19. Oktober 2018, 21:21 Uhr

A 49

Kompromiss beim Flächenausgleich für Bauern

Lange Zeit hat es unter den Landwirten gegährt, weil sie bei den Ausgleichsflächen für den Bau der Autobahn einen zu geringen Beitrag durch das Land sahen. Jetzt hat das Land nachgelegt.
19. Oktober 2018, 21:21 Uhr
Jetzt bringt das Land offenbar genügend Ausgleichsflächen für den Bau der A 49 ein. (Foto: ks)

Die Hessische Landgesellschaft (HLG) leistet im Einvernehmen mit der Landwirtschaft ihren Beitrag zum fairen Flächenausgleich beim Neubau der Autobahn 49 (Kassel–Gießen) im Abschnitt zwischen Stadtallendorf und dem Anschluss an die A 5 bei Gemünden. Mit eigenen Flächen, die sie unmittelbar zum Flächenausgleich und mittelbar als Pachtland einbringt, entlaste die HLG damit die Landwirtschaft, die ohnehin den Großteil des Flächenbedarfs für die neue Straße bereitstellen muss, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag. Darin begrüßen auch Vertreter des Bauernverbandes und des Vogelsbergkreises den Kompromiss. Insbesondere mit Blick auf die Verteilung des Pachtlandes unter den Landwirten, die vom Bau der A 49 betroffen sind, haben die offiziellen Vertreter der Landwirtschaft ihre Mitwirkung zugesagt.

Die zuständige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Dr. Beate Tappeser (Bündnis 90/Die Grünen), bekräftigt, »dass durch den konstruktiven Abstimmungsprozess aller Beteiligten ein ausgewogenes Ergebnis für die Landwirtschaft nun möglich ist«.

Viele haben Ansprüche an die HLG

»Der Autofahrer, der die A 49 eines Tages befährt, wird es nicht merken, wem die Fläche einst gehörte, und wer sie über Jahrhunderte in Demut vor der Natur bewirtschaftet hat. Aber für die Landwirte sind die Eingriffe in ihr Eigentum zum Wohle aller häufig schmerzhaft«, sagt Prof. Martina Klärle, Geschäftsführerin der HLG: »Darum freue ich mich, dass die HLG abermals mit Weitblick ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Flächenentwicklung für das Land Hessen und für die betroffenen Landwirte geleistet hat. Wir nehmen die Sorge der Landwirte um den stets knappen, nicht vermehrbaren Boden ernst, insbesondere in einer Zeit, in der die Ressource Fläche so knapp ist wie kaum zuvor.« Prof. Klärle weist darauf hin, dass es zahlreiche, legitime und zugleich widerstreitende Ansprüche auf Flächen in Hessen gibt. Sie erinnert an den Anspruch auf Wohn- und Gewerbeflächen, auf Trassen für Mobilität und Energietransport, auf Flächen für Energieerzeugung, an den Anspruch der Landwirtschaft auf Böden, um die Versorgung aller mit qualitativ hochstehenden Lebensmitteln zu sichern, sowie an das grundlegende Erfordernis, für den Erhalt der Schöpfung durch einen ökologischen Ausgleich von Eingriffen in die Natur Sorge zu tragen.

Bauernverband ist zufrieden

Der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein (Bleidenrod), hebt hervor, dass sich die Landwirtschaft den gesellschaftlichen Anforderungen, wie dem Bau von Verkehrswegen, stellt. Wichtig sei es jedoch, dass ein fairer Interessensausgleich gefunden werde, und die Inanspruchnahme von Flächen für Infrastruktur und naturschutzrechtlichen Ausgleich nicht einseitig nur zulasten der wirtschaftenden Betriebe erfolgen dürfe. Von zentraler Bedeutung sei eine frühzeitige und transparente Einbindung der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe. Vizepräsident Lein zeigt sich erfreut, dass nach langen und zähen Verhandlungen ein Kompromiss gefunden werden könnte.

Dr. Jens Mischak (CDU), Erster Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent im Vogelsbergkreis, ist gemeinsam mit Landrat Manfred Görig (SPD) erfreut darüber, dass es weitere Flächenzuweisungen vonseiten der HLG geben wird. Mischak und Görig hatten im Frühjahr bereits darüber im Interesse der Anrainer-Landwirte mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verhandelt. Daraufhin waren bereits 28 Hektar Landesfläche zum Ausgleich zugesagt worden. Nun wurden – sehr zur Freude der Vogelsberger Spitzenpolitiker – weitere Flächen zugunsten der Landwirte in Aussicht gestellt.

Weitere 17 Hektar im Angebot

Gunther Thias, Bereichsleiter der HLG für Mittelhessen mit Sitz in Gießen, erläutert die Initiative der HLG, einen fairen Flächenausgleich entlang der A 49 herbeizuführen. Als Ausgleich durch den Eingriff, der mit dem Neubau der A 49 verbunden sei, benötigten die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe neue Acker- und Grünlandflächen. Die HLG stelle 3,4 Hektar Eigentumsflächen im Verfahrensgebiet der Flurbereinigungsbehörde zur Verfügung. »Zusätzlich werden außerhalb der Maßnahme weitere 17 Hektar Landwirtschaftsfläche den besonders betroffenen Landwirten auf Pachtbasis angeboten. Das ist neu und innovativ. So soll mit tatkräftiger Unterstützung des Kreisbauernverbands, des Gebietsagrarausschusses, des Amts für Wirtschaft und den ländlichen Raum, des Landrates des Vogelsbergkreises und der Flurbereinigungsbehörde sichergestellt werden, dass leistungsfähige Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe die richtigen Flächen bekommen«, sagte Thias, der von seiner Ausbildung her Agrarwissenschaftler ist und die Sorgen der Landwirte aus eigener Erfahrung kennt. Thias fährt fort: »Der Vorteil dieser Regelung liegt auf der Hand. Weil die Pachtflächen außerhalb des Verfahrensgebiets zusätzlich mobilisiert werden, entsteht keine neue Betroffenheit eines vom Bau der Autobahn tangierten Betriebes.« (pm/Foto: ks)

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