27. September 2019, 11:45 Uhr

Feuerwehr

Spezialisten bei der Feuerwehr dringend gesucht

Die Zeiten sind vorüber, in denen es Ehrensache war, dass jede Familie im Dorf mit mindestens einem Aktiven in der Feuerwehr vertreten war. Doch wer hilft, wenn das Wohnhaus brennt?
27. September 2019, 11:45 Uhr
Mitglieder der neu gegründeten Jugendfeuerwehr Unter-Seibertenrod sehen zu, wie die Aktiven bei der Großübung der Ulrichsteiner Wehren vorgehen. Die Feuerwehren wollen gezielt Kinder und Jugendliche für die Feuerwehrarbeit anwerben. (Foto: sf)

Die Feuerwehr ist im Umbruch: Das spüren die gestandenen Wehrführer der Feuerwehren in der Großgemeinde Ulrichstein. So schwindet die Einsatzbereitschaft, weil immer weniger Aktive tagsüber vor Ort greifbar sind. Es kommen zu wenige Jugendliche nach, wenn die Alten in den Ruhestand gehen. Und es bleibt das Problem der Weiterbildung, wenn der stressige Job kaum Zeit zum Besuch der Ausbildungskurse lässt. Dem haben sich die Wehrführer der neun Ulrichsteiner Stadtteilwehren offensiv gewidmet und unter Leitung von Jörg Jost (Kölzenhain) ein Strategiepapier erstellt.

Über ein Jahr hat die Diskussion gedauert, nun stellten sie das 29-seitige Thesenpapier im Stadtparlament vor. Im Gespräch mit der Alsfelder Allgemeinen Zeitung haben Jost, Joachim Erbes, Jens Patrick Schmitz (Ulrichstein) und Gerhard Schmiermund (Ober-Seibertenrod) die wichtigsten Folgerungen vorgestellt. Bürgermeister Edwin Schneider brachte den städtischen Standpunkt ein, denn Brandschutz ist Sache der Kommune, auch wenn er von Ehrenamtlichen gesichert wird. Die Wehrführer stimmen überein, dass man bereits bei der Nachwuchswerbung auf dem richtigen Weg ist: »Die Planung hat schon Früchte getragen«, sagt Erbes. Die Tücke für effektiven Brandschutz steckt im Detail, es sind mehrere Bereiche, in denen Verbesserungen nötig sind.

So stellte man beim Brand einer landwirtschaftlichen Maschine im Juni 2018 fest, dass innerhalb der vorgegebenen Zehn-Minutenfrist nur wenige Aktive zur Einsatzstelle geeilt waren. »Richtig einsatzfähig war man erst nach 20 Minuten«, sagt Jost. Problem: Der Brand war vormittags um 11 Uhr ausgebrochen. Tagsüber sind nicht alle Wehren alarmbereit Nur dort, wo Mitarbeiter einer Firma oder Landwirte zu Hilfe kommen können, reicht die Einsatzstärke aus.

Um dem entgegen zu wirken, brauchen die Wehren mehr aktive Mitglieder. »Da muss man jeden persönlich ansprechen, sonst wird das nichts«, sagt Jost. Aus der Jugendfeuerwehr rücken erfahrungsgemäß etwa 50 Prozent in die Einsatzabteilung auf, viele gehen aber auch wegen der Ausbildung weg.

Gegen Fusion von Wehren

Der Arbeitskreis »Zukunft Feuerwehr« hat daraus die Konsequenz gezogen, Kindergruppen systematisch zu stärken. »Wir müssen schon Kinder im Grundschulalter ansprechen, um sie an die Feuerwehr heranzuführen«, erläutert Jost. In der Jugendfeuerwehr könnten sie dann gut vorbereitet werden. »Wir bilden da die Retter der Zukunft aus«, umschreibt es Erbes. Wichtig sei es auch, die Eltern gezielt anzusprechen. Hier kommt man voran: Kürzlich sind die Jugendwehren in Unter- und in Ober-Seibertenrod wieder aktiviert worden.

Ein anderes Problem ist, dass viele Feuerwehrleute die Ausbildungsstufe 1 (Truppmannausbildung Teil 1) absolvieren, aber dann bei Stufe 2 passen. Denn hierfür müssen sie in zwei Jahren 80 Stunden an Ausbildung absolvieren. Wenn man beruflich bedingt den einen oder anderen Kurs nicht wahrnehmen kann, wird es schwierig, das in der Frist zu schaffen. »Dann fehlen uns zukünftig die Führungskräfte und Spezialisten, weil diese Ausbildung für weiterführende Lehrgänge vorgeschrieben ist«, merkt Schmitz an.

Ein anderes Thema ist die sinkende Wertschätzung für die Feuerwehrleute. In Unternehmen muss man dafür werben, dass Aktive bei einem Einsatz kurzfristig abrücken können. Wichtig ist ein professionelles Auftreten. Nur gut geschulte Einsatzkräfte arbeiten gut: »Wenn es mal nicht gut läuft, wird schnell in den Krümeln gesucht«, sagt Jost. Klar positionieren sich die Wehrführer gegen Vorschläge, Feuerwehren zusammenzulegen. Es würden sich dann wohl Aktive zurückziehen, wenn sie der Nachbarwehr zugeschlagen werden. Die Anforderungen werden höher, es werden heute eher Spezialisten für bestimmte Einsatzlagen benötigt und dazu kommt, dass Fahrer mit Lkw-Erlaubnis fehlen.

Zufrieden sind die Wehrführer mit der Unterstützung durch die Stadt. So lobte Jost Bürgermeister Schneider dafür, dass dieser als Aktiver genug Fachkenntnis mitbringt. Wenn es um Ausstattung und Umbau der Gerätehäuser geht, ist die Stadt unverzichtbar. »Da tragen die Feuerwehren aber auch viel Eigenleistung bei«, gibt Schneider das Lob zurück.

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