Mücke-Ober-Ohmen (sf). Ober-Ohmen hat nun eine Elisabethkapelle. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurde der Chorraum im historischen Kirchturm durch Vikar Jörg Niesner, Gemeindepfarrer Markus Witznick und Dekan Norbert Heide geweiht.

Mit diesem Ereignis feierte die Kirchengemeinde Ober-Ohmen auch den Abschluss der Restaurierungsarbeiten an den Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Diese wurden mit Hilfe von zahlreichen Zuschüssen und Spenden über mehrere Jahre hinweg professionell freigelegt und gesichert.

In seiner Predigt ging Vikar Niesner auf die Glaubensbotschaften ein, die dieser besondere Raum auch heute noch wachhalte. »Raum zum Verlieben« war schon auf den Liedblättern zu lesen, und Niesner berichtete, wie er sich gleich zu Beginn seiner Dienstzeit in Ober-Ohmen beim ersten Betreten der heutigen Elisabethkapelle in den Raum verliebt habe.

Mit offenem Mund staunen

Die dicken Mauern, die Jahrhunderte alte Tür mit ihren verspielten Metallbeschlägen, der grobe Steinboden und nicht zuletzt die beeindruckenden überlebensgroßen figürlichen Wandmalereien aus dem Mittelalter machten den Raum zu einem in dieser Form ganz und gar einzigartigen Gesamtensemble. Dessen »Charme und spiritueller Kraft« könne man sich kaum entziehen.

Es sei immer wieder bewegend, wenn von Frühjahr bis Herbst Menschen auf dem Lutherweg unterwegs seien und an der Kirche Station machten: »Da sehen Sie staunende Augen und weit geöffnete Münder«, berichtete Niesner. Aus einem dunklen, fast gespenstischen Raum, der die letzten Jahrhunderte als Abstellkammer fungierte und dessen Malereien mehrfach übermalt wurden, sei ein vorzeigbares Kulturdenkmal geworden, dessen Strahlkraft weit über die Region hinausreiche. Dabei sei dieser Raum kein Museum, so Niesner. Vielmehr sei es ein lebendiger Ort, weil er eine lebendige Geschichten erzähle.

Eine eindrucksvolle Symbolik stecke im Gewölbe, dessen Schlussstein das Lamm Gottes mit Siegesfahne zeigt. Die Last des Gewölbes liegt auf einem Konsolenstein, auf dem man noch eine Teufelsfratze erkennen kann. »Christus ist der Sieger über den Tod. Er drückt den Teufel nieder«, war zu hören. Dass die Wandmalereien im Zuge der Reformation übermalt worden sind, sei kein Wunder. Es sollte Schluss sein mit einer fehlgeleiteten Heiligenverehrung, bei der die Heiligen zu Mittlern zwischen Gott und den Menschen gemacht wurden. Niesner betonte, eine echte Besonderheit in Ober-Ohmen sei, dass nur heilige Frauen gezeigt würden. Besonders prominent werde Elisabeth dargestellt. Man sieht, wie sie einen Kranken speist. Dass die neu geweihte Kapelle ihren Namen tragen sollte, sei schnell klar gewesen.

Fleißig Socken gestrickt

Dr. Jürgen Römer, der 2008 die Feierlichkeiten zum Elisabethjahr für die beiden hessischen Landeskirchen koordiniert hatte, sagte, dass die Aktivitäten damals dazu beigetragen hätten, dass in Ober-Ohmen das Bewusstsein um die Bedeutung der Wandmalereien gewachsen ist. Dass das heute, zehn Jahre später, solche Früchte trage, sei toll.

Pfarrer Markus Witznick dankte im Namen des Kirchenvorstandes allen, die sich an diesem Großprojekt beteiligt haben, vor allem auch den zahlreichen Spendern. Auch hob er die gute Zusammenarbeit mit Denkmalpflege und kirchlichem Bauamt hervor, die von Anfang an unterstützend zur Seite gestanden hätten. Ein besonderer Dank ging an Küsterin Elona Koch, die seit etlichen Jahren Socken strickt und für den Turm verkauft. Dabei sei bis heute eine »wahrhaft gigantische« Summe zustande gekommen. Diese brauche man auch sowie weitere Spenden, weil die Absicht besteht, die Elisabethkapelle weiterzuentwickeln. Beleuchtung, Bestuhlung und Ausstattung seien noch zu realisieren. Ein weiteres Dankeschön ging an Vikar Jörg Niesner, der im Laufe seines Vikariats die Entwicklung des Projekts maßgeblich mit vorangebracht und intensiv auch zur geschichtlichen Einordnung geforscht hatte.

Nach der Enthüllung einer Bronzetafel mit der Aufschrift »Elisabethkapelle« an der Eingangstür und der Vorstellung einer neuen Info-Tafel hielt die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Kern von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur einen Vortrag über die Wandmalereien in Ober-Ohmen. Im Anschluss an den Vortrag lud die Gemeinde zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein, dem die zahlreich erschienen Besucher der Einweihung gerne folgten.

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