24. Februar 2019, 05:00 Uhr

Buchenwald

Homberger Schüler besuchen »Ort des Todes«

Informationen zum historischen Geschehen in Konzentrationslagern hat man ja. Aber wenn man mal auf so einem einem Gelände war, wird einem doch ganz anders. So auch Schülern aus Homberg.
24. Februar 2019, 05:00 Uhr
Beeindruckt sind die Schüler der Abschlussklassen (im Hintergrund) von dem zynischen Spruch am Tor der Gedenkstätte Buchenwald. (Foto: pm)

Gute Laune und Gelächter herrschten im Reisebus. Dort wurde dem Klassenkameraden ein amüsantes Video auf dem Smartphone gezeigt, wurden Naschereien gereicht. Eine gute Stimmung zeichnete den bisherigen Tagesverlauf der Klassen 10 Ga, 10 Rb, 10 Ra und 9H der Ohmtalschule aus. Doch diese wurde durch den Hinweis von Lehrer Herbert Kress, dass links der Ettersberg samt Holocaust-Denkmal zu sehen sei, in bedrückte Stille verändert.

Am Ziel ihrer Reise angekommen erwartete die Schüler ein Anblick, den sie so rasch nicht wieder vergessen: Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald. Der zynische Spruch »Jedem das Seine« steht am Tor, das den Zugang zu einem Ort gewährt, der für Tausende von Menschen einen qualvollen Tod bedeutete. Ein Spruch, welcher im eigentlichen Sinne recht wenig Spielraum für Interpretationen bietet. Für die Nationalsozialisten barg er jedoch allem Anschein nach ein perverses Recht, jedes Individuum, das nicht Teil ihres Weltbildes ist, restlos auszulöschen. Zwar fehlen auf dem weitläufigen Areal heute die Baracken, in denen die Häftlinge aufs menschenunwürdigste zusammengepfercht wurden, jedoch zerrte dies nicht an dem Bild des Schreckens, das den Besuchern vermittelt wurde.

Krematorium ist erhalten

Andere wichtige Lagerteile hingegen, wie zum Beispiel das Krematorium oder Teile des Zoos blieben original erhalten. Letzterer war ein beliebtes Freizeitvergnügen für den Lagerkommandanten Karl Otto Koch, seine Kinder und Gattin Ilse Koch, welche als »Hexe von Buchenwald« in die Geschichte einging.

Ein paar Meter links hinterm Eingang befindet sich eine Trauertafel aus Edelstahl: das »Denkmal an ein Denkmal«, welches von Horst Hoheisel und Andreas Knitz errichtet wurde. Auf ihr wurden sämtliche Nationalitäten und Volksgruppen eingraviert, denen die ungefähr 56 000 Todesopfer angehörten. Aus Angst jedoch, dass eine Nationalität vergessen werden könnte, wurde noch ein zusätzliches Element in die Tafel eingebaut. Die Stadtwerke Weimar beheizen die Tafel auf exakt 37 Grad – die Körperwärme eines Menschen. Es ist ein Andenken der besonderen Art, das den gleichen Wert eines Menschen jeden symbolisiert.

Mahnmal der Schande

An den ehemaligen Unterkünften der Lagerführung vorbei, verabschiedeten sich die Schüler von einem Ort, der von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch als »Ort des Todes« bezeichnet wurde. Nach einer sehr informativen Filmvorführung samt Rundgang setzten einige Schüler ihre bedrückte und nachdenkliche Miene eine Zeit lang nicht mehr ab.

Buchenwald ist, wie alle anderen Konzentrationslager auch, aus Sicht der Schüler mehr als eine historische Gedenkstätte. Es ist ein Mahnmal der Schande, ein Zeugnis der Verbrechen der deutschen Geschichte und des tiefsten Abgrunds der menschlichen Seele. Es sollte als Beispiel dienen für Generationen, die weder vergessen noch verzeihen können und sollten, dass sich eine derartige Tragödie abspielte.

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