23. März 2018, 08:00 Uhr

Stickoxid

Dicke Luft in Alsfeld

Alsfeld hat die höchsten Stickoxid-Werte von allen hessischen Städten. Laut Messungen liegt die Fachwerkstadt vor Marburg oder Frankfurt.
23. März 2018, 08:00 Uhr
Zähfließender Verkehr ist in der Alsfelder Schellengasse an der Tagesordnung: unzählige Auto- und Lkw-Fahrer nutzen diese Strecke durch die Stadt. Entsprechend hoch ist die Abgasbelastung. (Foto: jol)

Vor einigen Wochen waren Mira Aretz und Philipp Balles vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) am Rande der Alicestraße und der Schellengasse am Werk. Sie brachten kleine Messröhrchen an – im Rahmen der bundesweiten Aktion »Abgasalarm«. Dazu hatte die Deutsche Umwelthilfe aufgerufen, die seit Jahren gegen hohe Abgaswerte mobil macht und vor allem gegen Dieselfahrzeuge ins Feld zieht. Nun wurden die Ergebnisse der Alsfelder Messung bei einer Pressekonferenz im Rathaus bekanntgegeben. Bürgermeister Stephan Paule zeigt sich wenig überrascht angesichts der gemessenen Werte. Denn an vielen Hauptverkehrsstraßen auch in kleineren Städten werden die Abgas-Grenzwerte überschritten. Durch Alsfeld führen drei Bundesstraßen, die täglich von tausenden Pkw- und Lkw-Fahrern genutzt werden. So wurde an der Ecke Schellengasse/Ludwigsplatz (B 62) mit einer Belastung von 53,5 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft auch der höchste hessische Wert gemessen.

Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid wurden im vergangenen Jahr an knapp zwei Drittel der 247 verkehrsnahen Messstellen in Deutschland überschritten. Der gesetzliche Jahresmittelwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit schreibt eine durchschnittliche Belastung von weniger als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vor.

Mit Passivsammlern wurde vom 1. Februar bis 1. März diesen Jahres abseits offizieller Messstellen die Luftgüte geprüft. Bei dieser Aktion wurde auch an der Alicestraße gemessen, hier lag Belastung mit 27,6 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft unter dem Grenzwert. Allerdings ist laut Aussage der Helfer dort die Lage der Röhrchen verändert worden. In den Sammelröhrchen wird Stickstoffdioxid chemisch gebunden. Die Auswertung erfolgte durch das Schweizer Analyselabor Passam AG und sie erfülle die EU-Richtlinien in Bezug auf Messgenauigkeit. Die Messwerte bilden den Durchschnittswert über den Zeitraum der Messaktion ab. Dieser liege erfahrungsgemäß nahe am Jahresdurchschnitt. Stickoxide gelten als giftig und stark gesundheitsschädlich.

Beim VCD-Kreisverband ist man ebenfalls wenig überrascht von den jetzt vorgestellten Ergebnissen. »Das ist keineswegs nur ein Problem der Großstädte. Damit erhöht sich auch für Alsfeld der Handlungsdruck, denn die gemessenen Werte sind alarmierend hoch,« sagt VCD-Pressesprecher Gerhard Kaminski. Es müssten nun umgehend Maßnahmen aus dem Luftreinhalteplan umgesetzt werden. Der Club will auch eigene Verbesserungsvorschläge vorlegen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert die Stadt ebenfalls zum Handeln auf. Fahrverbote seien als letztes Mittel denkbar. »Wir fordern behördliche Messungen, die aussagekräftig sind und dazu beitragen, die Diskussion zu versachlichen,« sagt Dr. Wolfgang Dennhöfer. Aufgrund des Gefährdungspotenzials sollen in Alsfeld »umgehend Maßnahmen zur Senkung der Stickoxidbelastung stattfinden«, kündigte Bürgermeister Paule an. Er würde zum Beispiel am liebsten den Lkw-Verkehr aus der Innenstadt verbannen. Auch weitere Tempo-30-Zonen wie in Leusel sind angedacht. Außerdem müssten behördliche Erhebungen die eingeleiteten Messungen fortsetzen, um den Bürgern gerichtsfeste Daten an die Hand zu liefern.

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