19. Oktober 2019, 14:05 Uhr

Bauen

Wie viel Bauland soll es für die Mücker Dörfer sein?

Eine schwierige Frage: Wie viel Bauland braucht es in den Dörfern, damit junge Leute dableiben und nicht abwandern? In Mücke ist die Debatte schon länger eröffnet.
19. Oktober 2019, 14:05 Uhr
In Sellnrod entsteht auf der Fläche »Am weißen Acker« Bauland. Eine Diskussion gibt es darum, wie groß das Areal sein muss. (Foto: rs)

Die Abstimmungen in der Gemeindevertretung verlaufen bei unterschiedlichen Ansichten meist nach einem klaren Schema: Die Koalition aus SPD und FW bekundet geschlossen eine Meinung, die Opposition aus CDU und Grünen eine andere. Deshalb lässt es aufhorchen, wenn ein Thema mehrheitlich mit den Stimmen von SPD, FW und CDU auf den Weg gebracht wird. So war es in der vergangenen Sitzung der Gemeindevertreter bei der geplanten Ausweisung eines neuen Baugebietes in Sellnrod.

Schon seit längerer Zeit wird in Mücke der Bedarf für Neubauflächen gesehen, in Flensungen und Groß-Eichen wurde die Planung eingeleitet, für Atzenhain immer wieder das Aufgreifen einer alten Planung angesprochen. Für Sellnrod hatte der Ortsbeirat 2017 Bedarf angemeldet, laut CDU hat es damals sieben Bauinteressenten gegeben. Dass in Sellnrod wieder neu gebaut werden soll, das war seitdem mehrheitlicher Willen der Gemeindevertreter. Jetzt entzündete sich die Diskussion aber daran, ob zehn bis 15 Neubaugrundstücke aufgelegt werden sollten oder ob es ein rundes Dutzend sein müsste.

Der Sellnröder Dr. Hans Heuser (CDU-Fraktionsvorsitzender) erklärte, er sei für den Landankauf in der großen Variante (7000 Quadratmeter mehr als die bereits beurkundeten 8000 Quadratmeter). In diesem Sinne äußerte sich auch der Sellnröder Ottmar Traum (SPD). Denn die Baulücken in der Ortslage seien jetzt geschlossen, berichtete er.

Für die Grünen formulierte Dr. Udo Ornik, eine gegensätzliche Position. Man sei zunächst einmal von einem Bedarf von sieben Familien ausgegangen. Aktuell sei das Interesse aber wohl »gegen Null«. Wenn man zu viel Bauland ausweise, dann bleibe man auf den Grundstücken sitzen, bemängelte der Grüne und verwies auf das Beispiel Neubaugebiet in Höckersdorf.

In der Großgemeinde Mücke gebe es zwar einen Zuzug, aber der gleiche nur die Zahl der Sterbefälle aus. Daraus folgere, dass in den Ortskernen Bausubstanz verfällt, während an den Rändern unterdessen neu gebaut wird. Verfallende Gebäude machten die Orte aber unattraktiver. Man solle den Verbrauch von Flächen minimieren. Ornik: »Was fehlt, ist ein Konzept für die jeweilige Ortsentwicklung«.

Bürgermeister Sommer gab eine Erklärung ab, die ausdrücklich nicht das Meinungsbild im Gemeindevorstand widerspiegele. Er habe eineinhalb Jahre lang nie vom Sparen gesprochen, sagte der Bürgermeister, aber: »Mir wird manchmal schwindlig, wenn ich an die kommenden Jahre denke. Wohngebiete werden nicht nur in Sellnrod entwickelt, es stehen Ausgleichsmaßnahmen von weit über einer Million Euro an, die Sanierung der Wasserleitungen wird einen zweistelligen Millionenbetrag kosten und ich weiß nicht, wo das Geld dazu herkommen soll. Ein neuer Kindergarten kostet drei bis vier Millionen Euro. 8000 Quadratmeter sind bereits beurkundet, das sind zehn bis 15 Bauplätze. Damit ist Mücke glaube ich gut aufgestellt.«

Sorgen angesichts der hohen kommenden Ausgaben hat der Bürgermeister in den vergangenen Wochen schon mehrfach geäußert. Jetzt sind in den vergangenen Tagen noch die bemängelten Feuerwehrgerätehäuser (elf von zwölf) dazu gekommen. Deshalb hatte Sommer in einer Ausschusssitzung an die Fraktionen appelliert, sich bei Anträgen zu mäßigen. »Allein um die Infrastruktur wieder herzustellen, haben wir Arbeit für die kommenden Jahre vor uns«.

Dem Appell widersprach Ausschussvorsitzender Dirk Neumann (SPD), das widerspreche der gestalterischen Aufgabe der Gemeindevertreter. Neumann machte deutlich, dass er den Hinweis von Sommer als nicht angemessen ansah.

Der verteidigte seine Position mit dem Hinweis, dass neben dem finanziellen Aspekt das Personal der Verwaltung an der Belastungsgrenze arbeite. Es sei seine Pflicht als Verwaltungsleiter, einen geordneten Ablauf zu gewährleisten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bauland
  • CDU
  • Debatten
  • Mücke
  • SPD
  • Vogelsberg
  • Mücke
  • Rolf Schwickert
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.