21. Oktober 2018, 20:47 Uhr

Lob für den »Kümmerer«

21. Oktober 2018, 20:47 Uhr
Landtagskandidat Swen Bastian spricht mit Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel (links) Themen wie den Fall Maaßen und Lehrermangel an. (Foto: au)

Vogelsbergkreis (au). Über 100 Besucher waren am Samstagnachmittag in die Frischborner Turnhalle gekommen, wo der Landtags-Direktkandidat der SPD, Swen Bastian, mit Sigmar Gabriel, dem ehemaligen Bundesaußenmister und Parteivorsitzenden, einen prominenten Unterstützter begrüßte. Bewusst habe die Vogelsberger SPD bei der Veranstaltung auf eine große Inszenierung verzichtet, sagte Bastian, denn Politik sei die Lösung von Problemen und keine Selbstinszenierung. Wenn man den Plakatbotschaften der CDU Glauben schenke, sei in Hessen alles bestens. »Spricht man aber mit den Menschen, dann merkt man schnell, dass die Realität im Land eine andere ist. Sei es in der Schule, wo dringend zusätzliche Lehrer benötigt werden, bei der maroden Infrastruktur und den existenzbedrohenden Straßenausbaubeiträgen ist vieles nicht so rosig, wie es von der CDU dargestellt wird«, fügte Bastian an. Es gelte, diese Probleme »nach 19 Jahren des Stillstandes« anzupacken und das Leben im Land zu verbessern.

»Swen Bastian hat den Ruf, ein Kümmerer zu sein, der in der Region verwurzelt ist und die Probleme für die Menschen in der Region anpacken will. Ich bin froh, ihn heute hier zu unterstützen.«, ergänzte Gabriel. Ein guter Politiker müssse neugierig sein, Menschen mögen und den Austausch mit ihnen suchen, um seine Arbeit gut zu machen. Bastian habe diese Eigenschaften.«

Gabriel sparte nicht mit selbstkritischen Äußerungen zur aktuellen Bundespolitik und regte die Besucher zum Nachdenken an. »Es gibt in der realen Welt keine einfachen Lösungen für die großen gesellschaftlichen Probleme«, betonte Gabriel. Wer dies den Leuten vorgaukele, handelt populistisch und gefährde die demokratische Gesellschaft. Dabei sei es leider oft so, dass sich zu viel um die »zehn Prozent Verrückten im Land« gekümmert wird, anstatt sich den wichtigen Dingen zu widmen. Bei aller Kritik »leben wir heute im besten Deutschland, dass es in der Geschichte gab«, das werde oft vergessen. »In Europa herrscht seit über 70 Jahre Frieden, aber das Projekt Europa kann scheitern, wenn sich die einzelnen Länder zerstreiten«, gab sich Gabriel nachdenklich, Dann höre niemand mehr auf Europa.

Deshalb sei eine stabile Bundesregierung wichtig, um Europa zusammenzuhalten und seinen guten Einfluss in der Welt zu bewahren. Gabriel betonte, dass auch Fehler gemacht wurden. »Der Umgang mit dem Fall Maaßen war falsch. Wenn dies als Maßstab angenommen wird, kann man Seehofer zum UN-Generalsekretär machen.« Entweder finde man zur Sachpolitik zurück oder die Fortsetzung der Koalition in Berlin mache keinen Sinn mehr.

In Hessen zeigt die SPD, dass es eine Alternative gibt, ist Gabriel überzeugt. »Die Leute im Land wollen nicht über Zuständigkeiten reden, sondern über die Zustände. Und hier hat Thorsten Schäfer-Gümbel die richtigen Themen gesetzt.« Insbesondere der Bildungsbereich von der KiTa über Schulen bis zur Uni ist für Gabriel enorm wichtig: »Schulen müssen die Kathedralen des Landes sein, hier wird der Grundstein für die Zukunft gelegt.« Da könne der Bund den Ländern und Kommunen helfen.

In der Diskussion reichte das Spektrum von der Energiepolitik bis zur Migration. Gabriel erläuterte die komplexen Themen so, dass die Besucher die Hintergründe gut nachvollziehen konnten. »Wir werden nicht bei allen Punkten einer Meinung sein, aber es zeichnet uns aus, dass wir anständig miteinander umgehen, auch bei anderen Meinungen.« In einer Demokratie müsse verbindendes wichtiger sein als trennendes. In der Politik müsse man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Auch die hessischen Themen Abschaffung der Straßenausbaubeiträge und Bekämpfung des Lehrermangels wurden thematisiert. Swen Bastian ging auf die Versäumnisse der Landesregierung ein: »Das Land muss mit seinen Beschäftigten besser umgehen, um künftig ausreichend Personal zu gewinnen, damit das Land wieder handlungsfähig wird. In Hessen ist es Zeit für einen Wechsel, der dem Land gut tut.«

Ein weiteres Treffen der Vogelsberger SPD mit Sigmar Gabriel steht in Aussicht: Als aus dem Publikum die Frage nach einem Besuch in Gabriels Heimatstadt Goslar aufkam, bot er spontan an, eine Stadtführung für die Vogelsberger zu übernehmen.

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