Vogelsbergkreis

Imposanter Neuzugang ist bei der Vogelwarte eingeflogen

Seit kurzem lebt mit dem Riesenseeadler »Yoko« der größte Vertreter seiner Art in der Greifvogelwarte Feldatal. Er wird sicher ein Star der regelmäßigen Flugschauen.
15. Juli 2019, 12:25 Uhr
Joachim Legatis

Er ist noch jung, aber schon recht beherzt, der Riesen-Seeadler »Yoko«. Kaum zückt der Reporter die Kamera, geht der kräftige Jungvogel mit ausgebreiteten Schwingen auf den Besucher los und hackt nach dessen Bein. Michael Simon lacht und stellt sich dazwischen. Ihn, der das Futter bringt, greift das Tier nicht an.

Der Chef der Greifvogelwarte Feldatal in Ermenrod ist stolz auf seinen Neuzugang. Der wenige Wochen alte Riesen-Seeadler stammt aus einer Zucht im Vogelpark Walsrode und ist der größte Adler mit bis zu 2,50 Metern Spannweite und bis zu neun Kilogramm Gewicht. In freier Wildbahn an den Küsten von China und Russland fressen die Tiere sogar Seehundbabies.

Ein weiterer Neuzugang der Greifvogelwarte ist da weniger furchteinflößend. Der fünf Wochen alte Steppenadler »Lando« wird ebenfalls tagsüber in der Voliere gehalten und hüpft regelmäßig auf der Wiese herum, um die Brustmuskulatur zu stärken. »In zwei Wochen kann er fliegen«, schätzt Simon. Nachts kommen die beiden munteren Jungvögel übrigens in das Brutzimmer im Haupthaus des Anwesens am Rand von Ermenrod. »Sie können sich noch nicht wehren wie die Altvögel«, erläutert Simon. Denn die Jungtiere fallen um, wenn sie nur auf einem Bein stehen. So können sie die mächtigen Krallen nicht gegen Attacken eines Marders einsetzen.

Zwei weitere Jungtiere werden nicht in den Volieren der Warte gezeigt. Die jungen Turmfalken werden von Simon drinnen aufgepäppelt, weil sie sich beim Sturz aus ihrem Nest das Bein gebrochen haben. Insgesamt haben Simon und sein Kollege Marcus Pusch neun Turmfalken aufgenommen. Die ersten kamen Anfang Juni, sie können jetzt ausgewildert werden.

Dazu lassen die Wildvogelspezialisten die Türen der Volieren tagsüber offen, damit die jungen Turmfalken ausfliegen können. Die Fütterung wird nach und nach reduziert, was die Vögel dazu bringt, selbst zu jagen. Nur zwei Vögel werden wohl noch einige Wochen in Ermenrod leben. Sie haben gebrochene Beine, die geschient wurden. Simon ist zufrieden mit der Heilung. »Sie sind munter und fressen.«

Sechs Wochen lang bleibt der Verband, erst dann ist die Bruchstelle verheilt. Bei einem Tier wird wohl ein Bein etwas steif bleiben, das sei aber nicht so schlimm und er kann später zurück in die Freiheit. »Der Turmfalke ist ein Bisstöter, da braucht er das Bein nur kurz anzuheben«, beschreibt Simon. Andere Raubvögel töten durch den Griff der Krallen, da wäre ein versteiftes Bein ein echtes Handicap. Der Falkner kann stundenlang erzählen von den Tieren, die ihm so am Herzen liegen. In der Greifvogelwarte ist inzwischen eine große Bandbreite an Vögeln zu erleben. Insgesamt leben dort 20 Eulenarten von allen Kontinenten inklusive Australien. Zwölf verschiedene Eulenarten sind in der Außenanlage zu erleben, die übrigen leben im geschützten Zuchtbereich.

Bei den Adlern hat bislang der größte Vertreter seiner Art gefehlt. Er ergänzt die Schau mit Weißkopfsee-, Steppen- und Steinadlern.

Mit nur noch 5000 Exemplaren in freier Wildbahn gehören die Riesen-Seeadler zu den gefährdeten Arten. Bedroht sind sie aus mehreren Gründen: An den Ufern der Flüsse in China und Russland leben mehr Menschen und machen ihnen die Fische als Nahrungsgrundlage streitig. Zudem werden große Bäume abgeholzt.

Dadurch muss der schwere Vogel den Horst in jüngere Bäume bauen, deren Äste oft nicht das Gewicht aushalten.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,611192

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