25. Januar 2019, 21:26 Uhr

Bei Kontrolle »flog die Faust«

25. Januar 2019, 21:26 Uhr
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Von Joachim Legatis

Es war ein traumatisches Erlebnis der eigenen Hilflosigkeit. Auch zwei Jahre später steigen dem 58-Jährigen die Tränen in die Augen, und ihm versagt die Stimme, als er vor Gericht von dem Überfall erzählt. Der Nachtwächter des Alsfelder Büromöbelherstellers CEKA kontrollierte am 26. Dezember 2016 kurz vor Mitternacht einen verdächtigen Transporter, als ihn ein Unbekannter zusammenschlug und -trat. Nun stehen zwei Brüder vor dem Schöffengericht Alsfeld und verantworten sich in einem Indizienprozess für den Raub und die gefährliche Körperverletzung. Sie streiten eine Beteiligung an den Straftaten ab.

Die Anklage wirft den beiden Deutschen vor, am zweiten Weihnachtsfeiertag vor zwei Jahren gegen 23.40 Uhr mit einem Kleintransporter zur Warenannahme der Altenburger Firma gefahren zu sein und im Freien abgestellte Gitterboxen gestohlen zu haben. Der Wachmann kontrollierte den Fahrer, als er von einem zweiten Mann niedergeschlagen und getreten wurde. Die Täter flüchteten.

Die Polizei kontrollierte am nächsten Tag in Alsfeld einen Sprinter der Autovermietung, wie er am Tatort gesehen worden ist. Die Angeklagten waren mit Gitterboxen in einer Garage beschäftigt, eine Funkzellenauswertung ergab, dass ihre Mobiltelefone zum Tatzeitpunkt in Altenburg waren.

Tritte gegen den Kopf

Der 38-jährige V. ließ seinen Verteidiger erklären, er habe nichts mit der Tat zu tun. Er habe den Sprinter gemietet, aber an jenem Abend einer anderen Person überlassen, wem, wolle er nicht sagen. Sein Handy habe im Fahrzeug gelegen, und die Garage habe er zur Lagerung von Gitterboxen genutzt. Der 30-jährige P. sagte über seinen Anwalt und persönlich, er sei am Tattag bei seinen Eltern gewesen. Abends habe er mit einem Freund eine Bar besucht. Das Handy habe er in einem weißen Täschchen in dem Transporter versehentlich liegen gelassen.

Der Wachmann erinnerte sich daran, dass sein Hund anschlug, als in jener Dezembernacht der weiße Transporter an der geschlossen Zufahrtschranke vorbei auf den Hof gefahren wurde. Er sei mit seinem Wagen zum Fahrzeug gefahren, sah eine Gitterbox im Laderaum und fragte den Fahrer, was er da tue. Da kam ein zweiter Mann hinzu und »ich sah nur noch die Faust fliegen«. Der erste Schlag ging gegen die Schläfe, der zweite machte ihn benommen. Dann muss er wohl zu Boden gegangen sein, weil die nächste Erinnerung war, dass er auf dem Asphalt lag und den Kopf gegen harte Schläge schützte, die auf ihn niederprasselten. Der Angreifer habe ihn auf eine Weise zu Boden gedrückt, dass er vermutet, er habe Kampfsporterfahrung. Dann sei der Angreifer aufgestanden, habe ihm noch zwei Tritte gegen den Kopf verpasst, sprang in den Sprinter, und die beiden Diebe fuhren davon.

Er identifizierte den 38-Jährigen mit hoher Sicherheit als den Mann, den er auf dem Firmengelände angesprochen hat. Er habe mit weicher Stimme und osteuropäischem Akzent gesprochen. Vielleicht deshalb sagte der 38-Jährige im Gerichtssaal kein Wort. Das tat er nur mit dem Anwalt und seiner Schwester. Die verschwand wortlos, nachdem die Richterin sie überraschend aufforderte, eine Zeugenaussage zu machen.

Eine von der Polizei festgestellte Gitterbox in der Garage hatte übrigens noch den Laufzettel von CEKA aufgeklebt. Der Prozess wird fortgesetzt.



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