03. Oktober 2019, 17:26 Uhr

»Es kann überall hochploppen«

03. Oktober 2019, 17:26 Uhr

Sebastian Erb warnt vor den diffusen Strukturen eines Netzwerks von ehemaligen Elitesoldaten mit Verbindungen in das rechtsextreme Milieu. Nun war der Journalist der Tageszeitung taz bei einer Diskussionsveranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Alsfeld zu Gast.

Mit großem Interesse ließen sich unter den gut 30 Zuhörern einige Aktive des Bündnisses für Vielfalt Kirtorf die Verbindungen der extremen Reservistenszene zu Rechtsextremen erläutern. Dabei sieht Erb »keine Verbindungen zu den hiesigen Polizisten«, gegen die wegen rechtsextremer Äußerungen ermittelt wird. Es warnt aber vor Männern mit Kampferfahrung, die der Hass auf Flüchtlinge und auf Linke eint. Der taz-Journalist ist seit Jahren auf den Spuren eines Netzwerks unterwegs, das sich um die Gruppe Nordkreuz und den Verein Uniter abzeichnet. Nordkreuz umfasst nach seinen Recherchen etwa 30 Personen, die sich um den zentralen Akteur unter dem Decknamen »Hannibal« gruppieren. Erb bezeichnet Nordkreuz als »Männerbund« ehemaliger Mitglieder von Eliteeinheiten der Bundeswehr.

Kampfübungen mit Softair-Waffen

Sie bereiteten sich auf eine grundsätzliche Krise in Deutschland vor, manche horten Waffen und Munition und beteiligen sich an Einsatzübungen für den »Tag X«. Kürzlich sind bei Durchsuchungsaktionen bei zwei Mitgliedern in Mecklenburg-Vorpommern Waffen und 60000 Schuss Munition gefunden worden. Bei seiner Recherche hat Erb versucht, die Motive der Mitglieder zu ergründen. »Die erste Erklärung war, dass es sich um sogenannte Prepper handelt, die Vorräte für einen Zusammenbruch der Zivilisation horten.« Aber nach Gesprächen mit mehreren Leuten aus der Reservistenszene ist er überzeugt, das Netzwerk eine Menschen, die sich mit den Gedanken tragen, im Zweifelsfall schwere Taten zu verüben.

Darauf deuteten das Horten von Munition und Waffen sowie die Übungen mit kampferprobten Soldaten hin. Manche der Ex-Soldaten sind Sportschützen und machen Kampfübungen mit erlaubten Softair-Waffen.

Hinzu kommt eine sogenannte Feindesliste, die bei Nordkreuz-Aktiven auftauchte. Sie umfasst mehrere tausend Namen, besonders markiert sind etwa Außenminister Heiko Maas, Ex-Bundespräsident Joachim Gauck oder Anetta Kahane (Amadeu-Antonio-Stiftung).

Problematisch für Erb ist, dass »Hannibal« ein Informant des militärischen Abschirmdienstes war. Sein Kontaktmann habe ihn offenbar vor Razzien des MAD gewarnt, die daraufhin nichts einbrachten.

»Hannibal« und Nordkreuz stehen in Verbindung mit dem Verein Uniter, der Reservisten von Armee und Sicherheitsdiensten umfasst. Der ehemalige Vorsitzende Ringo M. war Mitarbeiter beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. Im Umfeld des Vereins war Franco A. zu finden, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hat. Der Bundeswehrsoldat wird verdächtigt, einen Terroranschlag vorbereitet zu haben, der Flüchtlingen in die Schuhe geschoben werden sollte. »Das Szenario für den Tag X ist so ähnlich wie der Anschlag, den Franco A. geplant hat«, sagt Erb. Dann hätten Mitglieder von Nordkreuz und drei weiteren Regionalgruppen losschlagen wollen.

Bei der Gruppe um »Hannibal« gebe es keine Hinweise auf rechtsextreme Motive. Franco A. dagegen schätzt Erb hingegen als klar rechtsextrem ein. Die Besucher fragten natürlich nach den möglichen Verbindungen zu den Vogelsberger Polizisten, gegen die wegen rechtsextremer Chats und Aussagen ermittelt wird. Erb hat sich einige Tage lang im Umfeld der Männer aus Kirtorf und Romrod umgehört. »Ich habe keine Verbindungen zu Nordkreuz und Uniter gefunden«, sagt er.

Er hat auch keine Verbindung zu dem rechtsextremen Umfeld des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke in Nordhessen gefunden. »Das ist aber fast noch schlimmer, denn wenn es ein Netzwerk geben würde, dann könnte man es zerschlagen.« Offenbar könne das »überall hochploppen«.

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