26. April 2019, 16:30 Uhr

Pflege

Mit der Gemeindeschwester 2.0 unterwegs

Irgendwann kommt oft der Zeitpunkt, ab dem alte Menschen nicht mehr allein daheim zurecht kommen. Hier kann eine Gemeindeschwester hilfreich tätig werden.
26. April 2019, 16:30 Uhr
Marcelina Vorwerk und Petra Blank sind »Gemeindeschwester 2.0«. Sie machen Hausbesuche, kümmern sich um Senioren und versuchen Angehörige zu entlasten. (Foto: Gaby Richter)

Marcelina Vorwerk und Petra Blank sind die beiden Fachfrauen im Projekt »Gemeindeschwester 2.0« in der Kreisverwaltung. Sie kümmern sich um Seniorinnen und Senioren im Alter von 65 Jahren und älter und versuchen Hausärzte und Angehörige zu entlasten. Das Projekt ist vor kurzem gestartet und läuft gut, es gab schon über 35 Hausbesuche.

Wie läuft nun ein solcher Hausbeusch ab? Es geht gemeinsam zu einer »ihrer« älteren Damen: Frau L. ist Mitte Achtzig und lebt alleine. Sie freut sich über den Besuch, zeigt gerne ihre Aquarell- und Ölbilder und kommt ins Plaudern über die Motive. Wenn die Gemeindeschwester kommt, dann geht es nicht ums Wechseln von Verbänden oder darum, den Blutdruck zu messen. Auch nicht darum, dass sie Medikamente vorbei bringt. Trotzdem hat sie aber auch darauf ein Auge.

»Wir sind keine Gemeindeschwestern im medizinisch-pflegerischen Sinn«, erklärt Petra Blank. Sie ist zwar gelernte Pflegefachkraft, doch im Projekt möchte sie eher verstanden werden als »eine, die sich kümmert, die in schwierigen Lebenssituationen unterstützt, eine, die auch an passende Hilfsangebote weiter vermitteln kann«.

Der Begriff Gemeindeschwester kann leicht missverstanden werden, das erleben die beiden Fachfrauen öfter. »Wir möchten dafür sorgen, dass die älteren Menschen möglichst lange, selbstständig, gesund und zufrieden in ihrem eigenen Zuhause leben können«, erklärt Marcelina Vorwerk. Sie ist gelernte Sozialpädagogin und eine der beiden Fachkräfte im Projekt, das vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert wird. Was heißt das konkret?

Ganz wichtig ist den beiden Fachkräften, dass sie keinesfalls als Konkurrenz zu anderen Pflegedienstleistern auftreten. Ganz im Gegenteil: »Wir sind darauf angewiesen, möglichst viele handelnde Personen und Einrichtungen zu kennen, damit wir bei Bedarf den passenden Kontakt herstellen können.«

Das bedeutet zum Start ihrer Arbeit ganz viele Vorsprachen in Arztpraxen, Vorstellen in Pflegeeinrichtungen oder bei Pflegediensten, das Kennenlernen von möglichst vielen Angeboten, die schon existieren. »Im Idealfall melden sich ältere Menschen selbst bei uns, oder deren Angehörige und Nachbarn, vielleicht macht auch der Hausarzt auf uns aufmerksam und klärt vorab, dass wir Kontakt aufnehmen dürfen«, berichtet Frau Blank. So war es auch bei Frau L.: Ihre Hausärztin kannte das Angebot der »Gemeindeschwester 2.0«.

Bei ihr schaut Frau Vorwerk vorbei, um ein wenig zu plaudern, wie es Frau L. nennt. Für die Fachkraft geht es aber auch darum, beim Knüpfen neuer sozialer Kontakte zu unterstützen – denn obwohl sie sonntags zur Tagespflege geht und die Töchter sich fürsorglich kümmern und sie besuchen, fühlt sie sich oft einsam.

»Vielleicht können wir bei Verabredungen mit anderen alleinstehenden Damen helfen und dafür sorgen, dass es für Frau L. demnächst Essen auf Rädern geben wird.« Frau L. will aus dem Sessel aufstehen, muss sich aber gleich wieder setzen, weil ihr schwindelig wird. Frau Blank fragt, ob sie schon ihre Medikamente genommen hat und holt ein Glas Wasser, »sie hat vermutlich zu wenig getrunken«. Auch darauf achten sie, wenn sie schon einmal im Haus sind. Sie entlasten damit Ärzte und Angehörige gleichermaßen – genau so, wie es sein soll.

Beim Projekt Gemeindeschwester 2.0 liegt eine weitere Förderzusage des Landes für eine weitere Stelle vor, die den Bereich Lautertal, Ulrichstein und Lauterbach abdecken soll. Es laufen Bewerbungsgespräche für eine dritte Fachkraft, die eine weitere ganze Stelle besetzen soll.

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