließlich Nahrungsmittel verzehrt, welche »basenüberschüssig« oder umgekehrt »nicht Säure bildend« im Körper verstoffwechselt werden. Diese moderate und schonende Fastenform ist ideal für Einsteiger und Berufstätige. Sie sind und bleiben leistungsfähig und brauchen keinen Urlaub nehmen. Basenüberschüssig sind in erster Linie alle pflanzlichen Nahrungsmittel. Auf tierische Produkte, industriegefertigte Nahrungsmittel und Genussmittel wird verzichtet. Vitalfasten kann als moderate Steigerung des Basenfasten bezeichnet werden. In einem Zeitraum von neun Tagen wird die Fastenkur moderat über zwei Tage Basenfasten eingeleitet, dann drei Tage Vollfasten und anschließend wird wieder soft in die Basenfastenphase umgestiegen. Auch hier muss kein Urlaub genommen werden, da die Vollfastenzeit über das Wochenende läuft.

Welche Auswirkungen hat das?

Merz: Grundsätzlich handelt es sich um eine Entlastung des gesamten Körpers, da sich dieser nicht mehr mit der Verarbeitung von belastenden Nahrungs- und Genussmitteln beschäftigen muss. Der Körper hat Zeit, seine Altlasten – üblicherweise Stoffwechselreste oder auch Schlacken genannt – über seine körpereigenen Entgiftungs- und Entschlackungssysteme auszuscheiden. In der Fastenphase kommt nichts mehr nach – also kann »Frühjahrsputz« gemacht werden.

Welche Effekte hat das Fasten noch?

Merz: Wenn ich das Bild des Frühjahrsputzes aufnehme, so ist der Körper sinnbildlich aufgeräumt. Die Versorgungswege sind frei, alles ist an seinem Platz und kann gut funktionieren – das Nervensystem, die Abwehr, die Versorgung der Haut, das Verdauungssystem – der gesamte Körper wird wieder gut versorgt und einer gesteigerten Leistungsfähigkeit steht nichts im Wege. Menschen mit chronisch entzündlichen Erkrankungen wie etwa Rheuma – profitieren besonders von einer basenüberschüssigen Ernährung. Die Entzündungszeichen lassen deutlich nach.

Liegt Fasten im Trend?

Merz: Absolut. Der Zusammenhang zwischen dem sprunghaften Anstieg von sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergieentwicklung, hormonellen Störungen und einem überlasteten Verdauungsorganismus ist mehr als offensichtlich. Auch in den Medien wird dieses Thema immer intensiver diskutiert.

Soll/Muss man unter Anleitung fasten oder geht das auch allein?

Merz: Als Neuling ist es bedeutend einfacher und vor allem sicherer, an einem professionell begleiteten Fasten im Rahmen eines Kurses teilzunehmen. Es braucht schon ein gewisses Grundwissen um die Reaktionen des Körpers sowie den Ablauf einer Kur. Außerdem motiviert eine Gruppenveranstaltung noch einmal zusätzlich. Wenn man den Kniff raus hat, geht es auch alleine, meistens fehlen dann die Mitstreiter und das Durchhaltevermögen lässt zu wünschen übrig. Ich veranstalte in Homberg seit elf Jahren jeweils im Frühjahr und im Herbst Fastenkurse. Hier sind auch Teilnehmer dabei, die ich jedes Jahr wieder im Kurs treffe – und das nicht, weil sie es nicht alleine können, sondern weil es zusammen einfach mehr Freude bereitet. Ich versorge währenddessen die Teilnehmer mit aktuellen Hintergrund- und Zusatzinformationen rund um Ernährung.

Wie sieht Ihre Aktion aus?

Merz: Martin Jantosca ist mit seinem gleichnamigen Cateringunternehmen bekannt für eine gesunde und innovative Küche. Martin und ich haben den üblichen Kurs erstmalig um das Thema »Basisch kochen – lernen Sie vom Meister« ergänzt. Im dreistündigen Kurs vermittelt Martin Jantosca Tipps und Tricks, wie man einfach und genussvoll basisch kochen kann. Diese Impulse bringen nicht nur einen Gewinn in der Fastenzeit, sondern auch für »danach«.

Ist Fasten zum Abnehmen geeignet?

Merz: Beim Fasten wird auch Gewicht reduziert, das ist jedoch eher ein schöner Nebeneffekt. Im Moment ist das »intermittierende Fasten« in aller Munde. Man kann auch Teilzeitfasten sagen. Hier wird pro Woche etwa 36 Stunden vollständig gefastet, um eine Gewichtsreduktion herbeizuführen. Gretchenfrage: Was passiert, wenn man aufhört und wieder da weitermacht, wo man vor dem Fasten war? Die Gewichtszunahme ist vorprogrammiert. Der Auslöser des Übergewichtes – ein Defizit in der Nahrungszusammenstellung am Tag – wurde nicht korrigiert. Für eine nachhaltige Gewichtsabnahme braucht es in den allermeisten Fällen eine grundsätzliche Umstellung der Ernährung. Der Fastenkurs kann bei diesem Thema ein Einstieg in eine gesündere und leichtere Lebensweise sein.

Infos zum Kurs »Genussvoll fasten«, der am 20. Februar startet, unter Tel. 0 66 33 / 76 37 oder info@naturheilzentrum-merz.de

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