09. April 2019, 05:00 Uhr

Gegen rechts

Kirtorfer treten couragiert Hetze entgegen

Kirtorf ist immer wieder mal wegen rechter Umtriebe in den Schlagzeilen. Der Ort hat einen »Dorf-Nazi« und einen AfD-Stammtisch. Und jetzt auch einen Abend über Zivilcourage gegen rechts.
09. April 2019, 05:00 Uhr
Andreas Fey (l.) wirbt bei der Diskussion über den rechten Rand der Gesellschaft um Zivilcourage gegen Rechtsextremismus. (Foto: jol)

Der »Aha-Effekt« über Rechtsextreme in der AfD ging am Freitagabend über in eine angeregte Diskussion, was man gegen rechte Tendenzen im eigenen Ort machen kann. Gut 60 Besucher kamen in die Gleentalhalle zum Vortrag über den rechten Rand der Gesellschaft, dabei kreiste die Diskussion schnell um lokales Geschehen. Ausgangspunkt war ein Vortrag des Publizisten Lucius Teidelbaum über die vielen rechten und nationalistischen Tendenzen innerhalb der AfD. Burschenschafter, ehemalige Nazi-Aktivisten, christliche Rechte, Klimawandel-Leugner und Rassisten finden sich demnach in der Partei. Wenn etwas darüber bekannt werde, reagierteten Parteivertreter nach dem Muster »Leugnen, Kleinreden, Verharmlosen und Selbstinszenieren als Opfer«. Teidelbaum betonte, »die AfD vertritt Rassismus und autoritäre Strukturen«, in der Partei sind Neonazis unbehelligt aktiv. Wichtig sei der Einfluss der »Neuen Rechten«, die sich auf die faschistische Bewegung der 1920er Jahre beziehe. Die AfD sei ein Magnet für extrem Rechte, dadurch werde sie zum »erfolgreichsten rechten Projekt«.

»Schweigende Mehrheit«

Dem gegenüber seien Parteien wie die NPD und »Der 3. Weg« klar neonazistisch. Daneben gebe es noch eine rechtsextreme Subkultur, die sich zu Rechtsrock-Konzerten zusammenfinde und zu Gewalt neige. Das gehe manchmal zusammen, wie die Chemnitz-Demos von Hooligans, Neonazis und AfD-Vertretern zeigten. Im Windschatten der rechten Hetze fühlten sich einige zu Gewalttaten ermuntert. Teidelbaum geht von mindestens 180 Todesopfern durch rechtsextreme Gewalt seit 1990 aus.

Mit Blick auf die »schweigende Mehrheit« müssten Politik und Medien offensiver auftreten. So würden auch in Kirtorf NPD und AfD gewählt. Positionen, wie sie vor zehn Jahren nur am Stammtisch geäußert worden seien, seien heute in Talkshows salonfähig. Daran knüpfte Bürgermeister Andreas Fey an und forderte die Besucher dazu auf, offen gegen rechte Tendenzen aufzutreten. Er will demokratische Mitwirkung stärken, so über ein Jugendparlament. Er habe mit dem Kirtorfer »Dorf-Nazi« B. gesprochen und ihm deutlich gesagt, sein Tun werde nicht geduldet. Er könne »denken, was er will, aber wir wollen nicht, dass er Nazis einlädt«. Das richte sich gegen größere Treffen, Kaffeetrinken mit Kumpels sei unberührt.

Bündnis hat mehr Mitglieder

»Menschen aus verschiedenen Kulturen leben und feiern in Kirtorf zusammen«, machte Fey deutlich. Eine Besucherin regte an, gerade B. zu zeigen, dass man ihn akzeptiere und nicht komplett zu isolieren. Teidelbaum ergänzte, Gespräche mit harten Rassisten und Neonazis würden nichts bringen, aber es gebe viele, die man erreichen könne. Eine Besucherin verwies auf einen AfD-Stammtisch, gegen den es leider keine Proteste im Ort gab. Pedro Valdivielso erläuterte, das Bündnis für Vielfalt habe nicht genug Mitglieder aktivieren können. Inzwischen seien weitere Aktive dazu gestoßen, nun könne man mehr machen. Dieter Schmidt betonte, auch einfache Bürger könnten mit Leserbriefen protestieren. Ein Besucher regte mit Blick auf rassistische Sprüche an, »wir müssen den Leuten couragiert entgegen treten«. Eine Frau erzählte, in einem Alsfelder Restaurant habe die Kellnerin über Flüchtlinge hergezogen, was sie sich direkt verbeten hat. Es seien die kleinen Schritte, die rechte Hetze verhinderten.

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