18. Juli 2019, 08:00 Uhr

Windkraft

Am Kratzberg in Nieder-Ohmen sollen weitere Windkraftanlagen gebaut werden

Manche wollen keinen Schattenwurf auf der Terrasse, andere versprechen sich eine Kapitalanlage. Windenergieanlagen zwischen Atzenhain und Nieder-Ohmen beschäftigten Anwohner und Planer.
18. Juli 2019, 08:00 Uhr
Am Modellflugplatz bei Nieder-Ohmen sollen weitere Windenergieanlagen gebaut werden. (Fotos: jol)

Vom Kratzberg bei Nieder-Ohmen aus hat man einen herrlichen Blick auf die Vogelsberlandschaft mit sanften Hügeln, viel Wald, Dörfern - und Rotoren. Das gilt auch für ein Dutzend Aktive der Luftsportgruppe Mücke, die dort ihren Flugplatz haben. Schon bald werden sie sich an den Anblick weiterer Windenergieanlagen gewöhnen müssen. Geplant sind vier Großrotoren. Zwei bis drei weitere könnten im Staatswald auf dem Gebiet von Hessen-Forst dazu kommen, hier läuft eine europaweite Ausschreibung. Am Dienstag stellten Experten der Firma Juwi die Planungen für drei rund 240 Meter hohen Stromerzeuger vor. Von Protesten, auf die im Vorfeld einiges hingedeutet hatte, war an diesem Abend nicht viel zu merken, die Diskussion verlief sachlich.

Es zeigte sich, wie lange Windkraftplanungen laufen. Die Mücker Gemeindevertreter haben bereits 2012 vier Vorranggebiete für Windenergie festgelegt. Wie Bürgermeister Andreas Sommer bei der Veranstaltung im Gemeinschaftshaus Nieder-Ohmen erläuterte, ist in den Regionalplan nur ein Areal aufgenommen worden. Die Kuppe zwischen Atzenhain und Nieder-Ohmen weist hinreichend starken Wind auf, dort stehen bereits zwei Anlagen.

Die kleineren Rotoren in Richtung Atzenhain wurden genehmigt, als der Regionalplan noch in Arbeit war. Wie Sommer auf Nachfrage einer Besucherin erläuterte, liegen sie zu nahe an dem Ortsteil, so dass dort künftig kein Ersatz durch neue Anlagen möglich ist. In der Windvorrangfläche 5412 plant Juwi drei Rotoren, die Firma »Energiequelle« eine weitere und im Wald sucht Hessen-Forst per Ausschreibung nach einem Projektierer, wie Sommer sagte.

Projektleiterin Rim Salem von Juwi stellte eine Karte vor, auf der die ungefähren Standorte der 240 Meter hohen »Spargel« eingezeichnet sind. Sie werden mit größeren Abständen zueinander geplant, um technische Probleme durch Turbulenzen zu verhindern. Die genaue Positionen werden erst im Genehmigungsverfahren festgelegt, betonte Salem.

Zur Zeit laufen die Untersuchungen zum Schutz von Tieren, weitere Gutachten zur Umwelt und zur Bauplanung folgen. Im Sommer nächsten Jahres soll der Antrag beim Regierungspräsidium eingereicht werden, dann folgen Prüfung und die Erörterung mit der Öffentlichkeit. Mit einem Baubeginn rechnet Salem für Winter 2021 oder für das Frühjahr 2022.

Ein Besucher äußerte Bedenken, ob der Gutachter auch wirklich unabhängig das Vorkommen von Rotmilan und Fledermaus prüft. Dem setzte Salem entgegen, dass die Gutachten teuer sind und das Büro einen Ruf zu verlieren hat. Die Gutachten müssten korrekt sein. »Wir haben kein Interesse, viel Geld in die Planung zu stecken und dann nicht bauen zu können«, fügte die Projektleiterin an. Geprüft werde auch, ob der erzeugte Strom in das Netz eingespeist werden kann, ohne es zu überlasten.

In der Diskussion mit Bürgern und Kommunalpolitikern wurde deutlich, das einige Fragen erst im Genehmigungsverfahren beantwortet werden. So verwies eine Besucherin auf Rotmilane in dem Bereich, auch Sommer kennt Horste von Rotmilan und Wespenbussard. Das wird im Vogelgutachten geklärt, sagte Salem, unter Umständen kann eine Anlage nicht errichtet werden. Ein Besucher verwies auf störenden Schatten der bestehenden Anlagen auf seiner Terrasse. Schumacher verwies dazu auf die Gesetze zu Lärm und Schattenwurf. Das Regierungspräsidium kann auch anordnen, dass eine Anlage zu der Zeit abgeschaltet wird, in der Schatten auf ein Haus fällt.

Ein Besucher fragte nach dem Überangebot an Strom, wenn viel Wind weht. Schumacher setzte dem entgegen, dass es zeitweise einen solchen Überschuss gibt, »aber viel seltener als in der öffentlichen Debatte oft behauptet«.

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