Vogelsbergkreis

Zu viele Schadstoffe in der Alsfelder Innenstadt

Erst hat die Deutsche Umwelthilfe gemessen, jetzt das Hessische Landesamt für Naturschutz : Diese Messungen bestätigen deutliche Stickoxid-Überschreitungen in der Alsfelder Innenstadt.
04. August 2018, 17:00 Uhr
Redaktion
Auspuffrohre eines Autos: In Alsfeld ist besonders die Schellengasse wegen des Durchgangsverkehrs sehr belastet. 	(Foto: pm)
Auspuffrohre eines Autos: In Alsfeld ist besonders die Schellengasse wegen des Durchgangsverkehrs sehr belastet. (Foto: pm)

Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Initiative »Alsfeld minus Fremdenverkehr« im Rahmen einer Aktion der Deutschen Umwelthilfe (DUH) StickstoffdioxidMessungen vorgenommen. In der Alsfelder Schellengasse seien dabei »besorgniserregende 53,5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft« gemessen worden (die AAZ berichtete). Das war in Hessen der höchste Messwert, der damit deutlich über dem gesetzlich zulässigen Höchstwert von 40 Mikrogramm (im Jahresmittel) gelegen hat.

Bei Experten und Umweltorganisationen sei dieser Grenzwert allerdings umstritten: »Sie weisen auf eine Gesundheitsgefährdung bereits bei 20 Mikrogramm hin. Darüber hinaus werden die amtlichen Messungen in drei Metern Höhe vorgenommen. Menschen, insbesondere Kinder, atmen weiter unten deutlich höhere Konzentrationen ein«.

Auf das alarmierende Messergebnis hin seien in Alsfeld amtliche Messungen durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), Dezernat Luftreinhaltung und Immissionen, eingeleitet worden. Die ersten Messergebnisse des HLNUG bestätigten jetzt die deutliche Grenzwertüberschreitung.

50 Mikrogramm im Mai

So seien im Mai 50 Mikrogramm und im Juni 47 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gemessen worden. Es handele sich dabei um vorläufige Werte. Die Ergebnisse könnten durch Anpassungen am Jahresende noch geringfügig korrigiert werden. Das ändere aber nichts an den Grenzwertüberschreitungen und der Notwendigkeit, zu handeln. »Millionen unter giftigen Dieselabgasen leidenden Menschen in über 100 besonders belasteten Städten wurde von der Bundeskanzlerin vor einem Jahr eine schnelle Hilfe versprochen und plakativ vor der Bundestagswahl ein mit einer Milliarde Euro ausgestattetes Sofortprogramm präsentiert«, sagt Mira Aretz von der Initiative. Damit sollte schnell die Luftqualität so verbessert werden, dass Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vermieden werden können. Doch die Luftreinhaltepolitik der Bundesregierung sei gescheitert.

Das angekündigte Sofortprogramm Saubere Luft habe sich als heiße Luft erwiesen. Weiterhin bestimmten die Autokonzerne BMW, Daimler und VW die Richtlinien der Verkehrspolitik. Der Dieselkraftstoff werde immer noch mit Milliardenbeträgen subventioniert und technische Nachrüstungen würden von den Behörden aktiv behindert. Ein wirksames Instrument zur Luftverbesserung sei die Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Städten und Kommunen. Hier habe die Alsfelder Stadtpolitik noch viel Luft nach oben. Selbst eine einfache und kostengünstige Maßnahme wie die Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr werde so halbherzig betrieben, »dass der Stadtkern und Schulen mit dem Fahrrad immer noch schwer erreichbar sind und es weiterhin keine durchgängige Route durch die Stadt gibt«.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,466962

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