26. März 2019, 21:51 Uhr

Musik aus Kirtorf und dem Libanon

26. März 2019, 21:51 Uhr

Kirtorf (jol). Musik verbindet Menschen und bringt Spaß. Das zeigte der jüngste Auftritt des Yale-Strom-Trios im Kulturhaus Alte Synagoge. Die Besucher konnten mitschwingen im Takt der Lieder aus der Welt der Juden Osteuropas und Spaniens, lachten über die Klage über zu viel Kartoffelpuffer an Chanukkah (acht Tage dauerndes, jährlich gefeiertes jüdisches Lichterfest) und hörten ein Geburtstagsständchen. Im Mittelpunkt stand die Musik der Künstler aus den USA, die bei einer Deutschlandtournee in Ober-Gleen Station machten. Die Lieder auf Ladino und Jiddish sowie die Oud-Improvisationen (Oud ist eine arabische Laute) Amos Hoffmans sorgten für einen besonderen Reiz.

Die Begrüßung im gut gefüllten ehemaligen Betsaal übernahm Helmut Meß für den Heimatverein Kirtorf. Zur Einstimmung brachte Sängerin Elizabeth Schwartz ein Lied zu Shabbatbeginn zu Gehör. Schon da zeigte sie sich mit ihrer warmen Altstimme von der besten Seite. Das Trio mit Schwartz, Geiger Yale Strom und Gitarrist Hoffman stellte ihre CD mit Chanukkah-Liedern vor, die mit einem achtköpfigen Ensemble in Kalifornien eingespielt wurde. Dabei hat Komponist Strom traditionelle Stücke der jüdischen Kultur für moderne Ohren umgeschrieben. Das Lichterfest Chanukkah hat einen ähnlichen Stellenwert wie Weihnachten bei Christen, entsprechend verbreitet sind Lieder zum Fest.

Als lokales Stück fügten sie eine Weise aus Oberhessen hinzu, die einst zum Beschneidungsfest gespielt wurde. Das getragene Werk, das Lokalforscherin Monika Felsing gefunden hat, stand im Kontrast zu beschwingten Klezmerstücken aus Osteuropa. Dabei erinnerte Strom an die Begegnung mit einem alten Roma-Musiker, den er in einem Karpatendorf getroffen hat. Dieser erzählte auf Jiddish von der Zeit in Musikgruppen aus Roma und Juden, die zu Festen und Hochzeiten aufspielten. Oft enden Klezmerlieder nach einem getragenen Beginn sehr beschwingt. Wie Strom erläuterte, mischen sich in der Musik der Juden alte orientalische Elemente mit Einflüssen der neuen Umgebung. Bei der Musik der spanischen Juden, den Sepharden, sind nordafrikanische Einflüsse hörbar. Dabei machte Schwartz mit ihrer warmen Stimme die Stücke zum Hörgenuss. Erstaunlich harmonisch fügte sich eine virtuose Einlage Hoffmans auf der Oud ein. Die arabische Laute ist der »Großvater der Gitarre«, wie Strom betont.

Mit leisem Spott verwies er auf den Widerspruch im Denken von Rassisten, die gerne Rockmusik hören würden. »Wie können sie Leute ablehnen, aus deren Kultur das tragende Instrument der Rockmusik stammt?« Im Zusammenspiel der Melodien aus verschiedenen Regionen klang die arabische Improvisation auf der Oud kaum noch fremd.

Mit einem Geburtstagsgruß für einen Besucher, der den Festtag mit dem Konzertbesuch krönte, ging der Abend harmonisch und mit Riesenbeifall zu Ende. Meß ist überzeugt, dass Strom und Mitmusiker wiederkommen – »aller guten Dinge sind drei«. Gefördert wurde der Weltmusikabend durch das Bundesprogramm »Demokratie leben«.

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