21. Juli 2019, 10:25 Uhr

Bauwerke

Kriegsrelikt mit geheimnisvoller Geschichte in Homberg verschwunden

Über Wochen lag am Ortsrand von Homberg gegenüber den Kamax-Werken ein großer Trümmerhaufen. Auf den ersten Blick ein normaler Abriss.
21. Juli 2019, 10:25 Uhr

Mit dem vor kurzem abgerissenen unscheinbaren Gebäude ist ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges verschwunden. Das Haus war während des Zweiten Weltkriegs das Kommandaturgebäude des Feldflugplatzes im nahen Kirtorf. In den 1950er Jahren wurde es abgebrochen und in Homberg von Wilhelm Friedrich (ehemals Sägewerk in Deckenbach) in Homberg wieder aufgestellt, der dort auch Wohnungen vermietete. Die Kamax-Holding hatte das Grundstücke mit dem der früheren Lampenfirma GuRo (Gustav Rose) gekauft. Dort plant das Unternehmen eine Erweiterung (siehe Kasten).

Etliche Details und die Geschichte des Hauses hat der Homberger Günther Linker unter anderem bei Exkursionen in Stadtallendorf von Alfons Wieber erfahren. Wieber hat sich intensiv mit der Geschichte der beiden Sprengstoffwerke in Stadtallendorf und mit dem früheren Feldflugplatz Kirtorf beschäftigt und hält regelmäßig sehr gut besuchte Vorträge dazu.

Der Feldflugplatz Kirtorf wurde zwischen 1935 und 1939 in einem Waldgebiet in der Gemarkung von Wahlen gebaut. Für die sogenannten »Blitzkriege« wurden seinerzeit im deutschen Reich viele solche kleinen Feldflugplätze angelegt. Die Größe der als Graspiste ausgelegten Freifläche betrug rund 160 Hektar. Um aus der Luft nicht erkannt zu werden, war das Gelände als landwirtschaftliches Gehöft getarnt. Zu diesem Zweck wurden sogar farblich unterschiedliche Gräser ausgesägt, um den Eindruck einer bäuerlich genutzten Fläche zu erwecken. Für die Rasenpflege waren die Schafherden des Platzlandwirts verantwortlich.

Die Kommandantur sah aus wie ein Bauernhof, das Fachwerk war auf die Wände aufgemalt. Die Werfthallen sollten wie Scheunen wirken. Der Fliegerhorst war Gießen unterstellt und diente vorrangig als Ausweichplatz.

Schon ab 1938 wurde er von der Luftwaffe genutzt und war mit diversen Flugzeugen wie Jagdbombern belegt. Er hatte zudem einen Gleisanschluss nach Stadtallendorf. Die Trasse ist heute noch sichtbar. Hier wurde Munition in die wartenden Flugzeuge verladen, von denen aus unter anderem Rotterdam bombardiert wurde.

Am 25. März 1945 zerstörte die US Air Force in einer großangelegten Aktion die Flugplätze, auch den in Kirtorf. Fast 2400 Bomben fielen auf den Platz, bis zu 30 Prozent waren Blindgänger. Gleich nach dem Kriegsende wurde die teils noch vorhandene militärische Infrastruktur gesprengt.

Bernsteinzimmer in Bunker vermutet

Das galt auch für die dort noch lagernde Munition. Ab 1948 war die STEG (Staatliche Erfassungsgesellschaft für Heeresgut) verantwortlich. Reste von Demontage und Gebäudesprengungen wurden in teils noch vorhandenen Bombentrichter »entsorgt.« Abfälle, die in der Folge teilweise für erhebliche Probleme gesundheitlicher Art sorgen bei Bundeswehrsoldaten, die auf dem Gelände tätig waren. Ab 1958 war das ehemalige Flugplatzgelände in Kirtorf für die Nutzung durch die Bundeswehr vorbereitet worden. Panzerstraße, Fahrzeugwaschanlage und Ausbildungsanlagen wurden gebaut.

Heute ist auf dem Gelände nicht mehr viel vom alten Feldflugplatz zu sehen. Die Gebäude wurden abgebaut und später in Kirtorf und Homberg weiter genutzt.

Eine Anekdote erzählt Alfons Wieber immer gern bei seinen Vorträgen. Der sogenannte Bunker 2 wurde während des Kriegs am östlichen Rand des Flugplatzes in Kirtorf noch fertiggestellt, aber nicht mehr benutzt. Die Bundeswehr erhielt später den Auftrag, ihn »im Rahmen ihrer Möglichkeiten« zu bewachen. Eines Tages erhielt Wieber, der damals Standortkommandant war, eine Meldung, die Stahltür des Bunkers sei aufgeschweißt und aufgebrochen worden. E

Erst 20 Jahre später meldeten sich zwei Männer aus Ober-Gleen bei ihm und entschuldigten sich für den Aufbruch. Sie hatten in dem Bunker das sagenumwobene Bernsteinzimmer vermutet.

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