15. Oktober 2019, 09:40 Uhr

Landwirtschaft

Hohe Auflagen mindern Erlös bei Schweinehaltern

Ob seine Schweine glücklich sind, weiß Landwirt Heiko Rau nicht. Dafür gibt es Spielzeug in den Boxen. Für Rau gibt es dagegen jede Menge Auflagen, Probleme und Kosten.
15. Oktober 2019, 09:40 Uhr

Bauernhof modern: Ein Gabelstapler befüllt gerade eine riesige Sähmaschine. Hof Dotzelrod ist ein großer landwirtschaftlicher Betrieb mit 400 Hektar Fläche und 3500 Mastschweinen, Tendenz steigend. Der Betrieb soll weiter vergrößert werden. Allerdings gibt es grundsätzliche Probleme, wie eine CDU-Delegation dieser Tage erfuhr.

Der heimische Landtagsabgeordnete Michael Ruhl und Erster Kreisbeigeordneter Jens Mischak waren mit Michael Boddenberg gekommen, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Wiesbadener Landtag. Der Spitzenmann der Landes-CDU zeigte sich dabei fachlich versiert: Der gelernte Fleischermeister Boddenberg diskutierte angeregt mit Rau, blieb auch Volker Lein (Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, Bauern-Vize in Hessen) und Kreislandwirt Andreas Kornmann keine Antwort schuldig.

Bestehen kann man als Landwirt heute nur noch mit Menge. Diese Einschätzung untermauert Rau mit den Hinweis, dass die schlachtreifen Schweine erst geholt werden, wenn mindestens ein Lastwagen voll wird. Das bedeutet rund 170 Schweine. Dem kann Rau einmal pro Woche nachkommen. Aber es werde ihm durch Auflagen immer schwerer gemacht, beklagt er. Die Auflagen müssten die deutschen oder auch EU-Produzenten erfüllen, man könne mit Waren aus dem Ausland dann nicht immer konkurrieren. Rau beklagt auch, dass das hessische Landwirtschaftsministerium »die Biobauern zu sehr fördert«. Währenddessen werde die herkömmliche Landwirtschaft vom Weltmarkt an die Wand gedrückt. Rau fordert planbarere Rahmenbedingungen für seinen Berufsstand oder Mindestpreise. Kreislandwirt Andreas Kornmann, Ferkelzüchter in Romrod, bekräftigte, den Erzeuger-Förderungen stünden zu wenige Absatzförderungen gegenüber. So seien inzwischen auch viele Biobauern davon betroffen, dass sich ihre Waren zu Ladenhütern entwickeln.

Boddenberg wies darauf hin, dass der EU-Haushalt zu großen Teilen Agrarförderungen vorsieht.

Damit trage man der Bedeutung von Ernährung und Landschaftspflege Rechnung. Aus seiner Sicht gehe es nicht um die Bevorzugung eines Teiles der Landwirte, sondern beide Richtungen sollten voneinander lernen. Ein Runder Tisch zu diesem Thema in Hessen werde auch vom Landesbauernverband als positiv eingeordnet, was Bauernverbandsvize Lein bestätigte. Der CDU-Fraktionschef gestand indes zu, dass das von den Grünen geführte Landwirtschaftsministerium naturgemäß auch die Handschrift der Partei trage, das sei beim CDU-geführten Innenministerium nicht anders.

Was Hofgut Dotzelrod besonders belastet, machte Rau bei einem Rundgang deutlich. das Anwesen ist wenigstens 500 Meter von der nächsten Siedlung (Münch-Leusel) entfern, gleichwohl muss Rau etwas gegen Geruchsbelästigungen unternehmen. In einem Abluftfilter soll Ammoniak herausgeholt werden, dabei wird viel Wasser eingesetzt. Umgelegt auf seine Schweine bedeute das im Betrieb drei Euro je Tier und weitere drei Euro wegen der Anfangsinvestition. Da bleibe dann nicht mehr viel Verdienst beim Tierverkauf. Kornmann ergänzte, einige Lösungen würden mit bis zu zehn Euro je Tier zu Buche schlagen, das bedeute das Halbieren des möglichen Erlöses.

Kleine Betriebe könnten das nicht lange durchhalten. Boddenberg lieferte dazu Zahlen: Der Mäster bekommt 1,85 Euro je Kilo, das Tier wiegt beim Verkauf 80 Kilo. Mit 30 Kilo ist es zur Mast gekommen, wurde drei bis vier Monate gehalten. Für die rund 150 Euro musste das Tier gekauft und gefüttert werden. Beim Füttern verwertet Rau auch Abfallprodukte: Zum einen setzt er Zwieback- und Brotreste ein, die 20 Prozent des Futters ausmachen. Zum anderen deckt er den Flüssigkeitsbedarf zu etwa der Hälfte mit Molke.

»Es muss über Vertrauen gehen«, sagt Boddenberg in Hinblick auf den Absatz landwirtschaftlicher Produkte. Grenzen zu schließen sei nicht möglich, und dann bliebe immer noch, dass in Deutschland 120 Prozent der nötigten Landwirtschaftsprodukte produziert werden. Der Kunde müsse bereit sein, für gutes Essen auch gut zu zahlen. Leider stehe lität der Deutschen dem derzeit noch entgegen. Während in Frankreich 14 bis 15 Prozent des verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden, seien es in Deutschland unter zehn Prozent. Und Bio-Artikel würden nur von zehn Prozent der Bevölkerung nachgefragt. »Geiz ist geil ist ein scheiß Slogan«, fasste Boddenberg drastisch zusammen. Das sollte nicht zum Sport und zur Lebensmaxime werden. Landwirte könnten gegensteuern, indem sie Positives aus ihrem Berufsstand veröffentlichten. Der CDU-Politiker hofft, dass sich im Zuge der Klimadebatte ein positiver Effekt bis hin zur Regionalität ergeben werde.

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