05. November 2019, 21:52 Uhr

Vogelsberger Wasser für Hochhaus-WCs

05. November 2019, 21:52 Uhr
Seit Jahren fordert die Schutzgemeinschaft Vogelsberg, dass nicht noch mehr Trinkwasser in die Rhein-Main-Region geht. (Foto: au)

Wasser hat in Ulrichstein einen hohen Stellenwert, seit Jahren ist die Stadt bekanntlich auf der Suche danach. Das sagte Bürgermeister Edwin Schneider eingangs einer Veranstaltung der Vogelsberger Grünen im Museum im Vorwerk. Seit über 100 Jahren kommt das Wasser für die Kernstadt aus Schürfquellen, es gab aber immer öfter Probleme mit Bakterien und im vergangenen Jahr reichte das Wasser wegen der Trockenheit nicht mehr für die Versorgung der Bevölkerung. Über Monate musste Trinkwasser in Tankwagen gebracht werden, was rund 60 000 Euro kostete.

Die Suche nach Wasser begann mit einem Pumpversuch an einer Forschungsbohrung im Oberwald. Eine in unmittelbarer Nähe gestartete Bohrung blieb ebenfalls erfolglos. Derzeit gibt es in unmittelbarer Nähe des Ulrichsteiner Hochbehälters eine 200 Meter tiefe Brunnenbohrung (die Alsfelder Allgemeine Zeitung berichtete).

Bei einer Entnahme von 4,1 Litern pro Sekunde stehe der Wasserspiegel aktuell bei rund 166 Metern, die Pumpe hänge in einer Tiefe von 169 Metern. Geplant ist, bis Ende Mai bis zu vier Liter pro Sekunde zu entnehmen und diese zur Wasserversorgung in den Hochbehälter zu leiten. Im Februar/März nächsten Jahres soll entschieden werden, wie es mit der Bohrung weitergeht.

Hans-Otto Wack von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg zeigte dann anhand von Bildern die Folgen des Klimawandels und von Wasserlieferungen in das Rhein-Main-Gebiet. Im Vogelsberg zeigten sich beispielsweise mit dem verzögerten Frühjahrswachstum Schäden. Und die dringend notwendige Grundwasserneubildung bleibe aus. Wack erinnerte daran, dass 2003 das letzte sogenannte »Nass-Jahr« gewesen sei. Aufgrund seiner geologischen, hydrologischen und biologischen Verhältnisse sei der Vogelsberg sehr empfindlich, was Wasserentnahmen angeht. Das Grundwasser sei aufgrund seiner sehr guten Qualität auch überregional begehrt. So wurde die erste Fernwasserleitung nach Frankfurt schon ab 1871 gebaut.

Als in den 1970er Jahren die Förderung intensiviert wurde, waren für das Rhein-Main-Gebiet Fördermengen von über 120 Millionen Kubikmetern pro Jahr geplant. »Eine Katastrophe für die Natur«, sagte Wack. Gegen den »Raubbau am Grundwasser« leisteten die Vogelsberger schon in den 1980er Jahren ersten Widerstand. Dennoch wurden 1985 mehr als 60 Millionen Kubikmeter Grundwasser exportiert. Heute liege die Fördermenge bei 44 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr.

Scharfe Kritik übte Wack daran, dass im Rhein-Main-Gebiet gerade bei größeren Neubauvorhaben wie etwa Hochhäusern kein zweites Leitungssystem vorgeschrieben wird, denn mindestens 50 Prozent des Haushaltswasserverbrauchs müssen keine Trinkwasserqualität haben, bei Bürogebäuden und öffentlichen Einrichtungen seien dies oft mehr als 80 Prozent.

Des Weiteren sei es unverantwortlich, die Bürger aufzufordern, Bäume und Sträucher in der Stadt mit gutem Trinkwasser zu gießen, während in den Entstehungsgebieten vehement zum Wassersparen aufgerufen werde. Vogelsberger Trinkwasser könne zudem gespart werden, wenn die Wasser-Eigenversorgungspotenziale des Ballungsraumes Rhein-Main genutzt würden. Das sei aber aufwendiger, als das Wasser einfach aus dem Vogelsberg zu besorgen.

Mehr Widerstand gefordert

Mit Bildern über trocken gefallene Quellen, Bäche und Feuchtgebiete untermalte der wissenschaftliche Berater der Schutzgemeinschaft Vogelsberg seinen Vortrag. Er forderte abschließend: Der Vogelsberg müsse den Mut haben, in Frankfurt vor Ort zu zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass dies funktionieren kann, hätten Proteste und Demonstrationen aus dem Bereich Freiensteinau-Salz gezeigt. Dort habe Heinrich Muth zusammen mit der Bevölkerung erreicht, dass die dort vorhandenen Brunnen der Stadt Frankfurt verschlossen bleiben.

Auch bei der teilweise sehr hitzigen Diskussion wurde gefordert: Warum klagt der Vogelsbergkreis nicht gegen die hohe Wasserentnahme? Landtagsabgeordnete Eva Goldbach konnte das Leitbild des hessischen Umweltministeriums für ein »integriertes Wasserressourcen-Management Rhein-Main« nicht vorstellen, da sie durch einen Termin in Wiesbaden verhindert war. Wack wies darauf hin, dass das ursprüngliche Leitbild 98 Seiten hatte, aber durch Einsprüche der Wasserversorger und des Rhein-Main-Gebietes auf 36 Seiten reduziert wurde.

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