20. August 2018, 19:58 Uhr

Grauen des Krieges begreifen

20. August 2018, 19:58 Uhr
Schwerpunkt zum Thema »Krieg und Frieden« war die Tages-Exkursion nach Verdun in Frankreich. (Foto: hso)

Alsfeld (hso). Die Erschütterungen der Detonationen werden im Vorführraum simuliert, dazu laufen erschütternde Filmsequenzen aus dem Ersten Weltkrieg über die Leinwand: Eindrucksvolle Informationen nahmen kürzlich die Teilnehmer einer Exkursion aus dem französischen Verdun mit. Die Fahrt fand im Rahmen des Projektes »Route 55+ – weiter im Leben« statt und ist Basis für weitere Vorträge in den kommenden Monaten. Mit mehreren Teilnehmern hatte man bereits im Juni die »Gedenkstätte und Museum Trutzhain«, das ehemalige Gefangenenlager STALAG IX A Ziegenhain besucht. An dieser Stelle wird an das Schicksal der Kriegsgefangenen im Nationalsozialismus erinnert. Im August stand eine Studienreise nach Trier mit einer Tagesfahrt nach Verdun auf dem Programm.

In Trier unternahm man am Anreisetag nach einem »Thematischen Einstieg« und einer Andacht noch einen kleinen Rundgang durch den Stadtkern. Thematischer Schwerpunkt zum Thema »Krieg und Frieden« war natürlich die Exkursion am folgenden Tag nach Verdun. Das Programm beinhaltete den Besuch der Gedenkstätte von Verdun, der Gedächtnis-Kapelle von »Fleury-devant« dem Beinhaus von Douaumont mit der Kriegsgräberstätte, dem »Fort de Douaumont« und zum Ende noch ein kleiner Stadtbummel durch Verdun selbst.

Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 wurde die »Schlacht um Verdun« weltweit bekannt. Hunderttausende junge Männer starben dort, viele wurden begraben, viele wurden nie wiedergefunden. Städte und Dörfer erlitten irreparable Zerstörungen, landwirtschaftliche Flächen und Waldgebiete wurden in Kraterlandschaften verwandelt. Neun Dörfer wurden während der Schlacht von Verdun von der Landkarte getilgt, und heute erinnern Kapellen und Denkmäler an die grauenvolle Vergangenheit.

130 000 Leichen im Beinhaus

Die Schlacht um Verdun von 1916 ist ein frontaler Zusammenstoß, der mörderischste der Geschichte zwischen Frankreich und Deutschland. Tief beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer des Dekanats über das Grauen, das in der Gedenkstätte Verdun eindringlich vermittelt wird. Beim Rundgang durchs Museum steht das Leben des einzelnen Soldaten, sei er nun ein Deutscher oder ein Franzose, im Mittelpunkt. 2000 Sammlerstücke, teilweise unveröffentlichte Fotos, Ton- und Filmdokumente illustrieren das Leben der einfachen Soldaten. Beeindruckend war auch eine neuartige audiovisuelle Vorführung, die an die Heftigkeit der Schlacht mit den Erschütterungen eines unter Granatfeuer stehenden Geländes erinnert. Es ist eines der wichtigsten europäischen Museen des Ersten Weltkrieges.

Der Weg führte weiter zum Beinhaus von Douaumont. Dieses symbolträchtige Denkmal des Schlachtfeldes, birgt etwa 130 000 Leichen nicht identifizierter französischer und deutscher Soldaten. Vor dem Beinhaus erstreckt sich die große Kriegsgräberstätte, auf der über 16 000 französische Soldaten ruhen. Der Besuch des Fort de Douaumont mit seinen unterirdischen Einrichtungen zeigte noch einmal den Dreh- und Angelpunkt des Befestigungssystems von Verdun.

Am Ende der Tagesfahrt, so lautete die einhellige Meinung der Teilnehmer, kann man das tiefe Grauen des Ersten Weltkrieges nur begreifen und das der Opfer einer ganzen Generation nur verstehen, wenn man einmal in Verdun gewesen ist.

Am Sonntag besuchte man einen Gottesdienst im Trierer Weltkulturerbe »Konstantin-Basilika«. Besichtigt wurden unter anderem das Amphitheater, die Kaiser- oder die Barbarathermen, das Rheinische Landesmuseum Trier oder eine Karl-Marx-Ausstellung zu dessen 200. Geburtstag. Am letzten Tag besprach man sich kurz, wie die Eindrücke und Erlebnisse in weiteren Aktivitäten weitertransportiert werden könnten.

Ein erstes Angebot soll ein Impuls-Abend zum Thema »Volkstrauertag« in Ober-Breidenbach am 23. Oktober sein; ein weiteres dann am Buß- und Bettag. Dabei soll ein Abendgottesdienst in Ober-Sorg im Dorfgemeinschaftshaus unter Mitgestaltung der Themenreihe »Krieg und Frieden« stattfinden. Außerdem soll an einem Schul-Aktions-Vormittag zum Thema, am 9. November (ein ebenfalls geschichtsträchtiges Datum) in der Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld mit Schülern berichtet werden. Den Abschluss der Studienfahrt bildete eine Andacht in der Kapelle des Gästehauses der »Barmherzigen Brüder Trier«.

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