03. Oktober 2018, 19:08 Uhr

Gericht

Bewährungsstrafe nach Messerstich

Zwei Jahre Bewährungsstrafe gab es nun am Amtsgericht für eine Messerattacke in Homberg, bei der im vergangenen Jahr eine junge Frau lebensgefährlich verletzt wurde.
03. Oktober 2018, 19:08 Uhr

Dieses Urteil fasste am Dienstag das Jugendschöffengericht für einen 21-Jährigen. Revision oder Berufung sind noch möglich, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wenn es dabei bleibt, darf sich der 21-Jährige drei Jahre lang keine Straftaten zuschulden kommen lassen, damit er nicht doch noch für 24 Monate einrücken muss. Das Strafmaß liegt in der Mitte zwischen den Forderungen der Staatsanwaltschaft – vier Jahre – und der Verteidigung – vier Wochen Jugendarrest.

In der Verhandlung berichtete zunächst ein Marburger Chirurg über die Notoperation, mit der die junge Frau am Leben gehalten wurde. Sie hatte einen Stich in den Rücken erhalten, der die Milz verletzt hat. Etwa zwei Liter Blut traten aus und der Chirurg schaffte es, mit einem Netz das malträtierte Organ am Ausbluten zu hindern. »Sie hat Glück gehabt, dass die Milz nicht entfernt werden musste«, sagte der Arzt.

Die medizinische Gutachterin legte detailliert dar, dass der Messerstich etwa vier Zentimeter in den Oberkörper eingedrungen war. Damit war die Annahme von bis zu drei Stichverletzungen vom Tisch. Zur Tatzeit hatte der Angeklagte bis zu 2,27 Promille Alkohol im Blut. Dennoch ging sie davon aus, dass er steuerungsfähig war. Er sei in der Tatnacht selbst verletzt worden. Prellungen und eine Schnittwunde an der Stirn verwiesen auf »mehrfache stumpfe Gewalt«.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt vier Jahre Haft ohne Bewährung. »Sie haben fast jemanden umgebracht«, wie er in Richtung des 21-Jährigen betonte. Der Angeklagte sei an dem Juliabend vom ehemaligen Schulfreund beleidigt worden. Als er ihn gegen 2.45 Uhr auf dem Nachhauseweg mit Bekannten traf, kam es zu der Auseinandersetzung, wobei der Angeklagte zu Boden geschlagen wurde. Er sei aufgestanden und mit dem Messer auf die Dreiergruppe losgestürmt. Voller Aggression habe er mit Wucht auf die junge Frau eingestochen und auch später nicht deeskaliert.

Die Nebenklagevertreterin wies auf die entstellende Narbe hin, die der jungen Frau nach der Operation geblieben ist.

Der Verteidiger regte Jugendarrest an, es habe einen Stich gegeben, der aber nicht zielgerichtet gegen die junge Frau geführt worden sei. Der 21-Jährige habe ohne Vorsatz gehandelt. Die Frau könne auch durch eine unglückliche Bewegung verletzt worden sein. Nach Jugendrecht müsse die Schwere der Schuld aus der Tat heraus bewiesen werden, was bei den unterschiedlichen Schilderungen der Zeugen nicht möglich sei.

Nach langer Beratung entschied das Jugendgericht auf zwei Jahre Haft mit Bewährung plus drei Wochen Jugendarrest. Der 21-Jährige habe zu einem Tötungsdelikt angesetzt, aber davon abgelassen, als er merkte, dass er jemanden verletzt hatte. »Die junge Frau war ein Zufallsopfer«, sagte der Richter. Im Getümmel habe der Angeklagte nicht erkannt, wie schwer sie verletzt war. Abgesprochene Zeugenaussagen der Gruppe um die junge Frau hätten die Rekonstruktion des Ablaufs erschwert. Die Schwere der Schuld sah er darin, dass der 21-Jährige so aggressiv auf eine Kränkung reagiert hat.

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