11. Oktober 2019, 22:08 Uhr

Zwischen Euphorie und Skepsis

11. Oktober 2019, 22:08 Uhr
Einige der Baumbesetzer lesen am Freitag die Pressemitteilung der Deges am Bauwagen der Mahnwache. (Foto: rs)

»Ja!« ruft Barbara Schlemmer und reißt im Bauwagen der Mahnwache in Dannenrod die Arme hoch. Soeben hat ein AAZ-Redakteur ihr und drei Mitstreitern von der Presseerklärung der Deges berichtet. »Da habe ich vor drei Stunden noch ans Ministerium geschrieben und jetzt das«, zeigt sich die Vorsitzende der Grünenfraktion in Homberg hoch erfreut. Die Mitstreiter am Sportplatz sind nicht alle so positiv berührt. »Jetzt geht es anders weiter«, signalisiert ein Mitglied der Mahnwache, denn die Deges-Ankündigung sei ja nur eine Verschiebung, aber nicht der Verzicht auf den Weiterbau der A 49.

»Das kann der Einstieg in den Ausstieg sein«, zeigt sich Schlemmer dennoch optimistisch. Denn es rumore an der Basis der Grünen. Die Parteifreunde im Schwalm-Eder-Kreis hätten sich von dem Projekt abgewandt, die Grüne Jugend sei ebenfalls dagegen, und der grüne Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir komme jetzt unter Druck. Schließlich signalisiere das Verschieben der Baumfällungen der Bevölkerung, dass sich der Einsatz dagegen lohne. Ob die Baumbesetzer jetzt aufhören? Das halten die Vertreter der Mahnwache für fraglich.

Hubschrauber kreist weiter

Nachdem der täglich für einige Minuten über dem Lager kreisende Polizeihubschrauber abgedreht ist, kommen einige der Baumbesetzer zum Lager, um sich aufzuwärmen, etwas zu essen und um Proviant aufzufüllen. »Das ist das erste warme Essen nach drei Tagen«, sagt einer der Aktivisten und löffelt eine Gemüsesuppe. Die Baumbesetzer lesen sich die Deges-Erklärung sehr sorgfältig durch und stellen dann fest: »Wir sind gegen die A 49 und hier steht nur, dass es einen Aufschub geben soll. Zudem werden auch jetzt weiter einzelne Bäume gefällt. Wir machen weiter.« Aber etwas Optimismus kommt schon noch durch: »Wir freuen uns erst mal«, sagt einer der Baumbesetzer. Aber die Truppe will das große Ziel nicht aus dem Auge verlieren - Aktionen gegen den Klimawandel.

Die Baumbesetzer sind für eine Verkehrswende insgesamt, und das umfasst neben dem Baustopp für die A 49 auch den Rückbau. »Man kann ja auf einigen verbliebenen Teilstücken Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen aufbauen«, schlägt einer vor. Ein anderer interpretiert die Deges-Ankündigung als Rückzug der Behörde, und jetzt könnten die A 49-Gegner noch mehr und radikalere Forderungen stellen.

Und unter den A 49-Gegnern herrscht auch die allgemeine Skepsis vor, dass die Deges mit der Verschiebung nur den Stellenwert der Aktivisten in der Öffentlichkeit mindern möchte. Und auch die Hilfen und das Aufbegehren aus der Bevölkerung könnten mit der Zeit weniger werden, wird befürchtet. Während die Vertreter von Mahnwache und Baumbesetzern noch den neuen Stand diskutieren, kommen immer wieder Bürger vorgefahren und bringen Lebensmittel oder Material. Die Bürger freuen sich angesichts der Verschiebung. »Das ist ja gigantisch«, meint eine Frau. Bis vor zwei Wochen haben wir noch gedacht, dass wir hier demnächst einen gerodeten Wald haben.« Und eine andere sagt beim Ausladen von Lebensmittelkartons: »Dann war das ja alles nicht so umsonst«.

In einer Stellungnahme der Vogelsberger Grünen schreibt Dr. Udo Ornik zur aktuellen Entwicklung: »Der von uns vorgetragene Vorwurf, dass die A 49 auf Basis der nicht ordnungsgemäß ausgeführten Ausgleichsmaßnahmen nicht weitergebaut werden darf, hat sich auch im Land und im grünen Ministerium durchgesetzt. Das ist erstmals ein großer Erfolg für die Umwelt«.

Nun werde es weitere Diskussionen geben. Dem Landrat und seinem CDU-Vertreter sei es völlig egal gewesen »So darf es nicht weiter gehen«, meint Ornik: »Umwelt und Klimaschutz müssen Priorität 1 bekommen.« (rs)

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