24. Juli 2019, 12:15 Uhr

Kneipen

Drei Ehepaare übernehmen Traditionsgasthof Hörle in Merlau

Merlau ohne Traditionsgasthof Hörle? Geht gar nicht, dachten sich sechs Freunde, nachdem die Wirtschaft geschlossen werden musste, weil die Wirtin schwer erkrankte.
24. Juli 2019, 12:15 Uhr

Plötzlich waren viele Mitglieder des Merlauer Carnevals Vereins (MCV) und Stammgäste von jetzt auf gleich »heimatlos«, als die bekannte Gaststätte geschlossen werden musste. Inzwischen acht Tanzgruppen des MCV trainieren unter anderem regelmäßig im großen Saal. Darauf stiegen sechs Vorstandsmitglieder in Verhandlungen mit dem Eigentümer der Gebäude ein, der sich bereit erklärte, ihnen den Gasthof zu verpachten. Bei einem Treffen sollten Nägel mit Köpfen gemacht werden, doch der Besitzer verstarb ganz plötzlich.

»Wir machen weiter«, das stand für die drei schon lange befreundeten Paare fest, es sind neben Kerstin und Thomas Tröller Alexandra und Kai-Uwe Merz und Susanne und Mario Herbst. Sie sind zwar im Vorstand des Merlauer Carnevals Verein aktiv, die GbR agiert aber unabhängig vom Verein.

Das Ziel ist es, einen schönen Treffpunkt für Alt und Jung zu etablieren. Denn während viele alte Dorfkneipen bereits weggestorben sind, soll es bei Hörle weitergehen. Gab es über viele Jahre in Merlau drei der früher so typischen Kneipen, so ist nur eine davon übrig geblieben.

Von der Substanz her erwiesen sich die Gebäude als solide, wenn auch kleinere Reparaturarbeiten anfallen. Man möchte bewusst den rustikalen Charme erhalten. Das gilt auch und besonders für den »Koustall«, den sich einst eine Jugendgruppe im Hof hergerichtet hat, dort, wo früher tatsächlich einmal Kühe gestanden haben. Der Kellerbar-Charme gibt dem »Stall« einen gemütlichen Touch, der viel Anklang findet.

Während es andere gastronomische Betriebe schwer haben, Personal zu finden, ist das beim Hörle-Team kein Problem. Die sechs Mitglieder der GbR stehen gemeinsam oder abwechselnd bereit und hinter dem Tresen, dazu kommen Helfer und Helferinnen aus den Reihen des Carnevals-Clubs.

Einmal im Monat wird ein spezielles Event angeboten, etwa eine »Midsummerparty.« Dazu gibt es im August einen hessischen Frühschoppen. Ferner können die Räume für private Feiern gemietet werden.

Die Probeläufe haben den neuen Betreibern viel Hoffnung gemacht. »Unser Konzept wird angenommen.« Auch die Stammgäste sind geblieben und freuen sich darüber, dass sie wieder einen Feierabendschoppen genießen können. »Es kommen auch junge Leute, die wir vorher noch nie gesehen haben.« Darüber hinaus sind auch Alleinstehende gern gesehen, sich in gesellige Runde zu begeben.

Im besonderen auch der Biergarten im Innenhof findet regen Zuspruch. Hier findet man sich an warmen Tagen zusammen, um unter freiem Himmel anzustoßen. Liebevolle Dekoration sorgt in Kneipe wie in Biergarten und »Koustall« für Flair.

Was der Gruppe am Herzen liegt, ist klar zu stellen, dass das Projekt vor allem eine Herzenssache ist: »Reichtümer wollen und können wir damit nicht scheffeln.« Pacht und Nebenkosten wie Strom und Heizung müssen aufgebracht werden. Dazu geht es nicht ganz ohne Aushilfspersonal, das bezahlt werden muss. »Was wir verdienen, das investieren wir wieder.« An Anschaffungen werden unter anderen Billardtisch, Tischkicker, Backofen, Kühlschrank oder Ausstattung für den Biergarten aufgezählt.

Dass es funktioniert, ist dem Enthusiasmus zu verdanken, mit dem die Betreiber ans Werk gehen. »Wir leben das«, sagt Kerstin Tröller. Dieses Engagement wurde nach rund einem halbjährigen Behördenmarathon mit der offiziellen Konzession »belohnt«, die es für den Gaststättenbetrieb braucht. Die Besitzerin des Anwesens, Waltraud Keil, ist ebenfalls froh, dass es weitergeht: »Damit ist dem Verein und auch dem Dorf geholfen«.

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